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Besser Lernen
14. April 2012

Lernen: Definition des Begriffs Lernen bei Wikipedia ist falsch, wie kann man das Wort richtig definieren?

Ein Versuch den Begriff Lernen neu zu definieren. Gelernt wird nur, was mit Begeisterung gemacht wird. Emotionen und Gefühle spielen dabei die entscheidende Rolle. Leider in den gängigen Definitionen des Begriffs Lernen, fehlen sowohl die Begeisterung als auch die emotionale Ebene.

Ein Versuch den Begriff Lernen neu zu definieren. Gelernt wird nur, was mit Begeisterung gemacht wird. Emotionen und Gefühle spielen dabei die entscheidende Rolle. Leider in den gängigen Definitionen des Begriffs Lernen, fehlen sowohl die Begeisterung als auch die emotionale Ebene.

Die Definition des Begriffs Lernen bei Wikipedia ist falsch! In diesem Beitrag wird der Begriff Lernen neu definiert. Wieso? Weil es von essenzieller Bedeutung für jeden Menschen ist. Bei Wikipedia findet man folgende Definition von Lernen:

Unter Lernen versteht man den absichtlichen (intentionales Lernen) und den beiläufigen (inzidentelles und implizites Lernen), individuellen oder kollektiven Erwerb von geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses (verarbeiteter Wahrnehmung der Umwelt oder Bewusstwerdung eigener Regungen) aufgefasst.

Das größte Online-Lexikon Wikipedia definiert Lernen nur unzureichend. Die Definition des Begriffes, mit dem jeder Mensch tag täglich zu tun hat, kann sogar als falsch bezeichnet werden. Schon der Anfang des Satzes: "Unter Lernen versteht man den ..." deutet darauf hin, dass der Verfasser dieser Definition seine eigene Meinung anderen Menschen aufdringlich auferlegen möchte.
Hätte er "Lernen kann als ..... definiert werden" lege er damit garantiert besser als damit, was er da verfasst hat.

Lernen - Definition, Fehler schon im ersten Satz

Lernen-Definition-falsch-Begriff-neu-definieren.jpg

Lernen ist für jeden Menschen ein Schlüsselfaktor. Auf Lernen baut Kompetenzentwicklung auf. Daher ist es wichtig, dass man sich etwas Zeit nimmt und wenigstens eine vernünftige Definition des Begriffes Lernen entwickelt. Was ist falsch in der Lernen Definition, die im Online Lexikon Wikipedia publiziert wurde? Am bestes gehe ich einfach einen Satz nach dem anderen durch. Schließlich wird der Gesamtkonzept der Definition beurteilt.

Unter Lernen versteht man den absichtlichen (intentionales Lernen) und den beiläufigen (inzidentelles und implizites Lernen), individuellen oder kollektiven Erwerb von geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Schon der erste Satz der Definition von lernen ist problematisch
Wie oben schon angedeutet stört mich schon der Beginn des ersten Satzes:"... versteht man den ..."
Ich bin davon überzeugt, dass das Lernen abhängig von dem kulturellen Kontext unterschiedlich definiert werden kann. Menschen Definieren Begriffe auf der Grundlage des bisher Gelernten und Erfahrenen. Dazu bedienen sie sich von Begrifflichkeiten die ihnen wichtig sind. Das bedeutet aber nicht, dass diese Beschreibung der Begriffe für alle anderen auch wichtig sein muss.

Hier ein kleines Beispiel dazu: im europäischen Raum wird behauptet, zumindest wird das in der Schule gelernt, dass Menschen über fünf Hauptsinne verfügen. Die Intuition bezeichnet man als den sechsten Sinn, weil man nicht so recht weiß ob die Intuition so wichtig ist (oder sein kann) dass sie den Namen "Sinn" verdient. Unter den fünf Sinnen werden: sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen (Haptik) genannt. Un einigen afrikanischen Ländern wird dagegen der Gleichgewichtssinn als der wichtigste sinn genannt. Außerdem wird es dort nicht zwischen fünf oder sechs Sinnen unterschieden, sondern zwischen 20 und mehr Sinnen.

