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Uni-München
14. März 2017

Übung Frühchinesische 8222 Grabtexte 8220 Lektüre und Kontextualisierung P9.2.1 P10.1 HF BA WP4.1 WP4.2 MA

Die Übung / Lektüre richtet sich an interessierte Studierende, die sich für die aktive Auseinandersetzung mit den frühesten uns bekannten Manuskripten (spätes 5. bis 1. Jh. v. Chr.) begeistern können. Diese bieten einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt der späten...

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Die Übung / Lektüre richtet sich an interessierte Studierende, die sich für die aktive Auseinandersetzung mit den frühesten uns bekannten Manuskripten (spätes 5. bis 1. Jh. v. Chr.) begeistern können. Diese bieten einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt der späten Zhanguo- und frühen Han-Perioden, da sie größtenteils Aspekte des sozialen Lebens thematisieren, die in den überlieferten Quellen keinen Einzug hielten. Seit einigen Jahrzehnten versorgt uns die Archäologie mit zahllosen -Grabtexten-. Wenige dieser auf dünnen Bambuslatten, kleinen Holztäfelchen oder Seide verfassten Dokumente liefern (zum Teil) abweichende Versionen von tradierten Klassikern wie dem Laozi (z.B. Mawangdui Grab Nr. 3 und Guodian Grab Nr. 1) oder dem Lunyu (Dingzhou Grab Nr. 4). Bei anderen Schriften handelt es sich um alte Gesetzestexte, wie etwa den -Statuten zur Bestattung- (Zanglü ) aus Grab Nr. 77 in Shuihudi, und Gerichtsakten, wie dem Zou yan shu aus Grab Nr. 247 bei Zhangjiashan. Letzteres ist eine Sammlung von strittigen Rechtsfällen, die an eine höhere Instanz weitergereicht wurden. Sie beinhaltet unter anderem den spektakulären Fall einer Witwe, die neben dem Sarg ihres verstorbenen Gatten auf intimste Weise mit einem anderen (noch lebenden) Herren verkehrte! Bei vielen der ausgegrabenen Texte handelt es sich um -Tagbücher- (rishu ), die uns tiefe Einblicke in antike Divinationstechniken gewähren. So lernen wir beispielsweise verschiedene Methoden kennen, um -Geisterkäfer- und -hungrige Dämonen- abzuwehren. Demnach schien mit Fäkalien zu schmeißen oder gar darin zu baden ein sehr probates Mittel zu sein, sich unerwünschter übernatürlicher Einflüsse zu erwehren. Obwohl alle diese Handschriften als Grabbeigaben ihren Weg in Bestattungen fanden, befassen sie sich lediglich mit weltlichen Dingen. Ein kleiner Teil indes hängt inhaltlich mit religiösen Vorstellungen zusammen. So fanden sich in manchen Beisetzungen der letzten beiden vorchristlichen die sogenannten -Ankündigungen an die Unterwelt- (gaodi juan ). Sie berichten der jenseitigen Bürokratie von der Ankunft der jeweiligen Grabherren. Es gibt also eine ganze Reihe verschiedenster Texte, denen wir uns in dieser Veranstaltung widmen wollen. Da wir uns im Übersetzen vereinzelter Passagen üben werden, sollten sich potentielle Teilnehmer mindestens im 4. Semester befinden. Natürlich werden wir die konkreten Inhalte unserer Übersetzungen auch analysieren. Welche Aussagen erlauben die Texte über die damalige Gesellschaft? Welche Haltung gegenüber dem Tod können wir daraus ablesen? Wie hängen sie mit den jeweiligen Grabherren zusammen? Das sind nur drei der Fragen, denen wir auf den Grund gehen wollen. Für Magisterstudierende: Bei regelmäßiger und aktiver Teilnahme kann ein Übungsschein ausgestellt werden. Teilnehmer können es aber auch zu einem Proseminarschein bringen, wenn sie a) aktiv und regelmäßig teilnehmen, b) ein Referat vortragen und c) eine schriftliche Hausarbeit einreichen. Anmeldung: Sowohl Bachelor-, Master- als auch Magisterstudierende müssen das Seminar über LSF belegen. Bitte beachten Sie die entsprechende Belegfrist. Für Interessierte, hier eine kleine Literaturauswahl: Donald Harper, -A Chinese Demonography of the Third Century B.C.,” Harvard Journal of Asiatic Studies 45.2 (1985): 459-498. Donald Harper, -Spellbinding,” Religions of China in Practice, ed. Donald S. Lopez, Jr. (Princeton: Princeton University Press, 1996), pp. 241-250. Katrina C.D. McLeod and Robin D.S. Yates, -Forms of Ch'in Law: An Annotated Translation of the Feng-chen shih,” Harvard Journal of Asiatic Studies 41.1 (1981): 111-163. Oba Osamu, -The Ordinances on Fords and Passes Excavated from Han Tomb No.247, Zhangjiashan,” Asia Major, Third Series, 14.2 (2001): 119-141. LMU München SoSe 2015 Department für Asienstudien