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14. März 2017Ästhetik des Androgynen Zwittertum als Chiffre in der europäischen Literatur
Im Sinne einer Überwindung des Geschlechtergegensatzes erweist sich
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Jetzt Lernplan erstellenIm Sinne einer Überwindung des Geschlechtergegensatzes erweist sich 'Androgynie', d.h. 'Mannweiblichkeit', als ein uraltes Fantasma der Menschheit. Doch wie die Übersetzung des griechischen Ausdrucks bereits zeigt, ist ihm auch eine geschlechtliche Hierarchie eingeschrieben, die vor allem von feministischer Seite kritisch hinterfragt wurde.
Ausgehend von den abendländischen Gründungsdiskursen, nämlich dem Mythos vom 'Kugelmenschen' in Platons 'Gastmahl' und der Sage vom Hermaphroditen bei Ovid, wollen wir uns in diesem Proseminar anhand ausgewählter Beispiele und auf der Basis von Achim Aurnhammers bahnbrechender Studie (1986) zunächst mit der motivgeschichtlichen Entwicklung der facettenreichen Chiffre des 'Zwittertums' in der europäischen, insbesondere deutschsprachigen Literatur, vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, beschäftigen. In einem zweiten Schritt stellt sich die Frage, ob sich in der Moderne vielleicht sogar eine spezifische 'Ästhetik des Androgynen' entfaltet hat. Die 'Lehre vom Schönen' müsste dabei nicht nur um eine 'Ästhetik des Hässlichen' (Karl Rosenkranz 1853, Umberto Eco 2010) ergänzt, sondern der Blick auch auf den 'Manierismus' (vgl. Gustav René Hocke) als anti-klassischer Stilrichtung gelenkt werden.
Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Proseminar ist die Bereitschaft zur Lektüre theoretischer Texte und zur Übernahme von Referaten. Ein 'Reader' mit Primärliteratur wird, nach gemeinsamer Absprache in der ersten Sitzung, in den Semesterapparat bzw. in 'Moodle' gestellt.
Sekundärliteratur
- Achim Aurnhammer: Androgynie. Studien zu einem Motiv in der europäischen Literatur. Köln/Wien: Böhlau 1986
- Gustav René Hocke: Die Welt als Labyrinth. Manier und Manie in der europäischen Kunst. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1957
- Umberto Eco (Hg.): Die Geschichte der Hässlichkeit. München: dtv 2010
- Ulla Bock und Dorothee Alfermann: -Androgynie in der Diskussion: Auflösung der Geschlechterrollen oder Verschwinden der Geschlechter? - Eine Einleitung-. In: Dies. (Hg.), QuerElles. Jahrbuch für Frauenforschung 1999. Bd. 4 (Androgynie. Vielfalt der Möglichkeiten). Stuttgart/Weimar: Metzler 1999, S. 11-35
- Androgyn. Sehnsucht nach Vollkommenheit. [Neuer Berliner Kunstverein: Katalog der Ausstellung von 1986]. Hg. von Ursula Prinz. Berlin: Reimer 1986
- Ulrike Klöppel: XX0XY ungelöst. Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin. Eine historische Studie zur Intersexualität. Bielefeld: transcript Vlg. 2010, S. 13-19, 299-303 und 585-607
- Peter Gorsen: -Intersexualismus und Subkultur. Zum Abbau der Geschlechterspannung-. In: Anita Albus u.a., Maskulin - Feminin. Die Sexualität ist das Unnatürlichste von der Welt. München 1975, S. 93-139
- Barbara Wedekind-Schwertner: 'Daß ich eins und doppelt bin'. Studien zur Idee der Androgynie unter besonderer Berücksichtigung Thomas Manns. Ffm./Bern/New York: Peter Lang 1984, S. 1-281
Germanistik - Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft I
Universität Siegen
SoSe 2012
apl. Prof. Dr.
Runte Annette