Uni-München
14. März 2017Übung Die Ökonomisierung der Wissenschaft 8211 Der Einzug des 8222 Geistes des Kapitalismus 8220 in die Universität
Exzellenzinitiative, Hochschulrankings, Evaluationsprozesse, Google Scholar, der Bologna-Prozess und die mit ihm verbundene Rede vom wissensbasierten Wirtschaftsraum EU (Knowledge-Base Economy), der gegenüber anderen Regionen – vor allem den USA und Asien – positioniert werden muss: all diese Diskurse, Prozesse und Phänomene...
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Jetzt Lernplan erstellenExzellenzinitiative, Hochschulrankings, Evaluationsprozesse, Google Scholar, der Bologna-Prozess und die mit ihm verbundene Rede vom wissensbasierten Wirtschaftsraum EU (Knowledge-Base Economy), der gegenüber anderen Regionen – vor allem den USA und Asien – positioniert werden muss: all diese Diskurse, Prozesse und Phänomene lassen vermuten, dass Universitäten als Räume der Wissenschaft in den vergangenen Jahren und Dekaden massiv transformiert worden sind. Nicht nur müssen sie vermehrt unternehmerisch agieren – die TU München agiert sogar unter der Maxime eine unternehmerische Universität zu sein und hat unternehmerisches Handeln zum Ausbildungs- und Praxisgegenstand gemacht, welches auch direkt zu Unternehmensgründungen aus der Universität heraus führen soll – sondern sich dabei auch zunehmend bewerten und überprüfen lassen. Die Rede ist deshalb seit den 1990ern von einer Audit Culture. Das New Public Management, dem sich auch andere öffentliche Institutionen unterziehen mussten, hat also auch die Universitäten und die Wissenschaft erfasst. Dies wirft neue Fragen nach der Messbarkeit und (ökonomischen) Bewertbarkeit sowie Wertigkeit von Wissen(schaft) ebenso auf, wie es zu Krisen, Konflikten und neuen Praxen auf Seiten von Wissenschaftler_innen führt. Diese lassen sich nun ihre Lehrkompetenz zertifizieren, lassen sich coachen, mentorieren und bekommen Punkte oder Mittel für ihren -Output-, das heißt für ihre Publikations- und Lehrleistungen. Und Student_innen managen ihr Zeitkontingente oder sollen mithilfe von Lernzielen effektiv unterrichtet werden.
Das Seminar beschäftigt sich vor diesem Hintergrund damit, was die Ökonomisierung der Wissenschaft und der Einzug des Geistes des Kapitalismus in die Universität in der Praxis und im Alltag bedeutet. Nachdem wir uns einen Überblick über die Diagnosen Ökonomisierung, Globalisierung und Audit Culture verschafft und die Genealogie des Bologna-Prozesses und die Logik von Universitäts-Reformen nachvollzogen haben, beschäftigen wir uns anhand von Fallstudien u.a. mit Peer Review-Verfahren, verschiedenen Konzepten von unternehmerischen Universitäten und den Effekten von Ökonomisierungen für Student_innen und Universitätsangestellte. Ziel ist dabei auch die Erarbeitung von kleinen eigenen Recherchen zur Situation an den Universitäten in München.
Zu Vorablektüre empfohlen:
Münch, Richard (2011): Akademischer Kapitalismus. Über die politische Ökonomie der Hochschulreform. Frankfurt am Main.
Fakultät für Kulturwissenschaften
LMU München
WiSe 1415
Dr.
Schwertl Maria