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Uni-Siegen
14. März 2017

Venedig Architektur und Malerei 1200 8211 1750

-Venedig, auf göttliches Geheiß in den Fluten gegrundet, von Wasser umgeben, von Mauern aus Wasser geschutzt. Wer immer es wagen sollte, diesem Gut der Allgemeinheit Schaden zuzufugen, soll nicht geringer bestraft werden, als der, der die Mauern seiner Vaterstadt beschädigt....

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-Venedig, auf göttliches Geheiß in den Fluten gegrundet, von Wasser umgeben, von Mauern aus Wasser geschutzt. Wer immer es wagen sollte, diesem Gut der Allgemeinheit Schaden zuzufugen, soll nicht geringer bestraft werden, als der, der die Mauern seiner Vaterstadt beschädigt. Dieses Edikt hat ewige Gultigkeit-, verkundet eine Inschrift in den Amtsräumen des 1505 gegrundeten Magistrato alle acque im Palazzo dei Dieci Savi am Fuße der Rialto-Brucke. Fruh zeigt sich das Bewusstsein fur den öffentlichen Raum, ein Allgemeingut, das es fur alle zu bewahren gilt – charakteristisch fur das Selbstbild und die Selbstdarstellung der Lagunenstadt, die sich als ideale Mischform aus Monarchie, Oligarchie und Demokratie zu inszenieren verstand: ein Konzept, das als -Mythos von Venedig- in die Geschichte eingehen sollte. Der Topos der -Mauern aus Wasser- reicht zuruck bis ins 12. Jahrhundert, als unter dem Dogen Sebastiano Ziani der Stadtkern mit seinen Plätzen neu strukturiert wurde und man die Befestigungsanlagen abriss. Venedig, auf dem Höhepunkt seiner Macht, sollte fortan weit draußen, auf offener See verteidigt, der Dogenpalast sukzessive zu einer prachtvollen Vierflugelanlage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hauskapelle des Dogen, der Basilica di San Marco, ausgebaut werden. Das als Überblick uber Venedigs Kunst und Geschichte angelegte Seminar mit anschließender Exkursion kann sich nur beispielhaft anhand repräsentativer Baudenkmäler und ihrer Ausstattungsprogramme, die sich teilweise noch in sitù befinden und teilweise in die Gemäldegalerie der Accademia verbracht wurden, der Lagunenstadt und ihren Bewohnern im Zeitraum vom 12. Bis 17. Jahrhundert zu nähern versuchen. In mittelalterlich-byzantinischer Zeit werden uns vor allem die heute nahezu ausgestorbene Insel Torcello, als ehemaliger Bischofssitz, und die Basilica di San Marco beschäftigen, als Grabkapelle der Markusreliquien und Hauskapelle des Dogen. Die Mosaiken im Innern und das Skulpturenprogramm der Westfassade verorten die Grundung und Entwicklung Venedigs im Kontext der Heilsgeschichte und zeugen mit ihren zahllosen Spolien von der Seemacht der Serenissima, die direkt nebenan, im Palazzo Ducale residiert und verwaltet wird. Neben der Baugeschichte des Sud- und Westflugels, werden uns hier vor allem die kunstvoll gestalteten Kapitelle an der Piazzetta, die Porta della Carta von Bartolomeo Bon sowie die aus dem späten Cinquecento stammende Ausstattung des Großen Ratsaales (durch Jacopo Tintoretto, Paolo Veronese u. a.) beschäftigen. Die beiden großen gotischen Ordenskirchen Santi Giovanni e Paolo und Santa Maria Gloriosa die Frari bilden ein weiteres Kapitel. In ihrem Innern befinden sich mit den Grabmälern der Lombardi und Altargemälden der Vivarini, Bellini sowie Tizians, Hauptwerke der venezianischen Skulptur und Malerei. Die in Venedig vergleichsweise spät einsetzende Fruhrenaissance wird uns anhand der Kirchen Santa Maria dei Miracoli (Pietro Lombardo), San Zaccaria (Mauro Codussi) sowie der Fassade der Scuola Grande di San Marco (Pietro Lombardo und Mauro Codussi) beschäftigen. Letztere gehörte zu den sechs großen Laienbruderschaften Venedigs, die Francesco Sansovino in seiner 1581 erschienenen Venetia. Città nobilissima et singolare als -repubblichette- bezeichnete, als kleine Republiken innerhalb der großen Republik Venedigs. In erbittertem Konkurrenzkampf untereinander, suchten sie die Signoria in ihrer Struktur, aber auch in ihrer Kunstpatronage zu imitieren und errichteten prachtvolle Kirchen und Bruderschaftsgebäude. So etwa die Scuola Grande di San Rocco, die sich in den Jahren 1517 bis 1560 ein solches erbauen und mit drei insgesamt 64 Gemälde umfassenden Ensembles von Jacopo Tintoretto ausstatten ließ. Sie hat als einzige die napoleonischen Plunderungen schadlos uberstanden und wurde von John Ruskin mit dem Campo Santo in Pisa und der Sixtinischen Kapelle im Vatikan verglichen. Die Gemäldeausstattungen der anderen Scuole, geraubt unter Napoleon, wurden tlw. nach Venedig ruckuberfuhrt und befinden sich heute in der Galleria dell’Accademia (ehemals Scuola Grande della Carità). So z. B. der Ursula-Legenden-Zyklus von Vittore Carpaccio, der Zyklus der Reliquie vom Heiligen Kreuz (Bellini, Diana, Mansueti u. a.) sowie Teile des Markuslegendenzyklus‘ von Tintoretto. Daruber hinaus vermittelt die Gemäldegalerie einen guten Überblick uber die venezianische Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Der herausragende Architekt des 16. Jahrhunderts war der aus Padua stammende Andrea Palladio, der mit San Giorgio Maggiore den Benediktinern eine prachtvolle Kirche auf der gleichnamigen Insel, vis-à-vis mit dem Dogenpalast, erbaute, die erst nach seinem Tod vollendet wurde. Wenige Jahre später beauftragte ihn die Signoria mit der Votivkirche Il Redentore, anlässlich der großen Pest von 1576, auf der Insel Giudecca. Beide Kirchen sollen exemplarisch fur Palladios Schaffen behandelt werden, der sich ansonsten eher durch seine zahlreichen Villen auf der Terraferma unter den Nobili einen Namen gemacht hatte. Die zweite große Pestepidemie suchte die Stadt im Jahre 1630 heim; abermals gab der Senat eine Pestvotivkirche in Auftrag, Santa Maria della Salute, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Plänen von Baldassare Longhena am Eingang des Canal Grande errichtet wurde. Sie ist einer der wenigen Exponenten venezianischer Barock-Architektur, die sich, im Vergleich mit Rom oder Neapel, stets den Vorwurf der Minderwertigkeit gefallen lassen musste. Der letzte Punkt fuhrt uns in die Scuola Grande dei Carmini am Campo Santa Margherita, deren Treppenhaus ebenfalls von Longhena entworfen, und deren Kapitelsaal mit Deckengemälden von Giambattista Tiepolo dekoriert wurde. Aurenhammer, Hans: -Kunstlerische Neuerung und Repräsentation in Tizians ‘Pala Pesaro’”, in: Wiener Jahrbuch fur Kunstgeschichte 1987, S. 13-44. Demus, Otto: The Mosaics of San Marco. Chicago 1984. Goffen, Rona: Piety and Patronage in Renaissance Venice: Bellini, Titian and the Franciscans. New Haven 1986. Goy, Richard: Building Renaissance Venice. New Haven 2006. Guidarelli, Gianmario: Una giogia ligata in piombo: la fabbrica della Scuola Grande di San Rocco: 1517-1560. Venedig 2002. Hopkins, Andrew: Baldassare Longhena and Venetian Baroque Architecture. New Haven 2012. 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