Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Aufbauseminar Aesthetics of Working Through

Das Bekenntnis zu einer europäischen Gemeinschaft, wie wir sie heute erleben, ist untrennbar mit der Aufarbeitung gewaltsamer Vergangenheiten verbunden, der Weltkriege und vor allem der Shoah. Historische Aufklärung und Verarbeitung scheinen eine selbstverständliche kulturelle Praxis geworden zu sein; und doch...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Das Bekenntnis zu einer europäischen Gemeinschaft, wie wir sie heute erleben, ist untrennbar mit der Aufarbeitung gewaltsamer Vergangenheiten verbunden, der Weltkriege und vor allem der Shoah. Historische Aufklärung und Verarbeitung scheinen eine selbstverständliche kulturelle Praxis geworden zu sein; und doch wird besonders angesichts der gegenwärtigen Krisen die Unabgeschlossenheit von gewaltsamen Vergangenheiten deutlich, in denen sich Europa zu sich selbst und dem, was es als sein Außen verstanden hat, neu verhalten muss. Wie kann man ihr Nachleben thematisieren und es ebenfalls in Relation zu aktuellen Geschehnissen, wie beispielsweise dem Erstarken vieler nationalistischer und rechter Bewegungen setzen? Wir werden uns diesen Fragen durch eine Untersuchung des Arbeitsbegriffs und einer mit ihm zusammenhängenden Logik der Produktion kritisch nähern, die für das Konzept der Moderne eine entscheidende Rolle spielt. Dieses ist, besonders im Anschluss an Prozesse der Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert, mit Fragen nach der Struktur von Subjekt, Zeit und Geschichte verbunden, die wiederum selbst eine Gewaltgeschichte hervorgebracht haben. Sigmund Freud definierte das analytische -Durcharbeiten- als -Durchquerung eines traumatischen Ereignisses und seiner Transformation in eine bewusste Erfahrung-, ebenso prägte er die Begriffe -Trauerarbeit- und -Traumarbeit-. Diese Praktiken werden wir im Seminar auf die ästhetische Strategie des Reenactment an der Schnittstelle von Film, Theater und Videokunst beziehen, die ihren Fokus nicht nur auf die Formierung und Reformierung des bewussten Subjekts legt, sondern den Spielraum, der sich durch ein Nachspielen als -Arbeit einer differentiellen Wieder-holung- (Werner Hamacher) eröffnet. Gemeinsam anschauen werden wir uns Claude Lanzmanns einzigartige Aufarbeitung der -Shoah- ebenso wie den gerade erst ausgezeichneten Spielfilm -Son of Saul-, der wegen seiner ästhetischen Herangehensweise an den Holocaust kontrovers diskutiert wurde, die Stücke des Schweizer Theaterregisseurs Milo Rau, vor allem seine aktuelle -Europa-Trilogie-. Ebenso werden wir ästhetische Praktiken des Durcharbeitens und -Entwerkens- außerhalb Europas in Bezug auf koloniale und imperialistische Vergangenheiten besprechen, darunter -The Act of Killing- und -The Look of Silence- von Joshua Oppenheimer, Filme von Rithy Panh, Avi Mograbi und dem Videokünstler Omer Fast. Die Veranstaltung bildet ein Projekt mit dem Seminar -Europa: Kultur und Gewalt- von Prof. Reinhold Görling. Institut für Medien- und Kulturwissenschaft Universität Düsseldorf SoSe 2016 Bahl Silvia