Zurück zum Blog
Studium
8. Juli 2026

Vortrag üben mit Video-Feedback: die Uni-Methode

So üben Rhetorikkurse: 3-Minuten-Kurzreferat, Videoaufzeichnung, strukturiertes Feedback. Die Anleitung zum Nachbauen mit Smartphone und Lerngruppe.

Verwandle das Gelesene in konkretes Handeln

Wissen allein verändert nichts — erst der Plan macht den Unterschied. Erstelle in Sekunden einen persönlichen Aktionsplan und setze das Gelesene sofort um.

Meinen Aktionsplan erstellen

Wer die Programme der Rhetorik- und Präsentationskurse deutscher Unis nebeneinanderlegt, findet einen Baustein in fast jedem: „Training, Analyse und Inputs anhand verschiedener Kameraübungen" (Hannover), „individuelles Feedback (mit Videoaufzeichnung)" (Kassel), „Reflektion der persönlichen Wirkung durch Video-Feedback und Rückmeldung durch das Plenum" (Kassel). Der Grund ist einfach: Das eigene Auftreten ist der blinde Fleck jedes Redners. Die gute Nachricht: Dieses Trainings-Setting lässt sich mit Smartphone und zwei Kommilitonen vollständig nachbauen.

Das Kurs-Setting: Kurzreferat plus doppeltes Feedback

Der Ablauf in den Seminaren ist standardisiert – und bewusst niederschwellig: Jeder Teilnehmer hält ein Kurzreferat von 3–5 Minuten zu einem frei gewählten Thema, wird dabei gefilmt und bekommt danach zwei Rückmeldungen: die Fremdsicht der Gruppe und die eigene Ansicht der Aufnahme. Die kurze Dauer ist Absicht – drei Minuten reichen völlig, um Stand, Stimme, Blickkontakt und Struktur zu beurteilen, und die Hürde bleibt klein genug, um wirklich zu üben statt auszuweichen.

Die Heimversion: so bauen Sie das Training nach

  1. Aufbau: Smartphone im Querformat auf Stativ oder Bücherstapel, ganzer Körper im Bild, im Stehen sprechen. Publikum: idealerweise 1–2 Personen; zur Not funktioniert auch die Kamera allein.
  2. Durchgang 1 – ganz durchsprechen: 3–5 Minuten (oder ein Abschnitt Ihres echten Referats), ohne Unterbrechung, mit Stichwortkarten (siehe Frei sprechen). Fehler? Weitermachen – wie im Ernstfall.
  3. Fremdfeedback einholen – nach Regeln (unten).
  4. Video ansehen – zweimal: einmal normal (Gesamteindruck, Struktur), einmal ohne Ton – der Kurstrick schlechthin: Ohne Ton sehen Sie Haltung, Gestik und Blackout-Blicke gestochen scharf (vgl. Körpersprache). Wer mag, hört zusätzlich einmal nur den Ton ohne Bild – ideal für Tempo und Füllwörter (vgl. Sprechtechnik).
  5. Ein Lernvorhaben formulieren: Die Kasseler Workshops verlangen als Leistungsnachweis ausdrücklich die „Formulierung von Lernvorhaben" – übernehmen Sie das: ein konkreter Punkt für den nächsten Durchgang („Ich senke die Satzenden"), nicht fünf.
  6. Durchgang 2 – gleiche Passage, Fokus nur auf dem Lernvorhaben. Der Vorher-nachher-Vergleich auf Video ist das motivierendste Feedback, das es gibt.

Feedbackregeln: so wird Rückmeldung nützlich

„Geben und Annehmen von Feedback" ist in den Kursen ein eigener Lerninhalt. Die Kernregeln:

  • Konkret und beobachtbar: „Du hast beim zweiten Punkt das Publikum angesehen – da war ich sofort drin" statt „War ganz gut".
  • Erst Stärken, dann ein bis zwei Wünsche: Wer nur Fehler hört, verkrampft im nächsten Durchgang.
  • Wirkung statt Urteil: „Auf mich wirkte der Schluss gehetzt" ist annehmbar, „Der Schluss war schlecht" nicht.
  • Als Empfänger: zuhören, nachfragen, nicht verteidigen. Sie entscheiden hinterher selbst, was Sie umsetzen.

Wann und wie oft üben?

Die Generalprobe ersetzt dieses Training nicht – sie ist sein letzter Durchgang. Ideal: zwei Video-Sessions in der Woche vor dem Termin (eine früh, solange Sie noch umbauen können, eine als Generalprobe unter Echtbedingungen mit Zeitmessung), dazu bei Gelegenheit die 2-Minuten-Stegreifrede als Daueraufbau. In einer Lerngruppe wird daraus ein Ritual wie in den Seminaren: Jeder trägt vor, alle geben Feedback – der soziale Termin sorgt dafür, dass geübt wird. Die Vorbereitung davor liefert der Referat-Leitfaden, gegen die Nervosität hilft Lampenfieber überwinden.

Zusammenfassung und Lerntipp

Auf den Punkt: Die Unis trainieren Vorträge mit einem festen Ritual: 3–5-Minuten-Kurzreferat, Videoaufzeichnung, Gruppenfeedback nach Regeln, ein einzelnes Lernvorhaben, zweiter Durchgang. Das lässt sich mit Smartphone und Lerngruppe komplett nachbauen – der Ohne-Ton-Durchlauf und der Vorher-nachher-Vergleich sind dabei die wirksamsten Werkzeuge.

Lerntipp: Damit aus zwei Übungsdurchgängen eine Routine wird, brauchen Sie weniger Disziplin als kluge Anreize – feste Termine, kleine Ziele, sichtbare Fortschritte. Zehn erprobte Ansätze liefert der Artikel 10 Tipps für Steigerung der Motivation.