Man kann auf jeden Fall sagen, dass die Afrikaner mehr Recht in dem Bezug auf die Sinne haben, als wir Europäer. Man kann nämlich ohne zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu riechen und zu fühlen überleben, und sogar in der Gesellschaft zurecht kommen. Aber wenn man den Sinn für Gleichgewicht gestört hat, ist das selbständige Überleben kaum möglich. Ein Mensch, bei dem der Gelichgewichtsinn nicht funktioniert, ist auf die Hilfe von anderen vollkommen angewiesen.

Lernen ist nur Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten?

Weiter geht die Definition wie folgt: Lernen ist absichtlicher oder/und beiläufiger Erwerb von geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Das stimmt - die neuen Erfahrungen die man gemacht hat, verleiten dazu neue Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu erschließen. Was ist aber mit Erkenntnissen? Sind Erkenntnisse kein lernen? Ich denke schon. Vor allem deshalb, weil man um etwas kennen zu können, es erst erkennen muss. Man kennt nur das was man wieder erkennt. Die Wahrnehmungspsychologen können davon ein Lied singen - oder aber einige Videos drehen. Das Menschliche Gehirn lenkt die Aufmerksamkeit vor allem auf schon bekannte Objekte. Deshalb werden die bekannten Sachen sofort auch erkannt. Beim Lernen gewinnt man häufig durch Erfahrung, durch eigene Einsicht und Denkfähigkeit neue Erkenntnisse. Etwas vorhin unbekanntes wird jetzt zum Bekannten.

Die Gefühlsebene wird bis zu diesem Punkt vollkommen weggelassen. Das Problem ist aber, man darf die Gefühle und Emotionen nicht ignorieren, wenn man den Begriff Lernen definieren möchte. Ohne die emotionale Ebene, ohne starke Gefühle und Emotionen ist lernen nicht möglich. Die Gefühle können als Grundbaustein für Begeisterung beschrieben werden. Die Begeisterung ist wiederum für langfristiges lernen von neuem Wissen unerlässlich. Beim Gerald Hüther lesen wir, dass Begeisterung als Dünger fürs Gehirn beschrieben werden kann. Ohne Begeisterung wird das Lernen also nur als Kümmerversion dessen, was das Gehirn wirklich leisten kann.

Weiter geht's mit der Analyse der Definition des Wortes Lernen:
Der weiterer Satz der Definition besagt: "Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses (verarbeiteter Wahrnehmung der Umwelt oder Bewusstwerdung eigener Regungen) aufgefasst."

Erst hier ist in irgendeiner Weise etwa von Fühlen zu hören. Fühlen ist schon sehr nah an Emotionen und Gefühlen. Nur leider die Konstruktion dieser Beschreibung ist etwas unglücklich. Denn nicht nur Veränderung des Fühlens und des Empfindens bedeutet lernen. Sondern das Fühlen und die Bandbreite der Emotionen ist für das Lernen unerlässlich.

Wie man sieht ist die Definition des Wortes Lernen, oder besser gesagt das Definieren des Begriffes Lernen gar nicht so einfach. Es stellt sich heraus, dass vielleicht nicht nur die einzige Definition des Begriffes zutreffend sein kann, sondern, dass es mehrere Beschreibungen und Definitionen des Wortes Lernen geben kann. Und alle können zutreffend sein. Hier einige Vorschläge für die Lernen-Definition, die ich im Laufe der Jahre aus der Lernen-relevanten Literatur herauspicken konnte:

Lernen Definitionen in der Literatur:

Weitere Definitionen des Begriffs Lernen.
Lernen ist Veränderung. Das wird wohl die möglichst kurze Definition des Begriffs sein.

