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Uni-Dortmund
14. März 2017

Vorlesung mit Seminar European Planning Systems and Policies

Mit der wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Integration verlieren die Binnengrenzen der Europäischen Union (EU) zunehmend ihren trennenden Charakter. Das erfordert von den Mitgliedstaaten der EU gemeinsame Vorstellungen über die räumliche Entwicklung des euro-päischen Territoriums und die Erarbeitung von Strategien zu...

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Mit der wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Integration verlieren die Binnengrenzen der Europäischen Union (EU) zunehmend ihren trennenden Charakter. Das erfordert von den Mitgliedstaaten der EU gemeinsame Vorstellungen über die räumliche Entwicklung des euro-päischen Territoriums und die Erarbeitung von Strategien zu deren Verwirklichung. Das von den Mitgliedstaaten der EU aufgestellte Europäische Raumentwicklungskonzept (EUREK) sowie die von den Staaten des Europarates verabschiedeten CEMAT-Leitlinien (Leitlinien für eine nachhaltige räumliche Entwicklung auf dem europäischen Kontinent) bieten einen wich-tigen Orientierungsrahmen für die nachhaltige Entwicklung des europäischen Territoriums, auch über die EU-Grenzen hinaus. Darüber hinaus liefern EU-Förderprogramme Instrumente zur Umsetzung einer integrierten Raumentwicklung, wobei insbesondere die Gemeinschafts-initiative INTERREG sowie das Raumbeobachtungsnetzwerk ESPON von besonderer Bedeutung sind. Da die EU bislang aber über keine formalen Raumordnungskompetenzen verfügt, kommt den nationalen Planungssystemen, -instrumenten und planerischen Zielsetzungen bei der Verwirk-lichung der genannten Raumentwicklungsziele (z.B. EUREK) eine große Bedeutung zu. Es ist daher zunächst Ziel der Veranstaltung, zu erklären, wie der Begriff -Raumplanung- (spatial planning) von der EU eingeführt wurde, um die unterschiedlichen Planungsansätze und -traditionen in den Mitgliedsstaaten anhand bestimmter Strukturen und Kriterien (z.B. Staats- und Verwaltungsaufbau, Planungsinstrumente, Zusammenspiel privater und öffentlicher Ak-teure, etc.) identifizieren zu können. Darauf aufbauend werden verschiedene -Planungstradi-tionen- (comprehensive-integrated, regional-economic, land use oder urbanism) anhand aus-gewählter Länder vorgestellt, um ein umfassendes Bild von den verschiedenen europäischen Planungsansätzen zu präsentieren. Doch die -Planungstraditionen- allein können bestimmte Muster der Raumentwicklung nicht erklären: Warum setzen einige Mitgliedsstaaten die Inhalte des EUREK weniger konsequent um als andere? Warum besitzt Raumplanung in einigen Ländern eine umfassende Orientierung während sie sich in anderen Ländern eher ökonomischen oder architektonischen Frage-stellungen widmet? Warum ist Raumplanung in einigen Ländern eher Aufgabe des Staates während in anderen Ländern eher private Entwickler und Investoren Raumentwicklung voran-treiben? Diese Fragen sollen lediglich stellvertretend für viele weitere Fragen verdeutlichen, dass Planung und Planungskultur vielschichtig und komplex sind. Sie zeichnen sich durch eine Vielzahl politischer und sozialer Praktiken aus und sind in kulturelle Kontexte eingebunden, die zu unterschiedlichen planerischen Vorstellungen, Ausprägungen und Vorgehensweisen führen. Es ist daher ebenfalls Ziel dieser Veranstaltung, unterschiedliche Planungskulturen in Europa zu identifizieren und manifestierte sowie nicht manifestierte kulturelle Einflüsse (unbewusste Routinen, implizites Wissen, kognitive Verhaltensmuster und Wertvorstellungen) auf die Raumplanung zu erfassen. Nach Ende der Veranstaltung werden die Studierenden (1) einen Überblick über die zentralen planungsrelevanten Programme und Zielsetzungen der EU haben, (2) die Unterschiede hin-sichtlich der einzelnen Planungssysteme und -kulturen in Europa kennen und (3) beurteilen können, welche Auswirkungen Zielvorgaben der EU auf die nationaler Ebene haben werden. Damit verbunden ist auch die Frage, inwiefern sich die einzelnen Planungssysteme und -kulturen in Europa annähern oder nicht (Konvergenz oder Divergenz von Planungssystemen). Nähere Erläuterungen zur Struktur und zum Verlauf folgen zu Beginn der Veranstaltung. Raumplanung Die Veranstaltung wird über eine unbenotete Teilleistung (Studienarbeit) abgeschlossen. Umfang und Inhalt der Studienarbeit werden zu Beginn der Veranstaltung durch die Lehrenden festgelegt. Technische Universität Dortmund SoSe 2012 Fachgebiet Europäische Planungskulturen Dr. Othengrafen Frank