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Uni-Kassel
14. März 2017

Vorlesung Literatur und Traum in der Vormoderne

-Träume sind Schäume-, so heißt es im Volksmund, was wohl bedeuten soll, dass Träume keine wirkliche Substanz haben, sie entstehen aus aufgewirbeltem (Bewusstseins-)Wasser, aber sie vergehen auch wieder ohne Spur. Träume beschäftigten die Menschen zu allen Zeiten und in allen...

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-Träume sind Schäume-, so heißt es im Volksmund, was wohl bedeuten soll, dass Träume keine wirkliche Substanz haben, sie entstehen aus aufgewirbeltem (Bewusstseins-)Wasser, aber sie vergehen auch wieder ohne Spur. Träume beschäftigten die Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturen, für die westlich-europäische Kultur der Neuzeit ist vor allem die Traumdeutung Sigmund Freuds von entscheidender Bedeutung, die gerade von den Autoren der klassischen Moderne intensiv rezipiert wurde. Was aber war vorher? Welche Vorstellungen hatten die Menschen vorhergehender Epochen vom Traum? Wie wurde er in der Dichtung verarbeitet, als Motiv eingesetzt? Was den Traum außerdem mit Literatur verbindet, ist seine narrative Struktur und daraus abgeleitet, die von den Menschen entwickelten Methoden der Traumauslegung. Wie jede Narration, so erzählt auch der Traum mit Stoffen, Motiven, Symbolen und bestimmten syntaktischen Strukturen, die man kennen muss, um die Traum-Narration verstehen zu können. Dabei ist zu unterscheiden zwischen jenen Elementen, die jeder Narration immer eignen und jenen, die einer starken kulturellen Prägung unterliegen, also insbesondere symbolische und motivliche. Solchen Fragen möchte die Vorlesung nachgehen und mit einem Schwerpunkt auf der mittelalterlichen deutschen Literatur zu ergründen suchen, welche Traumdeutungsmodelle das Mittelalter kannte, wie sie Eingang in die Dichtung fanden und in welcher Weise Entwicklungslinien zur Neuzeit ausgezogen werden können. Dabei wird es auch darum gehen, die in der christlich-abendländischen Kultur fest verankerte Vorstellung gottgesandter Visionen zu betrachten und zu fragen, wie sie gegen das Phänomen 'Traum' abzugrenzen ist, bzw. ob dies im Sinne mittelalterlichen Welt- und Menschenverständnisses überhaupt sinnvoll ist. Allerdings soll dies nicht ohne eine Einbeziehung moderner Traum- und Kognitionsforschung geschehen, denn natürlich stellt sich die Frage, inwieweit die Menschen verschiedener Epochen und Kulturen sich vergleichbare oder angemessene Modelle eines anthropologisch konstanten psychischen Phänomens gemacht haben, wie diese Modelle weiterwirkten und an welchen Punkten gerade die dichterische Aufnahme oder Modifikation solcher Modelle sie im Kontext kulturellen Wandels verändert hat. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2010/11 Germanistik/Deutsch Deutsch Zweitfach Prof. Dr. Mecklenburg Michael