Uni-Kassel
14. März 2017Vorlesung Lebende Bilder Tableaux vivants der historischen Kunst in der Fotografie im Film und Video
Der Terminus -Tableau vivant- bezeichnet -lebende Bilder-. In dieser Kunstform übernehmen leibhaftige Menschen die Rolle von Bildfiguren und stellen ein überliefertes Gemälde gleichsam nach. Damit wird eine körperliche Aneignung der Kunstgeschichte vorgeführt, in welcher die traditionellen Bilder durch Verwandlungen bzw....
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Jetzt Lernplan erstellenDer Terminus -Tableau vivant- bezeichnet -lebende Bilder-. In dieser Kunstform übernehmen leibhaftige Menschen die Rolle von Bildfiguren und stellen ein überliefertes Gemälde gleichsam nach. Damit wird eine körperliche Aneignung der Kunstgeschichte vorgeführt, in welcher die traditionellen Bilder durch Verwandlungen bzw. durch das Alternieren zwischen bildender und darstellender Kunst einen Medienwechsel erfahren. Dieses Prinzip wurde bereits bei Festumzügen der Renaissance genutzt und avancierte ab dem späten 18. Jahrhundert - der Goethe-Zeit - zum Gesellschaftsspiel. Es gilt auch für belebte Bilder und Attitüden in der Fotografie, im Film und Video des 20. und 21. Jahrhunderts. Ein intensivieres Verhältnis der Gegenwartskunst zur Geschichte wurde v.a. im Verständnis der Postmoderne offenbar. Das Erkenntnisinteresse der Vorlesungsreihe an -Lebenden Bildern- besteht in der Frage, wie und warum Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts historische Kunst in kreativer Weise, d.h. als Projektion eigener Vorstellungen nutzen bzw. genutzt haben. Einerseits spielen -Tableaux vivants- als performative Attitüde eine große Rolle, besonders in der feministischen Kunst. Andererseits antworten -Tableaux vivants- auf eine typisch postmoderne Frage nach Identität, womit genauso Kritik, Erinnerungsarbeit oder Persiflagen mit ins Spiel gebracht werden, wie z.B. von Arnulf Rainer, Hiroshi Sugimoto, Zofia Kulik oder Cindy Sherman mit ihren -History Portraits-. Hinsichtlich der Darstellungspräzision und der narrativen Komplexität gehören Pier Paolo Pasolinis und Peter Greenaway Filme oder die Video-Arbeiten von Bill Viola zu den bemerkenswertesten Beispielen dieser Kunstform. Damit soll in der Vorlesungsreihe auch der Frage nachgegangen werden, wie narrative und performative Funktionen von -Tableaux vivants- intendiert sein können. Themenübersicht:
• Tableaux vivants im 18. und 19. Jahrhundert: Von Lady Hamiltons Heroinnen über Goethes Wahlverwandtschaften zu Dr. Charcots -Hysterikerinnen-
• Der menschliche Körper als Bildmedium: Ein kunsthistorischer Überblick zur Funktion von Masken
• Parmigianinos Selbstporträt im Konvexspiegel in der Kunst des 20.Jahrhunderts
• Tableaux vivants und das inszenierte 'Selbst' in der Fotografie (1):
Joe Spence, Cindy Sherman, Yasumasa Morimura
• Tableaux vivants und das inszenierte ‚Selbst' in der Fotografie (2): Arnulf Rainer, Hiroshi Sugimoto, Zofia Kulik, Olga Tubrulets
• Das kunsthistorische Körperideal versus Kanonkritik in der Aktionskunst:
Marcel Duchamp, Manzoni, Carolee Schneemann, Mike Kelley, Luigi Ontani
• Luis Bunuels Verdiana und Pier Paolo Pasolinis Mamma Roma sowie La Ricotta
• Pasolinis Matthäuspassion und Das Decameron
• Leben versus Bildkomposition: Jeff Wall sowie Jean Luc Godards Passion
• Shakespeares Imaginationskultur in Peter Greenaways Prosperos Books
• Kunsthistorische Vorbilder in Bill Violas Videokunst: The Greeting, The Ascension
• Rebecca Horns La Ferdinanda: Eine Medici-Villa als Bühne ihrer Installationskunst
• Matthew Barneys Individuelle Mythologie und die Kunstgeschichte als populärer Mix
• Vom Nutzen der Kunstgeschichte für die zeitgenössische Kunst?
Module I.; II.; III.; VIII.
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Scharf Friedhelm Privatdozent