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Gehirn & Psychologie
12. Januar 2010 Aktualisiert am 25. Juni 2026

Für das Lernen und Erinnern spielen Mikro RNA Moleküle entscheidende Rolle

Die Mikro RNA Moleküle leisten wichtige Arbeit bei Prozessen wie Lernen und Erinnern. An diesen winzigen Molekülen arbeitet der Neuro-Wissenschaftler Dr. Gerhard Schratt. Für seine Entdeckungen in diesem Bereich erhielt er diese Woche den Siebeneicher-Forschungspreis.

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Die Mikro RNA Moleküle leisten wichtige Arbeit bei Prozessen wie Lernen und Erinnern. An diesen winzigen Molekülen arbeitet der Neuro-Wissenschaftler Dr. Gerhard Schratt. Für seine Entdeckungen in diesem Bereich erhielt er diese Woche den Siebeneicher-Forschungspreis.


Was für eine Rolle beim Lernen und Erinnern spielen Mikro RNA Moleküle? Dr. Gerhard Schratt hat mit seiner Forschung bewiesen, dass die korrekte Funktion dieser winzigen Teilchen entscheidende Rolle bei kognitiven Prozessen wie Lernen, Gedächtnis und Denken übernehmen.

Mikro RNA Moleküle

Die von dem Dr. Gerhard Schratt erforschte Mikro RNAs sind Moleküle die einen starken Einfluss auf die Lernprozesse im Gehirn haben. Bei sämtlichen Gedächtnisprozessen werden die Mikro RNAs eingeschaltet. Die Milliarden von Neuronen in menschlichen Gehirn sind miteinander dicht vernetzt. Die Neurologen schätzen die Gesamtzahl der Neuronen im Gehirn auf rund hundert Milliarden bei einer erwachsenen Person. Ob Frau oder Mann, spielt das keine rolle, beider Geschlechter weisen gleiche Anzahl von Nervenzellen im Gehirn. Die Verbindungen zwischen den Neuronen werden mit Hilfe von sog. Dornfortsätzen aufgebaut. Die Dornfortsätze wachsen an bestimmten Stellen in Neuronen und das ermöglicht das in Kontakt-Treten der Zellen miteinander. Die Mikro RNA Moleküle sind für das Wachstum von diesen Dornfortsätzen weitgehend verantwortlich.


Verschaltung im Gehirn

Wenn die Neuronen miteinander korrekt verschaltet sind, entwickelt das Gehirn ungestört ihre Fähigkeiten zum Denken, Lernen und Erinnern. Man kann sagen, dass die fehlerfreie Verknüpfung von Neuronen entscheidend für die kognitive Leistung ist. Die Mikro RNAs steuern sowohl das Wachstum, als auch die Häufigkeit und Dichte der Vernetzung der Neuronen. Diese Molekülen sind aber nicht nur in Nervenzellen aktiv. Wenn es eine Störung der Mikro RNAs gibt, kann es Krankheiten wie Autismus, Epilepsie und Demenz, sogar bis zum Krebs kommen. Solche Störungen in der Verschaltung der Nervenzellen wird von Neurologen als Ursache für die oben genannten Krankheiten anerkannt. Möglich ist auch eine Reihe weiterer neurologischer Erkrankungen.


Synaptische Plastizität

Es gibt auch ein Synonym für die Verschaltung im Gehirn und dieser nennt sich synaptische Plastizität. Die synaptische Plastizität hat einen extrem starken Einfluss auf das Lernen und Gedächtnis. In der Vergangenheit wurde die Theorie verbreitet, dass ein Mensch seine kognitive Leistung nur bedingt erweitern kann, denn seine Lern- und Gedächtnisfähigkeit erbt er mit den Genen. Das letzte Jahrhundert in der neurologischen Forschung hat diese (meiner Meinung nach verrückte These) auf dem Kopf gestellt. Und das ist auch gut so. Menschen wurde ein Humbug erzählt, damit sie sich nicht weiterentwickeln ( und dies auch nicht wollen). Ich glaube man hat es getan um sich selbst auf einem höheren Niveau zu stellen und gleichzeitig die Konkurrenten von dem Weg schaffen.


Lernen und Erinnern

Heutzutage sollte man wissen, dass jeder seine kognitiven Fähigkeiten unbegrenzt entfalten kann. Man redet in diesem Zusammenhang von Gehirn- oder Kognitiven Plastizität, die es dem Gehirn ermöglicht, sich weiter zu entfalten. In der Literatur findet man auch häufig den Begriff: die Gehirnplastizität. Diese sollte jeder für sich nutzen. Mit Disziplin, Übung und Feedback kann man jede kognitiv anspruchsvolle Aufgabe innerhalb von 10.000 Stunden Übung beherrschen. Unter Beherrschen meine ich hier das Meister- Niveau zu erreichen. Als Kognitiv anspruchsvolle Aufgaben meine ich hier Sachen wie das Beherrschen eines Instruments - Klavier, Gitarre oder Geige usw. aber auch Sportarten oder Sprachkenntnisse gehören auch dazu. Wie das genau funktionieren soll beschreibt Malcolm Gladwell in seinem aktuellen Buch "Die Überflieger" oder in der englischen Ausgabe: "The Outliers".
Wer hier im Blog öfters vorbei schaut, hat bei mir schon mehreres über Malcolm Gladwell und seinen sehr guten Büchern gelesen.


Dr. Gerhard Schratt ist als Wissenschaftler am Institut für Anatomie der Universität Heidelberg tätig. Er hat also die Möglichkeit die Lernprozesse und Denkprozesse die im Gehirn statt finden, sozusagen von der ersten Reihe aus zu untersuchen. Das Heidelberger Curriculum Medicinale ist deutschlandweit als eine der besten Hochschulen für Medizinstudium anerkannt.

Einige Informationen über die RNA-Moleküle, und deren Rolle beim Lernen und Lernprozessen findet ihr in dem günstigen Buch "BASICS Neurologie" von Marija Krzovska. Bei Amazon liegt der Preis für das Buch bei knapp 17 Euro. Das finde ich fair, denn die meisten Fachautoren verlangen häufig über 40 Euro für Fachbücher aus dem Bereich Neurologie.


Plastizität ist real – und „10.000 Stunden" mit Maß

Hier steckt solide, moderne Wissenschaft dahinter: Gerhard Schratts Arbeiten zu Mikro-RNAs und synaptischer Plastizität zeigen, wie fein das Gehirn seine Verschaltungen anpasst. Der ermutigende Kern stimmt: Das Gehirn bleibt formbar, Lernen verändert es körperlich.

Eine Präzisierung zur „10.000-Stunden-Regel": Sie geht auf die Forschung von Anders Ericsson zurück und wurde von Malcolm Gladwell popularisiert – dabei aber vereinfacht. Entscheidend ist nicht die bloße Stundenzahl, sondern gezieltes, rückgemeldetes Üben („deliberate practice"): an der eigenen Grenze arbeiten, Feedback einholen, Schwachstellen anpacken. Wie viele Stunden es bis zur Meisterschaft braucht, schwankt je nach Mensch und Gebiet stark. Die gute Nachricht bleibt: Mit der richtigen Art zu üben kommt man erstaunlich weit – Begabung ist seltener der Engpass, als viele glauben.