Uni-München
14. März 2017Tutorium Tutorium Theater Chor und Politik Gröger
Das Politische der Gegenwartskunst kann heute nicht mehr ausschließlich im Inhalt des Gezeigten als Botschaft liegen, sondern auch in der Form des Gezeigten. Die spezifisch politische Dimension der Kunst wird darin erkannt, dass sie ‚andere’ Wahrnehmungen ermöglicht, die sich vom...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Politische der Gegenwartskunst kann heute nicht mehr ausschließlich im Inhalt des Gezeigten als Botschaft liegen, sondern auch in der Form des Gezeigten. Die spezifisch politische Dimension der Kunst wird darin erkannt, dass sie ‚andere’ Wahrnehmungen ermöglicht, die sich vom alltäglichen Kontext unterscheiden und damit sinnlich erfahrbar macht was in dieser Weise vorher nicht wahrnehmbar war. In diesem Sinn sind sie als Intervention in bestehende Herrschaftsverhältnisse zu begreifen.
Diese allgemeine Feststellung gilt es anhand des zeitgenössischen Theaters kritisch zu prüfen. Dabei kann einerseits die Frage im Mittelpunkt stehen, durch welche inszenatorischen Strategien eine Veränderung der gewohnten Wahrnehmungs- und daraus resultierenden Zuordnungsweisen stattfindet. Andererseits drängt sich dann auch die Frage auf, ob das Theater besonders geeignet ist, diese Veränderungen herbeizuführen, bzw. unter welchen Bedingungen diese Veränderungen im theatralen Akt/während der Aufführung stattfinden.
Beide Fragestellungen, die als vielfach verwoben angesehen werden müssen, können anhand des Chors, als einer gegenwärtig wieder verstärkt zu beobachtenden theatralen Erscheinungsform, betrachtet werden. Durch den Chor ergibt sich ein beispielhafter Experimentier- und Gestaltungsraum, in dem ‚andere’ Wahrnehmungen stattfinden und neue Sichtbarkeiten möglich werden. Die kollektive und anti-mimentische Dimension des Chors stellt so auch immer wieder die Frage nach dem Status des Theaters und seinen Paradigmen: EinzeldarstellerIn, ZuschauerIn, Gemeinschaft.
Das Tutorium wird sich mit Texten zum Politischen in der Kunst und im Theater der Gegenwart (u.a. Rancière, Lehmann, Rebentisch) sowie zum Theaterchor (Schiller, Brecht, Schleef) befassen und diese systematisch aufeinander beziehen. Um die Interessen der TeilnehmerInnen zu berücksichtigen, werden die zu betrachtenden Inszenierungen gemeinsam festgelegt. Eingeladen sind alle, die sich für die Themenstellung interessieren und Bereitschaft für Lektüre und Diskussion mitbringen.
Das Tutorium ist geöffnet für Studierende aller kunstwissenschaftlichen Fachrichtungen, Studiengänge und Fachsemester (Bachelor, Master, Magister, Diplom).
W3-Professur für Theaterwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Christopher Balme)
LMU München
WiSe 1415
Gröger Simon Johannes