Uni-Siegen
14. März 2017Ästhetik und Anästhetik der Selbstinszenierung im Web 2.0 Kompetenzentwicklung in sozialen Netzwerken
Das Web 2.0 stellt die Medienwissenschaften und die Medienpädagogik vor besondere Probleme, denn offensichtlich werden die Standards, die für das traditionelle Mediensystem noch vergleichsweise generelle Geltung beanspruchen konnten, nicht mehr allgemein akzeptiert: Die Unterscheidung von Privatheit und Öffentlichkeit, der Gegensatz...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDas Web 2.0 stellt die Medienwissenschaften und die Medienpädagogik vor besondere Probleme, denn offensichtlich werden die Standards, die für das traditionelle Mediensystem noch vergleichsweise generelle Geltung beanspruchen konnten, nicht mehr allgemein akzeptiert: Die Unterscheidung von Privatheit und Öffentlichkeit, der Gegensatz von Professionalität und Amateuren, die Differenz von Produktion und Konsumtion, die Grenzen von Medien, die allgemeine Medialisierung der sozialen, kulturellen und ökonomischen Umwelt sorgen für eine so grundlegend veränderte Bedeutung der Medien, dass souveränes Handeln innerhalb des Mediensystems eines veränderten Sets an Kompetenzen bedarf. Zugleich lassen die Aktivitäten der Nutzer innerhalb des veränderten Mediensystems darauf schließen, dass ein Großteil der traditionell als unerlässlich erachteten Werte wie Privatheit und Identität augenscheinlich enorm an Relevanz verloren hat.
Traditionelle Konzepte der Medienkompetenz gehen jedoch von genau diesen Werten aus und versuchen sie in der Medienrezeption aufrecht zu erhalten. Wenn allerdings diese normativen Parameter zur Debatte gestellt werden, dann muss ein vollständig neues Modell von Medienkompetenz und ein dem adäquates der Medienästhetik entworfen werden. Dieses Modell kann selbst sich nicht an den traditionellen Leitbildern und normativen Standards der Medienkompetenzdebatte und der Medienästhetik orientieren, sondern solche Standards müssten in Auseinandersetzung mit den Akteuren selbst in diesem Feld neu entwickelt werden.
Vor dem Hintergrund neuer Strategien der Selbstinszenierung und deren Ästhetik soll ein für das Web 2.0 adäquates Modell von Medienkompetenz und Medienästhetik der Selbstinszenierung entworfen und medienpraktisch umgesetzt werden.
Insofern gliedert sich das Projekt in drei Phasen:
I. Es diskutiert und analysiert zunächst die Medienkompetenzdebatte im Bereich der analogen und digitalen Medien.
II. Es reflektiert die Ästhetiken, Praktiken, Medienprodukte, Handlungsrollen und Identitätsmodelle im Web 2.0.
III. Es entwickelt dann vor diesem Hintergrund Informations- ‚Aufklärungs‘- und Trainingsmaterial, das einen adäquaten Kompetenzerwerb für die vom Web 2.0 vorgesehenen neuen Handlungsrollen ermöglichen soll und zugleich selbst die Standards und Möglichkeiten dieser Medien bedenkt und einsetzt.
Das Ziel besteht in einer ‚Online‘-Publikation, die den Akteure eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Web 2.0 ermöglichen soll und zugleich dessen Handlungsrollen und Muster aktiv nutzt. Es soll dabei also nicht nur deskriptiv oder analytisch, sondern es soll zugleich medienpraktisch vorgegangen werden. So soll praktisches Material wie etwa Tests für diejenigen analytischen und medienästhetischen Fähigkeiten entwickelt werden, die im Web 2.0 erforderlich sind. Darüber hinaus soll Diskussionsmaterial für eine Auseinandersetzung mit der Thematik entwickelt werden. Zugleich sollen neue Informationsformate über Inszenierungsstrategien und Ästhetiken für die Instrumente des Web 2.0 entwickelt und ausprobiert werden.
Projektplan:
02. April 2012 Vorbesprechung –Termine – Gruppenaufteilung
16. April 2012 Einführungsveranstaltung- Aufriss und Diskussion der Problematik
23. April 2012 Theorie und Geschichte des Kompetenz-Modells
30. April 2012 Theorie und Geschichte der Medienkompetenz
07. Mai 2012 Strukturen des Web 2.0
14. Mai 2012 Modelle von Medienkompetenz im Web 2.0
21. Mai 2012 Modelle von Medienkompetenz im Web 2.0
04. Mai 2012 Instrumente, Formate und Darstellungsformen im Web 2.0
11. Juni 2012 Gruppenarbeitsergebnisse I: Darstellungsformen für die Onlinepublikation
18. Juni 2012 Gruppenarbeitsergebnisse II: Analytische Formate
25. Juni 2012 Gruppenarbeitsergebnisse III: Testformate
02. Juli 2012 Gruppenarbeitsergebnisse IV: Formate in sozialen Netzwerken
09. Juli 2012 Abschlusssitzung: Diskussion der Ergebnisse
Modalitäten:
- Die Anmeldung zum Projekt findet über das LSF statt.
- Parallel schreiben die Bewerber sich in den Moodle-Kurs ein. Den Zugangscode erhalten Sie per Mail an: leschke@medienwissenschaft.uni-siegen.de
- In Moodle finden Sie die für das Projekt erforderliche Literatur und die Themenliste. Die Teilnehmer tragen sich für ein theoretisches Thema ein.
- Das Projekt gilt als erfolgreich absolviert, sofern eine publikationsfähige Darstellung der theoretischen Thematik (Online-Publikation) und die erfolgreiche Mitarbeit an einer Grup-penarbeit mit einem medienpraktischen Entwurf vorgelegt wird.
- Alle Arbeiten (theoretische & Gruppenarbeit) sind bis zum 15.09.2012 in einfacher Ausführung abzugeben. Zudem sind die Texte per E-Mail an lesch-ke@medienwissenschaft.uni-siegen.de zu schicken.
- Die Projektgruppensitzungen werden montags, jeweils von 16-18 Uhr, abgehalten.
Medienwissenschaft - Medienphilosophie
Universität Siegen
SoSe 2012
apl. Prof. Dr.
Leschke Rainer