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Besser Lernen
23. Mai 2013

Sprachenlernen durch Suggestopädie

In diesem Gastartikel wird die Suggestopädie in Bezug auf Sprachenlernen vorgestellt.

In diesem Gastartikel wird die Suggestopädie in Bezug auf Sprachenlernen vorgestellt.

Immer mehr Firmen erkennen den Wert einer soliden sprachlichen Weiterbildung und wünschen sich für ihre Mitarbeiter entsprechende Fortbildungsmaßnahmen. Es erscheint zunächst schwierig, z. B. die Teilnahme an einem Sprachkurs in den beruflichen Terminplan einzuarbeiten, weil in der Regel nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht.

Genau das ist einer der großen Vorzüge des Intensiv-Sprachkurse nach der Superlearning- oder Suggestopädie-Methode: Die Teilnehmer verinnerlichen mit diesem speziellen Intensiv-Training innerhalb sehr kurzer Zeit ein Höchstmaß an Lernstoff und erzielen damit einen maximalen Lernerfolg. Zahlreiche Firmen greifen daher zunehmend auf dieses speziell entwickelte und wissenschaftlich erprobte Sprachentraining zurück.  Ideal ist es wenn diese Sprachkurse im Rahmen von Sprachreisen in den Zielländern stattfinden, in den die Sprache tatsächlich gesprochen.

 

Seinen Ursprung hatte die Suggestopädie in fernöstlichen Entspannungstechniken, die der Begründer, der bulgarische Pädagoge und Psychologe Dr. Georgi Lozanov, auf seinen Asien-Reisen kennenlernte. Er beobachtete Personen, die während sie geistige Höchstleistungen vollbrachten, physisch und mental völlig entspannt waren. Seine Schlussfolgerung war, dass in diesem Zustand der Entspannung ein erhöhtes Maß an geistiger Leistung erbracht werden kann.


Wie funktioniert Suggestopädie ?

Weil Entspannung allein natürlich nicht ausreicht, um eine Sprache zu erlernen, nutzt die Suggestopädie wissenschaftliche Erkenntnisse über die Funktionalität des menschlichen Gehirns als weitere Säule zur Förderung  eines schnellen, hocheffektiven und nachhaltigen Lernprozesses.

 

Das menschliche Gehirn besteht bekanntlich aus zwei Hälften, wobei die eine Hälfte hauptsächlich für rationales Denken und analytische Betrachtung zuständig ist, während die andere Hälfte eher für emotionale und kreative Prozesse genutzt wird.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Lernprozesse am erfolgreichsten sind, wenn neben dem Unterbewusstsein auch nonverbale und emotionale Bereiche aktiviert werden. Aus diesem Grund werden bei Sprachkursen mit der Suggestopädie-Lernmethode beide Gehirnhälften gleichermaßen beansprucht. Dies hat zur Folge, dass grammatische Regeln und neue Vokabeln nicht isoliert aufgenommen, sondern in Zusammenhang mit der Umgebung oder bereits bekannten Situationen gebracht werden.

Aus diesem Grund unterscheidet sich der Klassenraum auch wesentlich von anderen Unterrichtsräumen. Entspannte Musik, Grünpflanzen, eine gemütliche Einrichtung und Bildmaterial, welches im Zusammenhang mit den Inhalten des Kurses steht, sorgen für eine gelassene Wohnzimmeratmosphäre.

Das hirngerechte Lernen und die entspannende Umgebung sorgen letztendlich für folgende Vorteile:

  • Erlerntes ist präsenter und steht automatisch zur Verfügung, wenn es benötigt wird
  • Kursteilnehmern fällt es wesentlich leichter, Informationen aufzunehmen
  • Der Lernprozess wird um den Faktor 2,5 bis 3,5 beschleunigt
  • Es können mehr Unterrichtsstunden als gewöhnlich absolviert werden
  • Teilnehmer sind nach dem Sprachtraining teilweise entspannter als davor
  • Eine Woche Suggestopädie kann den gleichen oder sogar einen höheren Effekt erzielen als ein mehrwöchiger Unterricht nach "herkömmlicher" Lehrmethode.

Ein Blick hinter die Kulissen

Die Suggestopädie-Lernmethode erzielt schnelle Resultate, wenn es um das Erlernen neuer Sprachen geht. Zudem ist das Erlernte wesentlich präsenter und bleibt daher viel leichter abrufbar. Grund genug, um einmal hinter die Kulissen dieses Sprachkurses zu schauen und herauszufinden, was Suggestopädie so besonders macht.