Lernen kann als Aneignung von und das Beherrschen von etwas Bekanntem beschrieben werden. (Smith)

Lernen ist Prüfung von Ideen auf Relevanz. (Smith)

Lernen hat mit Erwerb von Wissen, Gewohnheiten und Einstellungen zu tun. Es befähigt den Menschen, sowohl persönliche als auch soziale Einstellungen zu regulieren. (Crow)

Lernen ist ein Veränderungsprozess im Menschen, der sich aus der Interaktion des Menschen und seiner Umwelt ergibt und der ein Bedürfnis befriedigt. Er trägt dazu bei, besser mit der Umwelt zurechtzukommen. (Burton)

Lernen ist als eine Veränderung des Verhaltens durch Erfahrung zu definieren. (Haggard, Cronbach, Harris, Schwan)

Unter Lernen ist zu verstehen, dass psychologische Prozesse bei einem neuen Vollzug durch in der Zwischenzeit abgelaufene Vorgänge (Erfahrungen) geändert - verbessert, beschleunigt oder auch verschlechtert - werden. (Tausch).

Lernen ist ein aktiv konstruktiver Prozess, der stets in einem bestimmten Kontext und damit situativ, sowie multidimensional und systemisch erfolgt. Die Ergebnisse des Lernens sind infolge individueller und situationsspezifischer Konstruktionsvorgänge nicht vorhersagbar. (Reinmann-Rothmeier / Mandl).

Lernen kann auch als Erschließung von Problemen definiert werden. Diese Definition kann man anhand der Definition von Kompetenz ableiten. Kompetenz wird überwiegend als zuerkannte, von außen zugeschriebene Fähigkeit Probleme zu lösen. Um die Probleme lösen zu können muss man sie erst begreifen, erschließen. Man muss also erstmal lernen um Kompetenzen entwickeln zu können. Im Prinzip baut Kompetenzentwicklung auf Lernen auf.

Abschließend kann man eine neue Definition bilden. Meiner Meinung nach ist Lernen emotional bedingte Erschließung des Wissens, die zu Verhaltensänderung führt.

Lernen ist die Änderung von Einsicht und Verhalten. Dieser kurzer prägnanter Satz hat einiges in sich. Denn das Verhalten wird aufgrund von bestimmten Empfindungen, Erfahrungen und Erkenntnissen verändert. Alleine die Tatsache der Änderung weißt darauf hin, dass der Handelnde die alte Handlungsweise nicht mehr beibehalten möchte, weil er aus einem bestimmten Grund mit dieser nicht mehr zufrieden ist. Man kann sagen: ich habe etwas dann gelernt, wenn ich mein Verhalten im Bezug auf etwas verändert habe. Auch wenn ich meine Einsicht und meine Einstellung verändert habe, kann ich sagen, dass ich etwas gelernt habe.

Wie viele Arten oder Sorten von Lernen gingt es überhaupt?


Es können sehr viele sein, man kann nämlich zwischen folgenden Lern-arten differenzieren. (Zumindest solche findet man in der Literatur).

Erfahrungslernen, Expertiselernen, Erlebnislernen, Gruppenlernen, individuelles Lernen, informelles Lernen, instruktionales Lernen, kollaboratives Lernen, kollektives Lernen, kognitivistisches Lernen, Prozesslernen, situiertes Lernen, organisationales Lernen, Netzwerklernen, formales Lernen, nicht-formales Lernen, implizites Lernen, Beobachtungslernen, Extraktion - Verlernen, Bekräftigungslernen, Gegenkonditionierungslernen.


Wie man sieht: das Definieren von solchen scheinbar trivialen Begriffen wie Lernen (später kommt noch Bildung, Wissen, Kompetenz, Weisheit) kann schon einige Probleme bereiten. Das liegt daran, dass wir mit dem Lernen immer, überall und in verschiedenen Ausprägungen zu tun haben. Menschen können nicht nicht lernen. Das ist ähnlich wie bei den Kommunikationsforschern, die sagen: Menschen können nicht nicht kommunizieren.

Die Kritik im Bezug auf den Wikipedia-Eintrag, dass die Definition des Begriffs Lernen falsch sei, ist für mich berechtig. Wenn jeder mensch, jeden Tag, zeitlebens lernt, wäre es sinnvoller den Begriff eindeutig zu definieren oder zumindest ein paar brauchbare und zutreffende Definitionen zu entwickeln. Wie ist denn Deine Meinung zum Begriff Lernen? Hast Du vielleicht auch eine Idee für eine neue Definition?