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Uni-Siegen
14. März 2017

Anthropologie der Geschlechterdifferenz am Beispiel des satirischen Romans der Spätaufklärung

Im 18. Jahrhundert wurden die Weichen für moderne Geschlechterkonzeptionen gestellt, sei es der Gleichheit oder der Differenz. Vor dem Hintergrund einer bürgerlichen

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Im 18. Jahrhundert wurden die Weichen für moderne Geschlechterkonzeptionen gestellt, sei es der Gleichheit oder der Differenz. Vor dem Hintergrund einer bürgerlichen 'Polarisierung der Geschlechtscharaktere' (Karin Hausen), die den Erfordernissen einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft entsprach, waren es vor allem die Erkenntnisse einer empirisch orientierten 'Menschenkunde', die von der zeitgenössischen Literatur mitgeschaffen und weiter verarbeitet wurden. Im Unterschied zum empfindsamen Roman (Richardson, Rousseau, Sophie von La Roche) bieten die satirischen Romane der Spätaufklärung einen fiktionalen Experimentalraum für die Applikation einer pessimistischen Anthropologie. Schon Christoph Martin Wielands Don Silvio von Rosalva (1764) stellt sich nicht nur in die Tradition der europäischen Don Quixote-Rezeption, sondern lässt sich auch als ironische Lese(r)-Poetologie verstehen. Im Vergleich zu Nicolais pädagogischer 'Maschinerie' (Sebaldus Nothanker, 1763-1776) schlägt Johann Karl Wezels psychologische Begründung des (Un-)Wahrscheinlichkeits-Prinzips eine Brücke zur 'Erfahrungsseelenkunde' (Karl Philipp Moritz, 1780 ff.) wie zum klassischen Bildungsroman. Im Anklang an Lawrence Sternes Tristram Shandy bahnen manieristische Schelmenromane wie Wezels Tobias Knaut den Weg zu Jean Pauls anti-klassischen 'Humoresken' der 'deutschen Misere' (z.B. Siebenkäs). Obwohl es sich um männliche Autoren handelt, rückt die Geschlechterdifferenz zentral in den Blick. Vorbedingung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft zu einem (Gruppen-)Referat und zur Bewältigung eines umfangreichen Lektüre-Pensums. Primärliteratur: - Wieland, Christoph Martin: Der Sieg der Natur über die Schwärmerey, oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva. Eine Geschichte worinn alles Wunderbare natürlich zugeht. 2 Bde. [1764]. Wien: August Scholl & Co., s.d. - Nicolai, Friedrich: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker. [1773-76]. Hildesheim u.a.: Olms Vlg. 1988 - Wezel, Johann Karl: Lebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt. Aus Familiengeschichten gesammlet. [1777]. Berlin: Rütten & Loening 1990 - ders.: -Vorrede zu -Herrmann und Ulrike- [1780]. In: Hartmut Steinecke/Fritz Wahrenburg (Hg.), Romantheorie. Texte vom Barock bis zur Gegenwart. Reclam 1999, S. 203-207 - Jean Paul [Richter]: Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal. Eine Art Idylle [1793]. Ffm. 1984 - ders.: Blumen-, Frucht- und Dornenstükke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel - ders.: Leben des Quintus Fixlein, aus funfzehn Zettelkästen gezogen nebst einem Mustheil und einigen Jus de Tablette [1796], Stuttgart: RUB 1979 Sekundärliteratur: - D'Aprile, Iwan-Michelangelo/Winfried Siebers: Das 18. Jahrhundert. Zeitalter der Aufklärung. Berlin: Akademie Vlg. 2008 - Engel, Manfred: Der Roman der Goethe-Zeit. Stuttgart 1993 - Bickenbach, Matthias: Von der Möglichkeit einer 'inneren' Geschichte des Lesens. Tübingen: Niemeyer 1999 - Werber, Niels: -Phantasmen der Macht. Funktionen des Phantastischen- - Heinz, Jutta: Wissen vom Menschen und Erzählen vom Einzelfall. Untersuchungen zum anthropolologischen Rahmen der Spätaufklärung. Berlin: de Gruyter 1996 - Gumbrecht, Hans Ulrich: Eine Geschichte der spanischen Literatur. 1. Bd. Ffm. 1990 - Dangel-Pelloquin, Elsbeth: Eigensinnige Geschöpfe. Jean Pauls poetische Geschlechter-Werkstatt. Freiburg i. Br.: Rombach 1999 Germanistik - Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft I Universität Siegen WiSe 2010/11 apl. Prof. Dr. Runte Annette