 

Die Grundsäulen der Suggestopädie

Suggestopäden verfolgen das Ziel, die Lernhemmungen ihrer Schüler abzubauen. Dabei handelt es sich um gelernte Autosuggestionen, wie z.B. „Sprachen liegen mir nicht" oder ähnliche Glaubenssätze. Um eine „De-Suggestion" zu erreichen, bilden neun Prinzipien die Grundlage für den suggestopädischen Unterricht:

  • Suggestopädischer Kreislauf
  • Mehrkanaliges Lernen
  • Spiel und Spaß
  • Aktivierung des TeilnehmersEinsatz von Musik im Unterricht
  • Rhythmisierung des Unterrichts
  • Interessante Raumgestaltung
  • Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Teilnehmer
  • Persönlichkeit des Lehrers

Die Gestaltung des Unterrichts

Diese Grundprinzipien lassen sich letztendlich in der Gestaltung des Unterrichts wiederfinden. Jeder Kurstag ist in vier Phasen unterteilt. Der Unterricht ist so aufgebaut, dass das Lernen in den ersten Phasen hauptsächlich passiv erfolgt.

In der Vorbereitungsphase wird eine allgemeine Vorschau auf den Lernstoff geboten. Danach ist es üblich, mentale und körperliche Entspannungsübungen durchzuführen, um einen den Lernerfolg begünstigenden stressfreien Zustand zu erreichen.

In der darauf folgenden kognitiven Phase, steht die Präsentation des Lernstoffes im Mittelpunkt. Die lebhafte und detaillierte Darstellung der Lerninhalte durch den Lehrer, helfen dem Lernenden, den Stoff aktiv zu verarbeiten, wobei möglichst viele Sinne angesprochen werden sollen.

Das Kernstück des Unterrichts und laut Lozanov die wichtigste Phase, ist die Seance, auch Lernkonzert genannt. Der Lernstoff wird unter Musikbegleitung vorgetragen und der Dynamik der Musik und der vermittelten Inhalte angepasst.

Abschließend findet (idealerweise am darauffolgenden Tag) die Aktivierungsphase statt. In Interaktionen mit dem Lehrer oder/und weiteren Teilnehmern wird der passiv erlernte Lernstoff aktiv angewandt und somit gefestigt.

Die Kombination aus verbalen und non-verbalen Stimuli, wie kognitive, emotionale und künstlerische Mittel, sorgt für eine befreiende und ungezwungene Lernatmosphäre, die den Lernprozess entsprechend positiv beeinflusst, beschleunigt und festigt.

 

Trotz unzähliger Erfolgsgeschichten, gibt es vereinzelt aber auch kritische Ansichten zum Thema Suggestopädie, daher werden Kursleiter oft mit der Frage konfrontiert, inwiefern die Methode wissenschaftlich abgesichert ist.


Die Vereinigung von Psychologie und Pädagogik

Die Anfänge der suggestopädischen Lehrmethode liegen mittlerweile über 40 Jahre zurück, und wir können auf einige Jahrzehnte der Forschung und Erfahrungswerte auf diesem Gebiet zurückblicken. Der Gründer der Suggestopädie Dr. Georgi Lozanov war Pädagoge und Psychologe und somit mit der Funktionsweise des menschlichen Gehirns bestens vertraut. Die Entwicklung der Suggestopädie war von Anbeginn an von seinen eigenen Forschungen beglei­tet, bei denen er seine Kenntnisse als Arzt auf die Pädagogik übertrug.


Bezeichnend für die Bedeutung dieser Methode ist, dass sich trotz des „eisernen Vorhangs" in den 70er und 80er Jahren schnell westliche Länder wie die Vereinigten Staaten, Kanada und Europa dafür interessierten, deren Forscher sich mit den Methoden von Dr. Georgi Lozanov auseinandersetzten.

Indirekte Forschung

Neben den Untersuchungen, die sich direkt mit der Suggestopädie beschäftigen, gibt es auch zahlreiche Forschungsarbeiten, die Themen untersuchen, die im Zusammenhang mit der Lehrmethode stehen.

 

Neuere Forschungen bestätigen zum Beispiel die positiven Effekte von Musik auf die Lernfähigkeit. Der sogenannte „Mozart-Effekt" bezeichnet die Verbesserung der räumlichen Intelligenz durch zuvor gehörte Musik (vorzugsweise von Mozart). Man hat herausgefunden, dass trophotrope Musik (gekennzeichnet durch legato und sanftes Fließen) nicht nur Entspannung auslöst, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit verbessert. Neurowissenschaftler haben ebenfalls herausgefunden, dass Musik ähnliche Effekte wie Nahrung, soziale Signale oder aber Rauschdrogen hat. Musik sorgt für einen erhöhten Ausstoß an Dopamin und stimuliert somit das Belohnungssystem des menschlichen Körpers.

 

Abschließend kann man sagen, dass die allgemeinen Forschungsergebnisse, die Suggestopädie-Methode positiv bewerten. Lernprozesse werden beschleunigt und halten länger an. Nebenbei sind die Teilnehmer entspannter, und Sozialkompetenzen werden gefördert.