Uni-Düsseldorf
14. März 2017Aufbauseminar Kultur und Ökologie Auf dem Weg zu einer medialen Anthropologie
Wenn wir bestimmen wollen, was der Begriff der Kultur meint, denken wir wohl noch immer Kultur zuerst als Differenzbegriff zu Natur. Selbst durch die Wissenschaft geht diese Spaltung zwischen Natur- und Kultur-, oder traditioneller: Geisteswissenschaften, zwischen sciences und humanities. Wenn...
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Jetzt Lernplan erstellenWenn wir bestimmen wollen, was der Begriff der Kultur meint, denken wir wohl noch immer Kultur zuerst als Differenzbegriff zu Natur. Selbst durch die Wissenschaft geht diese Spaltung zwischen Natur- und Kultur-, oder traditioneller: Geisteswissenschaften, zwischen sciences und humanities. Wenn man jedoch im Einzelnen nachzufragen beginnt, werden alle Differenzbestimmungen schnell fragwürdig. Und damit verliert auch ein Begriff des Menschen, der auf dieser Differenz aufbaut, fast vollständig seine Kontur. Das Vermögen der Sprache etwa ist kein Privileg des Menschen, Tiere haben es ganz sicher auch. Ebenso Selbstbezüglichkeit und Selbstbewusstsein, also das Vermögen ein Ich zu haben: welchem Leben können wir es mit Sicherheit absprechen? Erinnerung, Gedächtnis, Geschichte: aktuelle Forschungen über Epigenese haben nachgewiesen, dass auch Pflanzen auf ihre Umwelt reagieren und diese Erfahrungen genetisch weitergeben. Und auf der anderen Seite der Skala: Bedeutet die These über das Anthropozän, also die These, dass die Einwirkungen des Menschen auf die Reproduktion der Welt so weitreichend ist, das wir von einem neuen geologischen Zeitalter sprechen sollten, bedeutet auch diese These nicht, dass es keinen Sinne mehr macht, zwischen Natur und Kultur zu unterscheiden und der Mensch sich als Teil eines Zusammenhangs wiederfindet, den er grundlegend beeinflusst, den er aber keineswegs bestimmt, durch den er sich gewissermaßen selbst aus der Mitte der Welt wirft?
Was ist dann Kultur, wenn der Begriff nicht mehr sinnvoll als Differenzbestimmung zu Natur Sinn macht? Kultur wäre dann ein Überbegriff für alle Prozesse, in denen Menschen in einer Austauschbeziehung mit andern stehen: mit anderen Menschen, mit Tieren, mit Pflanzen, Bakterien, ihrer Ökologie. Und im Zentrum dieser Ökologie wäre sicher wieder die Frage nach den Medien, in denen sich dieser Austauschprozess vollzieht, nach den Formen des Wissens und des Nichtwissens, der Sprache und der Bilder, der Rituale und der Dinge, der Liebe und des Hasses, der Institutionen und der Bewegungen, des Systems und der Performanz, der Starre und der Veränderung, der Regel und des Spiels, der Wiederholung und der Differenz: keine ganz neuen Fragen also, aber Fragen, die wir nicht aufhören können zu stellen, vielleicht weil dieses Fragen der kulturelle Prozess selbst ist.
Bemerkung
Die beiden Gruppen sind zwei parallel laufende, aber miteinander koordinierte Veranstaltungen mit gemeinsamen Sitzungen. Der erste Termin findet für alle gemeinsam in Raum 2302.02.22 statt.
Voraussetzungen
Handel, Lisa
Universität Düsseldorf
SoSe 2016
Univ.-Prof. Dr.
Görling Reinhold