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Studium
20. Mai 2008 Aktualisiert am 25. Juni 2026

Jean-Jacques Rousseau Kulturkritik und Selbstentwurf

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Ein Seminar über Jean-Jacques Rousseau Jean-Jacques Rousseau – Kulturkritik und Selbstentwurf.

Ein Seminar über Jean-Jacques Rousseau
Jean-Jacques Rousseau – Kulturkritik und Selbstentwurf.
Rousseau (geb. 1712 in Genf, gest. 1778 in Ermenonville bei Paris) war zweifelsohne einer der interessantesten Vertreter der französischen, mithin der europäischen Aufklärung. Als Philosoph, Schriftsteller, Pädagoge, Musiker und „berger extravagant“ (J. Kristeva) nahm er nicht nur teil an politischen, intellektuellen und ästhetischen Debatten im Vorfeld der französischen Revolution; vielmehr kann er als Diskursbegründer in mehrfacher Hinsicht gelten: Mit den zwei berühmt gewordenen Preisreden, dem Discours sur les sciences et les arts sowie dem Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes „erfand“ er die Kulturkritik; sein dokufiktionaler Erziehungsroman Émile ist das Grundbuch der Pädagogik, seine Confessions der Prototyp der neuzeitlichen Autobiographie.

Mit einem großangelegten Briefroman, in der Regel überliefert unter dem Titel La nouvelle Héloïse lieferte er einen Bestseller, der das Lesepublikum dazu veranlasste, mittels Tränen zu kommunizieren und sich solcherart zu verständigen über die eigene „sensibilité“ und „vertu“, Authentizität und Subjektivität. In diesem Buch und seinem letzten, Fragment gebliebenen Text, Les Rêveries du promeneur solitaire, wird Rousseau zum Wortmaler der Alpenlandschaft, mit seinem Essais sur l’origine des langues zum Linguisten, für den die wahrhaftigste Sprache die Musik ist.


Rousseau war ein schwieriger Mensch, der ein konfliktvolles und unruhiges Leben zwischen Frankreich, Preußen und der Schweiz, Freiheit und Ruhe führte; im Kern unironisch, voller Misstrauen gegen die Menschen und die Geschichte – life is not fair - verstrickte er sich zunehmend in einen Verfolgungswahn, der ihn daran hinderte, zu sich selbst zu finden.

Rousseaus Werk ist nachgerade einschüchternd, und natürlich können wir im Seminar nicht einmal all das lesen, was hier Erwähnung findet. Insofern werden wir vieles in Auszügen lesen und kontextualisieren müssen.


Ein Denker, der die Pädagogik mitbegründet hat

Rousseau ist für jeden, der sich fürs Lernen interessiert, eine Schlüsselfigur: Sein Erziehungsroman „Émile" gilt als Grundbuch der modernen Pädagogik, und mit den „Confessions" schuf er den Prototyp der Autobiografie. Kein Wunder, dass ein ganzes Seminar nötig ist, um sein Werk auch nur in Auszügen zu erfassen.

Spannend bleibt seine Grundfrage bis heute: Wie viel an uns ist „Natur", wie viel formt die Kultur? Wer große Denker im Original (oder in Auszügen) liest, statt nur über sie zu reden, lernt nebenbei das Wertvollste – das eigene, kritische Denken.