Uni-Essen
14. März 2017Übung Methodenanwendung in Praxisfeldern Narrative Interviews und Dokumentarische Methode in der politischen Partizipationsforschung
Die Möglichkeit zur politischen Partizipation an Entscheidungsprozessen ist Kernbestandteil jeder demokratischen Ordnung. Vor allem in den Ländern des globalen Nordens hat sich seit Mitte der 1950er Jahre das Spektrum von politischen Partizipationsformen erheblich ausdifferenziert. Zu den -klassischen- Parteien und Gewerkschaften...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Möglichkeit zur politischen Partizipation an Entscheidungsprozessen ist Kernbestandteil jeder demokratischen Ordnung. Vor allem in den Ländern des globalen Nordens hat sich seit Mitte der 1950er Jahre das Spektrum von politischen Partizipationsformen erheblich ausdifferenziert. Zu den -klassischen- Parteien und Gewerkschaften mit ihren Partizipationsformen der Parteimitgliedschaft, Beteiligung an Wahlen oder des gewerkschaftlich organisierten Streiks haben im Kontext der Studenten- und neuen sozialen Bewegungen Akteure das politische Feld betreten, die auf eine erweiterte Palette politischer Ausdrucksformen (bspw. Besetzungen, Blockaden, politische Militanz) und Organisationsweisen (u.a. Bewegungsnetzwerke, Bürgerinitiativen) zurückgreifen. In den letzten Jahrzehnten wurden diese -neuen Formen- durch Protestbewegungen weiter ausgestaltet (u.a. flash mobs, -clowns army-).
Empirische Politik- und Partizipationsforschung sieht sich demnach mit mehreren Fragen konfrontiert: Warum greifen Menschen auf unterschiedliche Partizipationsformen zurück? Welche sozialen Faktoren prägen die individuelle Form der politischen Partizipation (u.a. politische Sozialisation, Milieu, Generation, Gender, Gruppenprozesse)? Einen Beitrag zur Klärung dieser Fragestellungen können dabei qualitative Methoden der Sozialforschung leisten, die interpretativ das politische Handeln erschließen und verstehbar machen.
In dem zweisemestrigen Seminar soll daher in die Grundlagen der qualitativen Politikforschung und politischen Partizipationsforschung eingeführt werden. Auf forschungspraktischer Ebene werden die Teilnehmer_innen mit der Datenerhebung mittels narrativer Interviews und der Auswertung durch die Dokumentarische Methode vertraut gemacht. Dabei sollen von den Teilnehmer_innen selbst Interviews mit Personen geführt und ausgewertet werden, die bspw. in Parteien, Bürgerinitiativen oder sozialen Bewegungen aktiv sind.
Ziel des Seminars ist es, einen Einblick in den konkreten Forschungsprozess qualitativer Methoden im Kontext der Politikwissenschaft zu geben. Dies wird sowohl die Planung und Durchführung von Erhebungen (narrative Interviews), Transkription der Interviews sowie die Auswertung (Dokumentarische Methode) und Verschriftlichung der Daten umfassen. Darüber hinaus sollen in kleinen Forschungsgruppen die Ergebnisse der Interpretationen diskutiert und präsentiert werden.
Einführende Literatur
Politische Partizipationsforschung:
- Kaase, Max (2000): Politische Beteiligung/ Politische Partizipation, in: Andersen, Uwe/ Woyke, Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch des politische Systems der Bundesrepublik Deutschland, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 473-478
- Van Deth, Jan (2009): Politische Partizipation, in: Kaina, Viktoria/ Römmele, Andrea (Hrsg.): Politische Soziologie. Ein Studienbuch, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 141-161
Qualitative Sozialforschung/ Dokumentarische Methode:
- Nohl, Arnd-Michael (2009): Interview und dokumentarische Methode. Anleitung für die Forschungspraxis, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
- Przyborski, Aglaja/ Wohlrab-Sahr, Monika (2010): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch, München: Oldenbourg
Sozialwissenschaften
Universität Duisburg-Essen
WS 2012/13
Powi B.A., Politikwissenschaft (Bachelor of Arts)
Dipl.-Soz.-Wiss.
Zimmermann Jens Soz Wiss