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14. März 2017VL MA Evangelium gr Urtext Die Passionserzählungen
Das Bekenntnis, dass Jesus Christus -für unsere Sünden starb-, -begraben wurde- und -am dritten Tage auferstanden ist-, gehört zu den Grundaussagen christlichen Glaubens (vgl. 1 Kor 15,3-5 u.ö.). Zugleich liegt in der Tatsache, dass der Gottessohn weder einen ehrbaren noch...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Bekenntnis, dass Jesus Christus -für unsere Sünden starb-, -begraben wurde- und -am dritten Tage auferstanden ist-, gehört zu den Grundaussagen christlichen Glaubens (vgl. 1 Kor 15,3-5 u.ö.). Zugleich liegt in der Tatsache, dass der Gottessohn weder einen ehrbaren noch den Heldentod starb, sondern ausgerechnet die mors turpissima crucis erlitt, eine große Herausforderung für die Verkündigung wie die Reflexion der frühen Kirche.
In den Passions- und Ostererzählungen der vier kanonischen Evangelien wird dieses Geschehen nun in narrativer Form entfaltet. Diese Erzählungen sind -kein historisches Protokoll, sondern von Anfang an gedeutetes Geschehen- (B. Janowski). Die Deutung des Schicksals Jesu erfolgt im Horizont der religiösen Erfahrungen Israels, nicht zuletzt der Klagepsalmen und der sog. Gottesknechtslieder. Kreuzestod und Auferstehung Jesu erfolgte ja -gemäß den Schriften-, wie Paulus in 1 Kor 15,3-5 sagt. Nur so konnte die Urkirche sprachlich fassen, was an sich unfassbar war. Die vier Erzählungen stehen wiederum in einem komplexen literarischen Verhältnis zueinander und gehen auf ältere Vorlagen zurück, die vermutlich im Kontext der frühen (juden-)christlichen Pesachfeiern entstanden sind. Dass sie auch historisch auswertbare Informationen über Jesu Prozess und Hinrichtung sowie deren Auslöser enthalten, ist dabei unbestritten.
In der Vorlesung werden die neutestamentlichen Passions- und Ostererzählungen ausgelegt, ihre unterschiedlichen theologischen Akzentsetzungen werden herausgearbeitet, aber auch historische Fragestellungen behandelt.
Lit. (Auswahl – neben den Kommentaren zu den Evangelien)
Becker, J., Die Auferstehung Jesu Christi nach dem Neuen Testament. Ostererfahrung und Osterverständnis im Urchristentum, Tübingen 1997.
Chapman, D.W., Ancient Jewish and Christian Perceptions of Crucifixion (WUNT II/244), Tübingen 2012.
Egger, P., -Crucifixus sub Pontio Pilato-. Das -Crimen- Jesu von Nazareth im Spannungsfeld römischer und jüdischer Verwaltungs- und Rechtsstrukturen (NtA NF 32), Münster 1997.
Frey, J. (Hg.), Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament. Unveränd. Studienausg (UTB 2953), Tübingen 2007.
Gielen, M., Die Passionserzählung in den vier Evangelien. Literarische Gestaltung – theologische Schwerpunkte, Stuttgart 2008.
Lohfink, G., Der letzte Tag Jesu. Was bei der Passion wirklich geschah, 2. Aufl., Stuttgart 2007.
Niemand, Christoph, Jesus und sein Weg zum Kreuz. Ein historisch-rekonstruktives und theologisches Modellbild, Stuttgart 2007.
Reinbold, W., Der Prozess Jesu (Biblisch-theologische Schwerpunkte 28), Göttingen 2006.
Samuelsson, G., Crucifixion in Antiquity. An Inquiry into the Background and Significance of the New Testament Terminology of Crucifixion (WUNT II/310), Tübingen 2011.
Schleritt, F., Der vorjohanneische Passionsbericht. Eine historisch-kritische und theologische Untersuchung zu Joh 2,13-22; 11,47-14,31 und 18,1-20,29 (BZNW 154), Berlin/New York 2007.
Katholische Theologie - Biblische Theologie
Die Veranstaltung kann nur mit nachgewiesenen Griechischkenntnissen besucht werden.
Universität Siegen
20152 WiSe 2015/16
Univ.-Prof. Dr.
Weidemann Hans Ulrich