Uni-Siegen
14. März 2017Tierbilder
Nachdenken über Tiere ist in Mode gekommen. Seit einigen Jahren erscheint eine Fülle von naturwissenschaftlichen, philosophischen und kulturwissenschaftlichen Texten, die sich mit dem Tier beschäftigen. Auch der Ausstellungsbetrieb hat sich des Themas angenommen. Motiviert ist die Auseinandersetzung mit dem Tier...
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Jetzt Lernplan erstellenNachdenken über Tiere ist in Mode gekommen. Seit einigen Jahren erscheint eine Fülle von naturwissenschaftlichen, philosophischen und kulturwissenschaftlichen Texten, die sich mit dem Tier beschäftigen. Auch der Ausstellungsbetrieb hat sich des Themas angenommen.
Motiviert ist die Auseinandersetzung mit dem Tier wohl vor allem durch den Eindruck, dass es an der Zeit ist, endlich einen anderen, 'gleichberechtigten' Umgang mit Tieren zu etablieren, und dass dazu auch jeder Einzelne einen kleinen Beitrag leisten kann, etwa durch den Verzicht auf den Verzehr von Fleisch oder zumindest durch aufgeklärtes Verbraucherverhalten. Dem tatsächlichen Verschwinden von Tieren aus unserer Lebenswelt steht dabei eine wachsende Produktion von Bildern (und Filmen) von Tieren gegenüber.
Nach dem Tier fragen bedeutet immer auch nach dem Menschen fragen. Die philosophischen und kulturwissenschaftlichen Überlegungen kristallisieren sich um die Verortung der -anthropologischen Differenz- (Markus Wild). Sie will den Unterschied zwischen Mensch und Tier benennen und hebt dabei entweder auf ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ab, aus dem alle weiteren Unterschiede zwischen Mensch und Tier resultieren (etwa der Mensch als animal rational), oder besteht im Gegenteil darauf, dass der Mensch sich möglichst nah beim Tier, als Tier unter Tieren, situiert. Auch neue Untersuchungen, etwa zu den kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Tieren, führen mit dazu, dass Mensch und Tier nun (wieder) näher zusammenrücken.
Wir wollen im Seminar diese Diskussion in Grundzügen erschließen und in als historischem Längsschnitt angelegten Bildbetrachtungen Tier-Bilder erarbeiten, die von emblematischen, allegorischen und satirischen Tierdarstellungen über das Tierportrait und das Sportbild bis hin zu zeitgenössischen Installationen reichen.
Die Teilnehmer werden gebeten, bereits zur ersten Sitzung Hypothesen und/oder Fragen zum Thema zu formulieren, die unsere Bildbetrachtungen mit leiten sollen.
Wild, Markus, Tierphilosophie zur Einführung, Hamburg 2008
Berger John, Warum sehen wir Tiere an? In ders.: Das Leben der Bilder und die Kunst des Sehens, Berlin 1991, S. 12-35
Clark, Kenneth, Animals and men, London 1977
Kemp, Martin, The Human Animal in Western Art and Science, Chicago/London, 2007
Baker, Steve, The Postmodern Animal, London 2000
Hg. Andratschke, Thomas, Eichler, Alexandra, Im Reich der Tiere. Streifzüge durch Kunst und Natur, Landesmuseum Hannover, 2012
Hg. Blühm, Andreas, Lippincott, Louise, TierSchau. Wie unser Bild vom Tier entstand, Wallraf-Richartz Museum & Fondation Corboud Köln, 2007
Hg. Stiftung Deutsches Hygienemuseum, Mensch und Tier. Eine paradoxe Beziehung, Ostfildern-Ruit, 2003
Héran, Emmanuelle, Le Zoo d'Orsay, Paris 2008
Thomas Macho, Arme Schweine. Eine Kulturgeschichte, Berlin 2006
Pickeral, Tamsin, The Horse. 30.000 Years of the Horse in Art, London/New York 2006
Baskett, John, The Horse in Art, New Haven/London 2006
Billeter, Erika, Hunde und ihre Maler. Zwischen Tizians Aristokraten und Picassos Gauklern, Bern 2005
s. auch die entsprechende website der Bundeszentrale für politische Bildung
Kunst
Die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung ist Voraussetzung für die weitere Teilnahme an dem Blockseminar!!!
Der Erwerb eines Leistungsnachweises erfolgt durch eine Hausarbeit.
Universität Siegen
WiSe 2012/13
Priv.-Doz. Dr.
Quast Antje Priv Doz