Uni-Hannover
14. März 2017Arno Schmidt
Martin Walser bat Arno Schmidt im Jahr 1953, er möge doch einmal bei der Gruppe 47 lesen: -Wenn Sie lesen würden, hätte die ganze Veranstaltung mehr Sinn.-, so Walser. Er warb mit großen Namen: Böll, Aichinger, Dürrenmatt. Schmidt lehnte ab....
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Jetzt Lernplan erstellenMartin Walser bat Arno Schmidt im Jahr 1953, er möge doch einmal bei der Gruppe 47 lesen: -Wenn Sie lesen würden, hätte die ganze Veranstaltung mehr Sinn.-, so Walser. Er warb mit großen Namen: Böll, Aichinger, Dürrenmatt. Schmidt lehnte ab. Selbst als der notorisch klamme Autor von seinem damaligen Verleger mit einem Preisgeld angelockt werden sollte, ließ sich dieser nicht erweichen. -Ich eigne mich nicht als Mannequin.-, lautete seine Antwort. Versehen mit dem Appendix: -PS: Muss man bei der Gruppe 47 auch singen, oder braucht man nur nackt vorzulesen?- Eine Äußerung, die typisch ist für den sperrigen Arno Schmidt. Sie transportiert neben seinem gefürchteten, wie bewunderten Humor seinen Spott und seine Abscheu gegenüber Institutionen. Das Rampenlicht, welches die Vertreter der Gruppe 47 suchten, war ihm zu grell. Dem -Wortmetz-, wie er sich selbst gern nannte, genügte sein abgelegenes Landleben in der Heide, Öffentlichkeit entsprach ihm nicht. Dennoch ist Schmidt schon zu Lebzeiten zu einer Legende geworden. Erstaunlich! Denn: so wie Schmidt schrieb keiner: überbordend experimentell, boshaft, witzig. Den einen galt er als zu elitär und unlesbar – für die anderen waren seine Texte dagegen visionär, unbestechlich und ungemein modern; nicht zuletzt durch seinen unverwechselbaren Sprachduktus.
Dem Wesen, wie dem Werk von Arno Schmidt möchte sich dieses Seminar widmen. Da sein Œuvre so umfangreich wie heterogen ist, kann nur eine Auswahl Gegenstand der Betrachtung sein: Vornehmlich die Trilogie Nobodaddy‘s Kinder, bestehend aus den kurzen Romanen Aus dem Leben eines Fauns, Brand's Haide und Schwarze Spiegel. Darüber hinaus wird die Korrespondenz mit anderen Autoren, wie seine literaturhistorische Arbeit für den Rundfunk thematisiert. Ist letztere zwar als reine Brotarbeit entstanden, so zeugt sie doch von Schmidts konzisen Kenntnissen der Literaturgeschichte, dabei zugleich von seinen literarischen Vorlieben, die zweifellos Rückschlüsse auf sein Werk zulassen.
Arno Schmidt: Nobodaddy’s Kinder. Frankfurt a. M. 2005.
Bernd Rauschenbach (Hrsg.): Arno Schmidt für Boshafte. Frankfurt a. M. 2007.
Wolfgang Martynkewicz: Arno Schmidt. Reinbek bei Hamburg 1992.
Wolfgang Albrecht: Arno Schmidt. Stuttgart 1998.
Gasthörendenstudium
Begrenzte Teilnehmerzahl.
Anmeldungen sind ab Dienstag, den 22.03.2016, 09:00 Uhr möglich.
Persönlich im Gasthörendenbüro oder per Email: ghs-info@zew.uni-hannover.de
Universität Hannover
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