Uni-München
14. März 2017Seminar Der gendersensible Gesundheitsdiskurs in Europa
Das Wechselspiel zwischen dem biologischen Geschlecht, der kulturell geprägten Geschlechtsrollenorientierung und dem individuellen Gesundheitsverhalten scheint also Teil der conditio humana zu sein und entfachte in den vergangenen Jahren im gesamten Gesundheitswesen ein nachhaltiges interdisziplinäres Interesse für geschlechtssensible Forschungsansätze, Diagnosekriterien und...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDas Wechselspiel zwischen dem biologischen Geschlecht, der kulturell geprägten Geschlechtsrollenorientierung und dem individuellen Gesundheitsverhalten scheint also Teil der conditio humana zu sein und entfachte in den vergangenen Jahren im gesamten Gesundheitswesen ein nachhaltiges interdisziplinäres Interesse für geschlechtssensible Forschungsansätze, Diagnosekriterien und Behandlungsangebote. Nahezu alle an diesem Diskurs beteiligten Wissenschaftszweige versuchen seither die Frage zu klären, auf welche Weise die Geschlechtsidentität den individuellen Lebensstil und die physische wie auch psychische Gesundheit zu beeinflussen vermag. Gleichzeitig erwuchs eine große Aufmerksamkeit für die Auswirkung populärer Geschlechtsrollenstereotype.
Darüber hinaus entzündete sich eine nachdrückliche Neugier für kulturelle Aspekte und kulturspezifische Unterschiede. Sie mündete in die Erkenntnis, dass die oben beschriebenen geschlechtsspezifischen Unterschiede in den einzelnen europäischen Regionen äußerst differenziert betrachtet werden müssen. Wie wird also das individuelle Gesundheitsverhalten von Frauen und Männern durch überindividuelle kulturelle Kontexte vorstrukturiert? Wie variiert diese Vorstrukturierung in den unterschiedlichen Gesellschaften und Kulturräumen Europas? Auf welche Weise prägen kulturspezifische Krankheitskonzepte geschlechtsspezifische Identitätskonstruktionen und das persönliche Krankheitserleben? Orientiert sich beispielsweise die Definition der -Krankenrolle- tatsächlich überall an traditionellen weiblichen Rollenelementen, wodurch sich Männer mit einem traditionellen Geschlechtsrollenverständnis im Krankheitsfalle stigmatisiert fühlen? Oder kommt es in einigen postmodernen Gesellschaften nicht vielmehr zu einer Auflösung der Geschlechtermerkmale, wodurch die Unterschiede innerhalb eines Geschlechtes zwar zunehmen, jene zwischen den Geschlechtern jedoch abzunehmen scheinen?
All diesen und zahlreichen anderen spannenden Fragen werden wir im Rahmen des Seminars nachgehen Im Lichte einzelner Falldarstellungen aus unterschiedlichen europäischen Regionen werden nicht nur die Perspektiven, Prinzipien und Praktiken der Gendermedizin nachgezeichnet, sondern auch unterschiedliche gesundheitspolitische Strategien überdacht. Darüber hinaus fahnden wir nach der kulturellen Bedeutung des gendersensiblen Gesundheitsdiskurses und erlauben uns einige historische Rückblicke, wie der Zusammenhang zwischen Geschlecht und Gesundheit in früheren Epochen gewürdigt wurde.
Einführende Literatur: Berchtold, Johannes: 1. Österreichischer Männergesundheitsbericht mit dem Schwerpunkt: Psychosoziale Gesundheit der Männer. In: Gesundheit weiblich – männlich. Grenzüberschreitende Veranstaltungsreihe Gender Medizin, Vaduz 2008, S.45-50; Bischof-Köhler, Doris: Geschlecht. In: Handbuch Anthropologie. Der Mensch zwischen Natur, Kultur und Technik, Stuttgart 2009, S.332-336; Bischof-Köhler, Doris: Von Natur aus anders. Die Psychologie der Geschlechtsunterschiede, Stuttgart 2006; Bruchhausen, Walter: Gesundheit/ Krankheit. In: Handbuch Anthropologie. Der Mensch zwischen Natur, Kultur und Technik, Stuttgart 2009, S.336-340; Dinges, Martin: Männlichkeit und Gesundheit im historischen Wandel, Stuttgart 2007; Duby, Georges: Eva und die Prediger, Frankfurt am Main 1998; Mauerer, Gerlinde (Hrsg.): Frauengesundheit in Theorie und Praxis, Bielefeld 2010; Neises, Mechthild/ Schmid-Ott, Gerhard (Hrsg.): Gender, kulturelle Identität und Psychotherapie, Lengerich et al. 2007; Nideröst, Sibylle: Männer, Körper und Gesundheit, Bern 2007; Schweig, Nicole: Gesundheitsverhalten von Männern. Gesundheitsverhalten in Briefen. 1800-1950, Stuttgart 2009; Zemp Stutz, Elisabeth: Das Gleiche ist nicht dasselbe –
Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde
B.A. Hauptfach Volkskunde/Europ. Ethnologie:
6 ECTS, Hausarbeit oder Klausur, benotet (Modulprüfung mit WP 1.2)
B.A. Nebenfach Vergl. Kultur- und Religionswissenschaft:
4 ECTS, Hausarbeit oder Klausur, benotet (Modulprüfung mit WP 5.1)
LMU München
WiSe 1415
Dr. phil.
Leder Christoph phil