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Uni-Hannover
14. März 2017

Arrangieren und Normieren Geld und Güter im Kontext von Erbe und Ehe

In Gesellschaften der Frühen Neuzeit wie der Moderne und bis in die Gegenwart ist das Erben als ein wesentlicher Modus anzusehen, über den Geld und Güter von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden und werden – wenn auch nicht...

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In Gesellschaften der Frühen Neuzeit wie der Moderne und bis in die Gegenwart ist das Erben als ein wesentlicher Modus anzusehen, über den Geld und Güter von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden und werden – wenn auch nicht in allen sozialen Milieus gleichermaßen. Einen zweiten, für Vermögenstransfers zentralen Moment stellten Eheschließungen dar: Geld in Form von Mitgift, Heiratsgut oder Brautschatz und Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Bett- und Tischwäsche oder Hausrat –, zugleich aber auch Wäsche, Kleider, Schmuck der Braut und vieles andere mehr einschließlich einer Truhe zu deren Aufbewahrung wechselten von einer Familie in eine andere, von einem Haus in ein anderes. In welcher Form, Höhe und Ausgestaltung diese Transfers erfolgten, hing von vielfältigen Faktoren ab: von rechtlichen Vorgaben, die sich je nach Stadt und Region sowie nach sozialem Milieu unterscheiden konnten, vom sozialen Status, von der konkreten Konstellation von Geschwistern beim Erben oder des Paares bei der Heirat, von persönlichen Interessen, von Vorstellungen der Angemessenheit, der Familienkontinuität, aber auch von Argumenten der Bevorzugung oder Benachteiligung. Reiches Quellenmaterial ist in den Archiven überliefert, das dieses komplexe Zusammenspiel von Arrangieren und Normieren dokumentiert. Inhalt und Ziel des Seminars ist es, mit solchem Quellenmaterial vom 16. bis zum 19. Jahrhundert – vornehmlich Heiratsverträgen und Testamenten – intensiv zu arbeiten, die Logiken des darin Vereinbarten und Verfügten zu erschließen, zu kontextualiseren und die Ergebnisse in aktuelle Forschungsfelder zur Geschichte der Verwandtschaft, der Ehe und der materiellen Kultur einzubinden. Stefan Brakensiek, Michael Stolleis u. Heide Wunder (Hg.), Generationengerechtigkeit? Normen und Praxis im Erb- und Ehegüterrecht 1500–1850, Berlin 2006. Karin Gottschalk, Eigentum, Geschlecht, Gerechtigkeit. Haushalten und Erben im frühneuzeitlichen Leipzig, Frankfurt a. M./New York 2003 . Margareth Lanzinger u. a., Aushandeln von Ehe. Heiratsverträge der Neuzeit im europäischen Vergleich, Köln/Weimar/Wien 2015 (2. Auflage). Geschichte, Master of Arts Universität Hannover WiSe 2015/16 PD Dr. Lanzinger Margareth