Uni-Essen
14. März 2017Vorlesung Bilderkult und Ikonoklasmus Grenzphänomene transkultureller Kunstwissenschaft
INHALT/ZIEL: Dass Bilderkult und Bildzerstörung nicht nur das frühe Mittelalter und den neuzeitlichen Protestantismus betreffen, sondern bis in die Aufklärung und Gegenwart reichen, mag befremden. Handelt es sich nicht um ein entscheidendes Merkmal moderner westlicher Bilderpolitik, die interesselose Autonomie der...
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Dass Bilderkult und Bildzerstörung nicht nur das frühe Mittelalter und den neuzeitlichen Protestantismus betreffen, sondern bis in die Aufklärung und Gegenwart reichen, mag befremden. Handelt es sich nicht um ein entscheidendes Merkmal moderner westlicher Bilderpolitik, die interesselose Autonomie der Bilder anzuerkennen und deren ästhetischen Eigensinn als distanziertes Freiheitsgut zu deklarieren? Und doch überschreiten Bilder stets die Grenzen von der Repräsentation zur Präsenz, sie scheinen nicht nur darzustellen, sondern offenzulegen, -Wahrheiten- zu enthüllen, sind sie gar lebendige, bzw. magische Akteure, reale -Wesen-? Die westlichen Traditionen dieses ästhetisch-politischen Bildverständnisses reichen bis in die Antike zurück, sie waren Leitkategorie auch für die anthropologische/ ethnologische Forschung seit dem 19. Jahrhundert. Trotz der historischen und kulturellen Bandbreite bildmagischer Phänomene werden aktuelle Diskussionen um Bilderkult und Ikonoklasmus bis heute immer wieder zum Austragungsort kultureller Differenzierung, sei es in der Bewertung islamistischer Gewalt gegen Bilder, sei es in der Rede von Animismus und Ritual in nicht-westlichen Bildkulturen.
In der Kunstwissenschaft wird jene Doppeldeutigkeit der Bilder, deren rituelle, religiöse und phänomenologische Performanz, aktuell mit neuen Vorzeichen diskutiert, die sich der zunehmenden Öffnung des Faches für transkulturelle Verflechtungsprozesse einer -globalen- Bildwissenschaft verdanken. In diesem Zusammenhang sucht auch die Vorlesung nach historischen Zugängen zum Kultbild und seinen aktuellen Verwerfungen, sie sucht nach vormodernen, aufklärerischen bis gegenwärtigen Umbrüchen in den -ethischen Regimen der Bilder- (Rancière), deren Reichweite auch ein stetig veränderliches Feld der Kunst und seiner transkulturellen Bezüge in der Gegenwart markiert.
Literaturauswahl
Ausst.-Kat.: Iconoclash. Karlsruhe : ZKM, 2002
Belting, Hans: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. 7. Aufl. - München : Beck, 2011
Belting, Hans: Das echte Bild. Bildfragen als Glaubensfragen. München (2005) 2. Aufl.: Beck 2006
Bredekamp, Horst: Theorie des Bildakts, Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2007, Berlin: Suhrkamp, 2010
Didi-Huberman, Georges: Bilder trotz allem. Paderborn ; München : Fink, 2007
Fleckner Uwe, Steinkamp Maike, Ziegler Hendrik: Der Sturm der Bilder: zerstörte und zerstörende Kunst von der Antike bis in die Gegenwart. Berlin: Akademie Verlag, 2011
Franke, Anselm; Albers, Irene (eds.): Animismus: Revisionen der Moderne, Zürich: Diaphanes, 2012
Gamboni, Dario: Zerstörte Kunst. Bildersturm und Vandalismus im 20. Jahrhundert. Köln: Du-Mont 1998
Genge, Gabriele; Stercken, Angela: Art History and Fetishism Abroad: Global Shiftings in Media and Methods. Bielefeld: transcript 2014
Mitchell, William J.T.: What do Pictures want? The Lives and Loves of Images, Chicago/ London: University Of Chicago Press, 2005
Naef, Silvia: Bilder und Bilderverbot im Islam. Vom Koran zum Karikaturenstreit (2004). München 2007
Rancière Jacques: Die Aufteilung des Sinnlichen (2000), hrsg. v. Maria Muhle, Berlin 2008
Institut für Kunst und Kunstwissenschaft
Universität Duisburg-Essen
SoSe 2015
Professorin
Genge Gabriele