Uni-München
14. März 2017Vorlesung Sockel Pragmatik Soziolinguistik Rhetorik
Linguistische Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik - drei Welten, aber doch auch eine Welt. Es geht schwerpunktmäßig, anders als in Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik, um die Verwendung der Sprache, nicht um ihre Struktur. Genaugenommen spielt die Verwendung zwar überall eine Rolle....
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Jetzt Lernplan erstellenLinguistische Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik - drei Welten, aber doch auch eine Welt. Es geht schwerpunktmäßig, anders als in Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik, um die Verwendung der Sprache, nicht um ihre Struktur. Genaugenommen spielt die Verwendung zwar überall eine Rolle. Die Sprachstruktur ist ja nichts anderers als ein verfestigter Usus. Aber die verschiedenen Zwecke, die bei der Verwendung von Sprache in ganz unterschiedlichen Situationen herrschen und auf das Sprechen einwirken, sind ein eigenes - und sehr weites - Themenfeld.
Die Vorlesung gibt einen systematischen Überblick über Gesichtspunkte und Strömungen in den Bereichen Pragmatik, Soziolinguistik und Rhetorik.
Pragmatik: Ausgangspunkt der linguistischen Pragmatik ist die Idee eines für sich bestehenden Sprachsystems, dessen Funktionen im Sprachgebrauch genutzt, aber nicht verändert werden. Sprachphilosophisch ist dies die Idee einer kontextfrei wahrheitsfunktionalen Sprache, linguistisch die Idee einer -autonomen- Syntax und Semantik. Die pragmatische Korrektur lebt von der Erkenntnis, dass das Sprechen mehr als eine Aktualisierung von Sprache ist und auch unausgesprochene Elemente enthält. - Leitfrage der Pragmatik: Welcher Art sind die im Sprechen enthaltenen unausgesprochenen Elemente?
Rhetorik ist die -Praxis und Theorie der auf Wirkung bedachten Rede- (Schlüter): Aus der Praxis der Überzeugungs- und Überredungskunst ist eine Theorie der dafür nötigen Mittel entstanden. - Leitfrage der Rhetorik in Praxis und Theorie: Welche Mittel taugen für den Zweck, den Hörer auf die eigene Seite zu bringen?
Soziolinguistik: Sprache als gesellschaftliches Kommunikationsmittel ist durch und durch abhängig vom Aufbau und von der Funktionsweise der Gesellschaft. - Leitfrage: Wer spricht was und wie mit wem in welcher Sprache und unter welchen sozialen Umständen mit welchen Absichten und Konsequenzen?
Resumé
Sprache wird im Sprachgebrauch nicht lediglich modifiziert, sondern konstituiert sich durch den Sprachgebrauch. Das ist zwar eine zirkuläre Definition (Sprache konstituiert sich durch den Gebrauch von - Sprache), beschreibt aber eine reale Bewegung. Das Sprechen ist eben nicht nur Sprachgebrauch, sondern auch Sprachschöpfung. So und nur so existiert Sprache: als Summe sich immer wieder verfestigender, immer wieder aber auch weiter entwickelnder Sprechgewohnheiten.
Einige ausgewählte Titel (weitere kommen in der Vorlesung hinzu):
0. Übergreifend
http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html
1. Pragmatik
http://www.christianlehmann.eu/ling/pragmatics/index.html
Ammann, Hermann (1928): Die menschliche Rede. Sprachphilosophische Untersuchungen. Teil II, Lahr (Moritz Schauenburg).
Austin, John L. 1962, How to do things with words. The William James Lectures delivered at Harvard university in 1955. Cambridge, Mass.: Harvard University Press. - Dt. 1972: Zur Theorie der Sprechakte, Stuttgart: Reclam.
