Uni-München
14. März 2017Übung Tschechische Literatur des 20 Jahrhunderts Václav Havel
Der Dramatiker, Schriftsteller, Publizist und nicht zuletzt auch Politiker Václav Havel (1936-2011) zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des tschechischen kulturellen und politi­schen Lebens. Bereits seit den 1960er Jahren wurden seine Theaterstücke, die an die Poe­tik des absurden Dramas an­knüpfen und...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Dramatiker, Schriftsteller, Publizist und nicht zuletzt auch Politiker Václav Havel (1936-2011) zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des tschechischen kulturellen und politischen Lebens. Bereits seit den 1960er Jahren wurden seine Theaterstücke, die an die Poetik des absurden Dramas anknüpfen und die Mechanismen der Entmenschlichung nicht nur in einem totalitären Regime, sondern in der zeitgenössischen Gesellschaft überhaupt darstellen, weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt. Als nach dem gescheiterten -Prager Frühling- (1968) Havel einer massiven politischen Verfolgung ausgesetzt wurde und zu Hause nicht mehr publizieren durfte, erschienen seine Texte im -Samisdat-, in den Exilverlagen und in Übersetzungen in mehreren westlichen Ländern; seine in den 1970er und 1980er Jahren verfassten Dramen erlebten am Wiener Burgtheater in der deutschen Übersetzung ihre Uraufführungen. Sein politisches Engagement als Kritiker des totalitären Regimes, als Mitbegründer der Bewegung Charta 77, als Verfasser von Schriften, in denen v. a. die Problematik der menschlichen Identität zum Thema wurde, und als Initiator des Bürgerforums, führte nach der politischen Wende 1989 zu seiner Wahl zum tschechoslowakischen Staatspräsidenten (und der Wiederwahl zum Präsidenten der Tschechischen Republik 1993). Doch an seinem Prestige als Intellektueller, der gegen Establishment und gegen jegliche Opportunität gerichtet ist, beteiligte sich von Anfang an sein eigenes, v. a. dramatisches Schaffen.
Im Mittelpunkt unseres Interesses werden natürlich Havels dramatische Texte, ggf. auch seine Versuche im Bereich der experimentellen Poesie stehen, doch auch bei der exemplarischen Analyse werden Kontexte berücksichtigt, die sowohl die Literatur/Kunst als auch die zeitgenössische Gesellschaft betreffen. In diesem Rahmen werden folgende Themen-/Problembereiche besprochen:
• Dialog und Dialogizität
• Raum und Zeit im Drama
• Dramatische Handlung
• Poetik des absurden Theaters/Dramas
• Bedeutung der Kulturkodes in der Textanalyse, wie auch in der Übersetzung
• Was ist Analyse und was ist Interpretation
• Merkmale der Intertextualität und Intermedialität
• Adaptionen/Paraphrasen kanonisierter Stoffe/Werke
• Dramentext und Bühnenaufführung
• Die Kunst der Übersetzung
• Text und Lebenstext; mythenbildende und erkenntnisfördernde Funktionen
• Havels Werke im Spiegel der zeitgenössischen Kritik
Als Begleitung sind auch Videovorführungen geplant.
Tschechischkenntnisse sind nicht erforderlich. Für die analytische Arbeit werden ins Deutsche übersetzte Texte ausgewählt.
Literatur in Auswahl:
Esslin, M. (2006): Das Theater des Absurden, Reinbek bei Hamburg.
Hrková, K. (2000): Mirror images: a comparison of the early plays of Václav Havel and Tom Stoppard with special reference to their politicial aspects. Frankfurt a.M.
Mercks, K. (1989): -Die Beschreibung eines Kampfes. Bemerkungen zu Václav Havels Largo desolato-. In: Stelleman, J., Meer¸J. van der (Hrsg.): Festschrift für Herta Schmid. Amsterdam, 21-33.
Schmid, H. (1979): -Vom absurden Theater zum Theater des Appells. Václav Havel Entwicklung in den siebziger Jahren-. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, H. 35, 118-131.
Schmid, H. (1990): -Die Rolle des dramatischen Helden in Václav Havels Largo desolato-. In: Haard, E.d., Langerak, T., Weststejin, W. G. (Hgg.): Semantic Analysis of Literary Text. Elsevir, 425-442.
Schmid, H. (1991): -Havels Dramen der achtziger Jahre im Kontext seines Gesamtwerks-. In: Zeitschrift
für Literaturwissenschaft und Linguistik, H. 81, 89-113.
Schmid, H. (1998): -Metonymie im absurden Theater Václav Havels Ztíená monost soustední(Erschwerte Möglichkeit der Konzentration)-. In: Hartmann, A., Veldhues, Ch. (Hgg.): Im Zeichen-Raum. Festschrift für Karl Eimermacher zum 60. Geburtstag. Bochum, 297-354.
Veltruský, J. (1977): Drama as Literature. Lisse.
Über Quellen- und weitere Sekundärliteratur wird während der Sitzungen informiert.
Leistungsnachweis
B.A. Slavistik:
Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen)
mit Benotung
Master Slavistik:
2 wiss. Protokolle (ca. 8000 Zeichen) und 1 Thesenpapier (ca. 6000 Zeichen)
bestanden/nicht bestanden
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation
B.A. Slavistik:
Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen)
mit Benotung
Master Slavistik:
2 wiss. Protokolle (ca. 8000 Zeichen) und 1 Thesenpapier (ca. 6000 Zeichen)
bestanden/nicht bestanden
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
WiSe 1415
Dr.
Jirousek Jan