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14. März 2017Ansätze und Methoden zur Erforschung politischer Ideen
Während das Interesse an der Erforschung politischer Ideen – sei es unter dem Namen politische Ideengeschichte, Intellectual History oder Geschichte des politischen Denkens – seit Jahrzehnten als unvermindert beschrieben werden kann, ist ein spezifisches Interesse an den Ansätzen und Methoden,...
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Jetzt Lernplan erstellenWährend das Interesse an der Erforschung politischer Ideen – sei es unter dem Namen politische Ideengeschichte, Intellectual History oder Geschichte des politischen Denkens – seit Jahrzehnten als unvermindert beschrieben werden kann, ist ein spezifisches Interesse an den Ansätzen und Methoden, mit denen eine solche Erforschung betrieben werden kann oder soll, gerade in der deutschsprachigen Politikwissenschaft erst in den letzten Jahren wieder erstarkt. Mit dem Wiederaufflammen des methodischen Interesses kehren zentrale Fragestellungen zurück auf die Forschungsagenda, die bereits in den 1960er und 70er Jahren zu einer breiten, interdisziplinären Debatte über den -richtigen- Umgang mit Texten geführt hatten, deren Beantwortung jedoch nach wie vor aussteht.
Ausgangspunkt für den Versuch einer methodischen Neuausrichtung der Disziplin war ursprünglich das wachsende Unbehagen an den traditionellen, ideengeschichtlichen -Gipfelwanderungen- und damit einer stark autorenzentrierten Darstellungsweise eines mehr oder minder immer gleichen Kanons großer Denker und deren klassischer Texte. Die Erneuerung des Faches wurde dabei in erster Linie durch zwei sprachgeschichtliche Kontextualisierungsversuche geprägt: zum einen durch die vor allem in Deutschland zur Blüte gelangte -Begriffsgeschichte- Reinhart Kosellecks, zum anderen durch das Wirken der englischen -Cambridge School- um J. G. A. Pocock und Quentin Skinner. Die dritte Säule bildete Michel Foucaults diskurstheoretisches Programm einer -Archäologie- oder -Genealogie- des Wissens. Für die klassische Ideengeschichte eines Friedrich Meinecke oder Arthur O. Lovejoy hatte Foucault nur noch Spott übrig. In seinen Augen waren dies -liebenswerte, aber verspätete Spielchen von Historikern in kurzen Hosen-.
Die Dominanz der drei großen -Schulen- versperrte lange Zeit den Blick auf vermittelnde oder sogar gänzlich alternative Ansätze zur Erforschung politischer Ideen. Die aktuellen Trends und Entwicklungen innerhalb des Faches Ideengeschichte deuten gegenwärtig jedoch auf eine gewisse Dynamisierung auf dem Methodenmarkt hin. Möglicherweise eröffnet die neu wieder angestoßene Debatte das Feld für einen aufgeklärten Methodenpluralismus. Oder was noch besser wäre: für einen offenen Wettstreit um die besten Methoden.
Zu Beginn des Seminars werden ein Handapparat mit der wichtigsten Sekundärliteratur sowie ein gleichnamiger Moodle-Kurs eingerichtet.
Alemann, Ulrich von: Politische Ideengeschichte als Museum, Schule, Ideendatenbank – oder was sonst?, in: Helmut Kramer (Hrsg.): Politische Theorie und Ideengeschichte im Gespräch, Wien 1995, S. 187–195.
Bermbach, Udo: Politische Theoriengeschichte. Probleme einer Teildisziplin der Politischen Wissenschaft (= PVS-Sonderheft 14), Opladen 1984.
Bermbach, Udo: Bemerkungen zur politischen Theoriegeschichte, in: Politische Vierteljahresschrift 22 (1981), S. 181–194.
Beyme, Klaus von: Politische Ideengeschichte. Probleme eines interdisziplinären Forschungsbereiches, Tübingen 1969.
Bödeker, Hans-Erich (Hrsg.): Begriffsgeschichte, Diskursgeschichte, Metapherngeschichte, Göttingen 2002.
Buchstein, Hubertus/Göhler, Gerhard (Hrsg.): Politische Theorie und Politikwissenschaft, Wiesbaden 2007.
Foucault, Michel: Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 1973.
Jordan, Stefan: Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft, Paderborn [u. a.] 2009.
Koselleck, Reinhardt: Begriffsgeschichte und Sozialgeschichte, in: Ders. (Hrsg.): Historische Semantik und Begriffsgeschichte, Stuttgart 1979, S. 19–36.
Koselleck, Reinhardt: Einleitung, in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 1, Stuttgart 1972, S. XIII–XXVII.
Landwehr, Achim: Historische Diskursanalyse, Frankfurt und New York 2008.
Llanque, Marcus: Politische Ideengeschichte – Ein Gewebe politischer Diskurse, München und Wien 2008.
Lottes, Günther: -The State of the Art”. Stand und Perspektiven der -intellectual history”, in: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Neue Wege der Ideengeschichte. Festschrift für Kurt Kluxen zum 85. Geburtstag, Paderborn [u. a.] 1996, S. 27–45.
Pocock, J. G. A.: Languages and Their Implications: The Transformation of the Study of Political Thought, in: Ders.: Politics, Language, and Time. Essays on Political Thought and History (New York 1972), Nachdruck Chicago 1989.
Rosa, Hartmut: Ideengeschichte und Gesellschaftstheorie: Der Beitrag der ,Cambridge School’ zur Metatheorie, in: Politische Vierteljahresschrift 35, Heft 2 (1994), S. 197–223.
Schorn-Schütte, Luise: Historische Politikforschung, München 2006.
Skinner, Quentin: Meaning and Understanding in the History of Ideas, in: History and Theory 8, (1969), S. 3–53.
Stollberg-Rilinger (Hrsg.): Ideengeschichte, Stuttgart 2010.
Seminar für Sozialwissenschaften
Studienleistung:
regelmäßige und aktive Teilnahme (max. 2 Fehlzeiten)
regelmäßige und gründliche Lektüre der ca. 30 bis 40 Seiten langen Basistexte zu jeder Woche
Übernahme eines (Impuls-)Referats oder einer vergleichbaren mündlichen o. schriflichen Leistung (Diskussionspapier, Gruppenarbeit)
Abschlussprüfung:
mündliche Prüfung oder Hausarbeit
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Erbentraut Philipp M.A