Uni-München
14. März 2017Tutorium Tutorium Philosophie und die Künste Staudinger
Die im Titel dieser Veranstaltung - -Philosophie und die Künste- - angesprochene Verbindung von Kunst und Philosophie durch eine Konjunktion ist als explizite und gleichberechtigte Relationierung beider Bereiche zu verstehen und sollte nicht als Nach- oder Unterordnung aufgefasst werden. Demzufolge...
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Jetzt Lernplan erstellenDie im Titel dieser Veranstaltung - -Philosophie und die Künste- - angesprochene Verbindung von Kunst und Philosophie durch eine Konjunktion ist als explizite und gleichberechtigte Relationierung beider Bereiche zu verstehen und sollte nicht als Nach- oder Unterordnung aufgefasst werden. Demzufolge werden wir uns einführend und Grundlagen vermittelnd mit vornehmlich aus dem 20. Jh. stammenden Texten auseinandersetzen, auf welche dieses Analysekriterium anwendbar ist. Für den Umstand, dass es sich hierbei nicht ausschließlich um Texte handeln muss, die unter dem beinahe anachronistisch gewordenen Oberbegriff Ästhetik zusammengefasst werden, lässt sich – obwohl die Anlage des Tutoriums nicht historisch ist und keinerlei philosophiegeschichtliche Vorkenntnis voraussetzt – von einem spezifischen Zeitpunkt her argumentieren:
Es handelt sich dabei um das Jahr 1790, in dem Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft erschien. Dies ist nicht einfach nur ein Datum in der Philosophie – nicht nur ein -Gegebenes- – sondern zugleich dessen (allzu häufig übersehenes) genaues Gegenteil: Verlust, Niederlage, Bruch. Verloren gegangen ist die von Platon ausgehende und von Hegel reanimierte Überzeugung, die Kunst sei als Schein nur in Abhängigkeit vom Sein zu denken. Eine Niederlage für die dichotomische Logik der Repräsentation. Ein Bruch mit den tradierten Strukturen der Metaphysik.
Eben jene Furche im Denken hatte wohl auch der frz. Philosoph Gilles Deleuze im Sinn, als er folgende Worte schrieb: -Die Ästhetik leidet an einer einschneidenden Dualität. Sie bezeichnet zum einen die Theorie des Empfindungsvermögens als Form der möglichen Erfahrung; zum anderen die Theorie der Kunst als Reflexion der wirklichen Erfahrung. Damit die beiden Sinngehalte zusammenfinden, müssen die Bedingungen der Erfahrung überhaupt zu Bedingungen der wirklichen Erfahrung werden; dann erscheint das Kunstwerk wirklich als Experimentieren.- (Logik des Sinns, S. 318)
Diese zugegebenermaßen höchst komplexen Gedankengänge werden wir gemeinsam Schritt für Schritt und ohne Eile nachverfolgen, um uns einen Einstieg in die Untiefen des philosophischen Begriffsbergwerks zu erarbeiten. Daher ist das Tutorium auch und gerade für -Neulinge- in der Philosophie geeignet, die erstmals einen genaueren Blick auf die Grundlagen unseres (post-)modernen Denkens werfen möchten. Aber auch Fortgeschrittene sind herzlich willkommen - in der Philosophie fängt man schließlich stets wieder von vorne an.
Der Seminarplan kann und soll v.a. auch durch die Interessen der TeilnehmerInnen ergänzt und gestaltet werden. Einen Schwerpunkt werden dabei die Schriften von G. Deleuze bilden. Das Tutorium ist geöffnet für Studierende aller kunstwissenschaftlichen Fachrichtungen, Studiengänge und Fachsemester (Bachelor, Master, Magister, Diplom) und erfordert dezidiert keine Vorkenntnisse, sondern nur die Bereitschaft zu ausgeprägter und kritischer Diskussion.
W3-Professur für Theaterwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Christopher Balme)
LMU München
WiSe 1415
Staudinger Gregor Oliver