Liebe, Tod und Leidenschaft: Werther und die Wertheriaden
Goethes „Die Leiden des jungen Werthers" (1774), der Werther-Effekt und die Wertheriaden: literarische Nachahmungen von Nicolai bis Plenzdorf. Überblick für Studium und Abitur.
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Meinen Aktionsplan erstellenMit „Die Leiden des jungen Werthers" landet Goethe im Herbst 1774 einen der ersten großen Coups des Literaturmarktes – ein Epochenereignis, das rasch zum internationalen Bestseller wird und eine ganze Welle von Nachahmungen auslöst: die Wertheriaden.
Goethes Werther: ein Epochenereignis
Der Briefroman macht Goethe schlagartig berühmt – und legt ihn auf lange Zeit auf die Rolle des „Werther-Autors" fest, sehr zu seinem Verdruss. Eine regelrechte Werther-Mode greift um sich: blauer Frack und gelbe Hose, Motive auf Kaffeetassen und Schnupftabaksdosen, Kunst neben Kitsch.
Der Werther-Effekt
Spektakulär und medial verbreitet waren die wenigen, aber aufsehenerregenden Nachahmungs-Selbstmorde „in Gefolgschaft" des Idols – Ursprung des bis heute so genannten Werther-Effekts. Goethe sah sich zu zahlreichen Überarbeitungen veranlasst.
Die Wertheriaden: literarische Nachahmungen
Der Roman fand auch literarisch zahllose Nachahmer. Format, Ausrichtung und vor allem die Themen – Individualität und Gesellschaft, Liebe und Eifersucht, Melancholie und Leidenschaft, Natur und Einsamkeit, Krankheit und Wahnsinn, Tod und Selbstmord – wurden vielfach variiert, zustimmend wie kritisch:
- Friedrich Nicolai parodiert mit den „Freuden des jungen Werthers" (aufklärerische Abwehr) – Goethe reagiert scharf.
- Sein Sturm-und-Drang-Freund Lenz schreibt mit dem „Waldbruder" ein Pendant; von Kleist stammt die Anekdote „Der neuere Werther".
- Auch die Romantik ist geprägt: Novalis’ „Hymnen an die Nacht" zeigen eine vergleichbare Ich-Erkundung.
- Jules Massenet schafft eine „Werther"-Oper; Johann Nestroy nimmt sich den Stoff distanzierend vor; Kierkegaard denkt über die „Krankheit zum Tode" nach.
- Im 20. Jahrhundert ragen Thomas Manns „Lotte in Weimar" und Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W." heraus.
Die Wertheriaden zeigen damit zweierlei: Querverbindungen zu den jeweiligen literaturgeschichtlichen Epochen – und die Überzeitlichkeit der zentralen Themen des Werther-Stoffs.
Zusammenfassung und Lerntipp
Auf den Punkt: Goethes „Werther" (1774) löste eine Mode, den Werther-Effekt und zahllose literarische Nachahmungen (Wertheriaden) von Nicolai über Massenet bis Plenzdorf aus – Spiegel der Epochen und überzeitlicher Themen.
Lerntipp: Die vielen Autor:innen und Werke der Wertheriaden merkst du dir fürs Examen am besten chronologisch mit der Reihenfolge-Merktechnik oder als Gedächtnispalast.