Grice, H.P. (1975) ‘Logic and conversation’, in P. Cole and J. Morgan (eds) (1975) Syntax and semantics 3: Speech acts. Academic Press, New York, 41-58. - Dt.: »Logik und Konversation«. In: Meggle, Georg (Hrsg.): Handlung, Kommunikation, Bedeutung (1979, 2. Aufl. 1993). Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 243-265.
Grice, H. P. (1989): Studies in the Way of Words. Cambridge MA: Harvard University Press. Darin: ‘Further notes on logic and conversation’ (orig. 1978), p. 41-57. http://aardvark.ucsd.edu/language/grice_further_notes.pdf
Koschmieder, Erwin (1945): Zur Bestimmung der Funktionen grammatischer Kategorien. Abhandlungen der BayAdW, Phil.hist. Abt., NF 25, München.
Levinson, Stephen C. 1983, Pragmatics. Cambridge: Cambridge University Press (Cambridge Textbooks in Linguistics) (Repr. 1987, 1991). Dt.: Pragmatik. Übersetzt von Martina Wiese. Tübingen: M. Niemeyer (Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft. Band 39) (3. Aufl. 2000).
Mey, J.L.: Pragmatics: Overview. In: In: The Encyclopedia of Language and Linguistics. Ed. by R. E. Asher. 2. Aufl. 2006. http://dx.doi.org/10.1016/B0-08-044854-2/00306-0.
Schmitz, Ulrich: Konversation im Überfluss. Grices Maximen missachten die wirklichen Sprecher (oder umgekehrt?) In: Eschbach, Achim/ Halawa, Mark A./ Loenhoff, Jens (Hg. 2008): Audiatur et altera pars. Kommunikationswissenschaft zwischen Historiographie, Theorie und empirischer Forschung. Festschrift für H. Walter Schmitz. Aachen: Shaker, S. 81-97. http://www.linse.uni-due.de/linse/publikationen/konversation_im_ueberfluss.php
Searle, John R. 1969, Speech acts. An essay in the philosophy of language. Cambridge: Univ. Press (Dt.: Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. Frankfurt: Suhrkamp (Theorie), 1971).
Searle, John R. 1979, Expression and meaning. Studies in the theory of speech acts. Cambridge: Cambridge University Press.
Sperber, Deirdre and Dan Wilson: Outline of Relevance Theory. http://download1.hermes.asb.dk/archive/download/H05_04.pdf (22.4.2012)
2. Rhetorik
http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/was-ist-rhetorik/
http://de.wikibooks.org/wiki/Lehrbuchrhetorik_im_Medizinstudium
Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft / Handbooks of Linguistics and Communication Science [HSK] Bd. 31/1: Rhetorik und Stilistik / Rhetoric and Stylistics. Halbband 1 (2008), Halbband 2 (2009). Hrsg. v. Fix, Ulla / Gardt, Andreas / Knape, Joachim.
Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Herausgegeben von Gert Ueding, mitbegründet von Walter Jens. Acht Bände. Tübingen 1992 ff.
Lausberg, Heinrich: Elemente der literarischen Rhetorik. München (hueber) 101990.
Lausberg, Heinrich: Handbuch der literarischen Rhetorik. Stuttgart 31990.
Schlüter, Hermann: Grundkurs der Rhetorik. München (dtv) 101988.
Schopenhauer, Arthur: Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten; in 38 Kunstgriffen dargestellt. Zürich (Haffmanns) 1983, zahlreiche Nachdrucke. Zuerst aus dem Nachlass hg. von Julius Frauenstädt 1864.
Till, Dietmar: Rhetorik des Affekts (Pathos). In: HSK Rhetorik 1: 646-669.
Usener, Sylvia: Argumentationslehre. In: Der Neue Pauly. Herausgegeben von: Hubert Cancik und Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Brill Online, 2012. Reference: Universitätsbibliothek München. 22 April 2012
3. Soziolinguistik
http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/sozio.html
Altleitner, Margret: Der Wellness-Effekt: Die Bedeutung von Anglizismen aus der Perspektive der kognitiven Linguistik. Frankfurt 2006.
Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft / Handbooks of Linguistics and Communication Science [HSK] Bd. 3/1: Sociolinguistics / Soziolinguistik. Volume 1 (2004), Vol. 2 (2005), Vol. 3 (2006). Hrsg. v. Ammon, Ulrich / Dittmar, Norbert / Mattheier, Klaus J. / Trudgill, Peter.
Sanders, Willy: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch. Sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Göttingen (V&R) 1982.
Wandruszka, Mario: Die Mehrsprachigkeit des Menschen. München, Zürich 1979.
Bemerkung
Bachelor HF AIS P10.1
Leistungsnachweis
BA HF AIS (P 10):
Die Sockelvorlesung Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik wird zusammen mit der fachspezifischen Übung (Kelemen, Gombos) abgeprüft. Prüfungsformen: Klausur (60 Minuten) oder Thesenpapier (ca. 4.500 Zeichen). Die Prüfungsform wird vom Dozenten festgelegt. Die Prüfung wird benotet. 6 ECTS.
BA HF AVL (P 9.0.18, P 9.0.19):
Die Sockelvorlesung Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik wird zusammen mit der fachspezifischen Übung (Kelemen, Gombos) abgeprüft. Prüfungsformen: Klausur (60 Minuten) oder Thesenpapier (ca. 4.500 Zeichen). Die Prüfungsform wird vom Dozenten festgelegt. Die Prüfung wird mit -bestanden / nicht bestanden- bewertet. 6 ECTS.
BA NF SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 3 dem Kurstyp -Themen der Linguistik: i/j/k/l- (WP 3.0.9/10/11/12). Prüfungsformen: Klausur (45-90 Min.) oder Thesenpapier (4.500-9.000 Zeichen). Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. 6 ECTS.
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Sockel Pragmatik SoSe 2015 Zeitplan.pdf Gliederung und Zeitplan
Sockel Pragmatik SoSe 2015 Themenvorschläge.pdf Vorschläge für Referatthemen
Sprachdefinition_Humboldt_Saussure.pdf Sprachdefinitionen
LIDO_Pragmatik-Deixis.pdf Definitionen zu Pragmatik und Deixis (LIDO)
LIDO_Informationsstruktur.pdf Definitionen zur Informationsstruktur (LIDO)
LIDO_Sprechakttheorie.pdf Definitionen zur Sprechakttheorie (LIDO)
Rhetorik.pdf Rhetorik Überblick
Hirsch_Rhetorik.pdf Rhetorik: eine Glosse von E.C. Hirsch
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W3-Professur für Historische und Indogermanische Sprachwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Olav Hackstein)
BA HF AIS (P 10):
Die Sockelvorlesung Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik wird zusammen mit der fachspezifischen Übung (Kelemen, Gombos) abgeprüft. Prüfungsformen: Klausur (60 Minuten) oder Thesenpapier (ca. 4.500 Zeichen). Die Prüfungsform wird vom Dozenten festgelegt. Die Prüfung wird benotet. 6 ECTS.
BA HF AVL (P 9.0.18, P 9.0.19):
Die Sockelvorlesung Pragmatik, Soziolinguistik, Rhetorik wird zusammen mit der fachspezifischen Übung (Kelemen, Gombos) abgeprüft. Prüfungsformen: Klausur (60 Minuten) oder Thesenpapier (ca. 4.500 Zeichen). Die Prüfungsform wird vom Dozenten festgelegt. Die Prüfung wird mit -bestanden / nicht bestanden- bewertet. 6 ECTS.
BA NF SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 3 dem Kurstyp -Themen der Linguistik: i/j/k/l- (WP 3.0.9/10/11/12). Prüfungsformen: Klausur (45-90 Min.) oder Thesenpapier (4.500-9.000 Zeichen). Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. 6 ECTS.
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