Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Alle Wege führen nach Rom Italienreisen im frühen und hohen Mittelalter

Auch wenn im Mittelalter die Menschen durchaus schon so häufig unterwegs gewesen sind, daß man von einer gänzlich immobilen Gesellschaft nicht wird sprechen können, blieben die Fahrten über die Alpen nach Italien insbesondere im frühen und hohen Mittelalter dennoch etwas...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Auch wenn im Mittelalter die Menschen durchaus schon so häufig unterwegs gewesen sind, daß man von einer gänzlich immobilen Gesellschaft nicht wird sprechen können, blieben die Fahrten über die Alpen nach Italien insbesondere im frühen und hohen Mittelalter dennoch etwas ganz besonderes. Zugleich besitzen die mittelalterlichen Italienreisenden für die Ausbildung eines gemeinsamen europäischen Kulturraumes eine herausragende Bedeutung (Norbert Ohler). Denn südlich der Alpen kamen die Reisenden so intensiv wie in keiner anderen europäischen Landschaft mit der antiken Kultur in Berührung; erinnert sei nur an die Rezeption der antiken Kunst und des römischen Rechts in ganz Europa. Die ökonomisch leistungsfähigen Kommunen Oberitaliens und die in vielem geheimnisvolle Mischkultur Süditaliens übten während des gesamten Mittelalters einen ebenso großen Reiz auf die Reisenden aus wie das nicht nur wegen der Apostelgräber bei Pilgern beliebte Rom – das einzige Reiseziel der Welt, bei dem nicht bereits der Weg das Ziel ist (Arnold Esch). Nach einer Einleitung, in der es um »Italien« als geographischen und politischen Raum im Mittelalter sowie um Italiens Hauptstadtproblem vom Mittelalter bis in die Neuzeit gehen wird, soll im Mittelpunkt des Seminars die gemeinsame Lektüre und Interpretation von ganz unterschiedlichen Quellen vom frühen 9. bis zum ausgehenden 12. Jahrhundert stehen (Inschriftensammlungen, Itinerare und Pilgerführer, normative Quellen wie Urkunden und Gesetze, erzählende Quellen wie Viten und Chroniken, aber auch Verse und Bildquellen), die von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorzubereiten sind, so daß diese auch ihre quellenkundlichen und hilfswissenschaftlichen Kenntnisse vertiefen können. Berücksichtigt werden verschiedene Typen von Italienreisen. Ein besonderes Kapitel wird der »Frankenstraße« als der einzigen Fernreiseroute in Italien gelten, die nicht in der Antike, sondern erst während des Mittelalters geschaffen worden ist. Denn die Geschichte folgt dem Verlauf der großen Straßen (Werner Goez). Als erster Einstieg am besten geeignet ist Norbert Ohler u.a.: »Reisen. Reisebeschreibungen«, in: Lexikon des Mittelalters 7 (1995), Sp. 672–683. – Norbert Ohler: Reisen im Mittelalter, München u.a. 1986, 4. Aufl. 2004, Taschenbuchausgabe München 1991 (grundlegender Überblick). – Zur italienischen Geschichte siehe Werner Goez: Grundzüge der Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance (Grundzüge 27), Darmstadt 1975, 2. Aufl. 1984; unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage als Werner Goez: Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance (WB-Forum 17), Darmstadt 1988. – Zur Frankenstraße siehe Werner Goez: Von Pavia nach Rom. Ein Reisebegleiter entlang der mittelalterlichen Kaiserstraße Italiens, Köln 1972, 4. Aufl. 1980. – Arnold Esch: Wege nach Rom. Annäherungen aus zehn Jahrhunderten, München 2003. – Richard Krautheimer: Rom. Schicksal einer Stadt 312–1308, München 1987, 3. Aufl. 2004 (englischsprachige Originalausgabe 1980). Geschichte - Mittlere und Neuere Geschichte Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden die regelmäßige Mitarbeit und die Vorbereitung von Sitzung zu Sitzung einschließlich kleinerer Hausaufgaben erwartet. Die Studienleistung wird entweder aufgrund eines schriftlichen Sitzungsprotokolls (Ergebnisprotokolls) oder für die Mitarbeit in einer Referatgruppe bescheinigt. Für die Bescheinigung der Prüfungsleistung ist die Anfertigung einer umfassenden Quelleninterpretation erforderlich. Universität Siegen SoSe 2015 Dr. des. Schuffels Christian des