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14. März 2017Wildheitsdiskurse in der Literatur des Mittelalters
Spätestens seit der Ausbildung des für den Artusroman konstitutiven Strukturschemas, das bekanntlich seit dem 12. Jahrhundert die zweifache Ausfahrt des ritterlichen Protagonisten auf âventiure vorschreibt, findet die volkssprachliche Literatur des hohen und späten Mittelalters vielfältige Möglichkeiten einer Imagination von Wildnis...
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Jetzt Lernplan erstellenSpätestens seit der Ausbildung des für den Artusroman konstitutiven Strukturschemas, das bekanntlich seit dem 12. Jahrhundert die zweifache Ausfahrt des ritterlichen Protagonisten auf âventiure vorschreibt, findet die volkssprachliche Literatur des hohen und späten Mittelalters vielfältige Möglichkeiten einer Imagination von Wildnis und ‚Wildem'. Die wie immer konkretisierte Bewältigung des ‚Wilden' ist für den Helden unabdingbare Bedingung dafür, Ehefrau und Landesherrschaft sowie gesellschaftliche Anerkennung zu erreichen. Damit aber ist die ritterliche Bewältigung des ‚Wilden', das stets außerhalb des Höfischen angesiedelt ist, als konstitutiv für die Imagination einer idealen soziale Ordnung gesetzt. Das ‚Wilde' wird mithin als die andere Seite des ‚Höfischen' imaginiert. Im Seminar soll, ausgehend von der topologischen und figürlichen Konkretion des ‚Wilden' im Artusroman, der Wildheitsdiskurs mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur an exemplarischen Texten erschlossen und diskutiert werden. Im Einzelnen werden vor allem die Topographien der Wildnis, die Imagination ‚wilder Männer' und ‚wilder Frauen' sowie erzählte Formen von Verwilderung und Identitätsverlust im Artusroman eine Rolle spielen. Darüber hinaus soll besonders der Interferenz von Wildheitsdiskurs und Ökonomie in literarischen Gattungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit nachgegangen werden. Textgrundlage soll der Iweinroman Hartmanns von Aue sein, daneben werden Episoden aus Wolframs Parzival sowie aus Gottfrieds Tristan herangezogen. Darüberhinaus sollen Mären und Fastnachtspiele sowie schließlich der Fortunatusroman aus der Zeit um 1500 diskutiert werden.
Zur Anschaffung empfehle ich:
Hartmann von Aue: Iwein. Text der siebenten Ausgabe von Benecke, Lachmann, Wolff. Übersetzung und Nachwort von Thomas Cramer. Berlin/New York 42001(de Gruyter Texte).
Fortunatus. Studienausgabe nach der Editio Princeps von 1509. Hrsg. v. Hans-Gert Roloff. Stuttgart 1981 (RUB 7721).
Alle anderen Texte werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.
Deutsch, LA Berufskolleg, PO 2004
Universität Siegen
SoSe 2011
Literaturwissenschaft: Literatur, Kultur, Medien, Mittelhochdeutsch, Master, PO 2009
Germanistik - Mediävistik
Univ.-Prof. Dr.
Schausten Monika