Uni-Hannover
14. März 2017Sozialisation zum Töten Zur Sozialpsychologie von Militär Krieg und Geschlecht
Was machen Militärausbildung und Kriegserfahrungen aus den SoldatInnen, welche (traumatischen) Spätfolgen können hier eintreten und wie wirken sich diese Erfahrungen auf das Geschlechterverhältnis aus? Das Militär ist nach wie vor grundsätzlich eine -Illusionsmaschine spezifischer Art, die im wesentlichen das Konstrukt...
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Jetzt Lernplan erstellenWas machen Militärausbildung und Kriegserfahrungen aus den SoldatInnen, welche (traumatischen) Spätfolgen können hier eintreten und wie wirken sich diese Erfahrungen auf das Geschlechterverhältnis aus? Das Militär ist nach wie vor grundsätzlich eine -Illusionsmaschine spezifischer Art, die im wesentlichen das Konstrukt der Männlichkeit produziert- (Erdheim) und daher ähnlich wie der Krieg eng mit der Kategorie Geschlecht verknüpft. Beide lassen sich nicht auf ein Männlichkeitsproblem reduzieren, aber die typischen Männlichkeitsrituale, sexuelle Übergriffe innerhalb des Militärs, insbesondere aber Massenvergewaltigungen unter kriegs- oder kriegsähnlichen Bedingungen zeigen, dass als konstitutives Merkmal für eine der letzten exklusiven Männerdomänen nach wie vor der Ausschluss der Frauen und vor allem die Abwehr der Weiblichkeit gilt. Krieg und Militär haben somit eine wichtige Funktion in der (Re-)Konstruktion von Männlichkeit im Rahmen der vorherrschenden Gender-Ordnung. Das Seminar wird dieses Thema entlang einschlägiger kulturhistorischer, soziologischer und sozialpsychologischer Ansätze grundlegend bearbeiten und auf dieser Basis folgende neuere Entwicklungen (insbesondere in Deutschland) diskutieren: 1. Die Veränderung moderner Waffensysteme und der Kriegsführungstechniken; 2. die (zunehmende) Integration von Frauen in das Militär; 3. die Einführung von Gender-Trainings und Gendermainstreaming-Konzepten in die Militärausbildung; 4. die Transformation der Bundeswehr in eine weltweit operierende Interventionsarmee und damit zusammenhängend 5. die Zunahme von Kriegstraumatisierungen.
Ehrenreich, B.: Blutrituale. Ursprung und Geschichte der der Lust am Krieg, München 1997
Frevert, U. (Hg.): Militär und Gesellschaft im 19 und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1997
Pohl, R: Massenvergewaltigung. Zum Verhältnis von Krieg und männlicher Sexualität, in: Mittelweg 36, 11. Jg., Heft 2, 2002, S. 53-75
Schmölzer, H.: Der Krieg ist männlich. Ist der Friede weiblich? Wien 1996
Eifler, C./Seifert, R (Hg.): Soziale Konstruktionen – Militär und Geschlechterverhältnis, Münster 1999
Seifert, R.: Militär - Kultur - Identität. Individualisierung, Geschlechterverhältnisse und die soziale Konstruktion des Soldaten, Bremen 1996
Seifert, R./Eifler, C./Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Gender und Militär. Internationale Erfahrungen mit Frauen und Männern in Streitkräften. Königstein/Taunus 2003
Dittmer, C.: Gender Trouble in der Bundeswehr. Eine Studie zu Identitätskonstruktionen und Geschlechterordnungen unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen. Bielefeld 2009
Institut für Soziologie
Universität Hannover
SoSe 2015
Prof. Dr. phil.
Pohl Rolf phil