Uni-Düsseldorf
14. März 2017Aufbauseminar Politik und Unterhaltung
Dass Politik und Unterhaltung immer stärker miteinander verschmelzen, gehört seit Jahren zu den Beobachtungen der populären und wissenschaftlichen Medienkritik. Die Forschung zu politischer Kommunikation hat dabei die Gefährdung informierter Wahlentscheidungen im Blick. In dieser Perspektive bedarf es neutraler und sachlicher...
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Jetzt Lernplan erstellenDass Politik und Unterhaltung immer stärker miteinander verschmelzen, gehört seit Jahren zu den Beobachtungen der populären und wissenschaftlichen Medienkritik. Die Forschung zu politischer Kommunikation hat dabei die Gefährdung informierter Wahlentscheidungen im Blick. In dieser Perspektive bedarf es neutraler und sachlicher Information, um die BürgerInnen in die Lage zu versetzen, sich zu den aktuellen Politikoptionen zu verhalten. Entsprechend werden Mischformen zwischen Politik und Unterhaltung, also etwa die politische Talkshow oder die late-night-comedy in Bezug auf Wissensvermittlung und Meinungsbildung als problematisch betrachtet. Die Forschung zur Unterhaltung hat sich innerhalb der Sozialwissenschaft v.a. auf die Verarbeitung von unterhaltenden Medieninhalten konzentriert, nicht so sehr auf die Inhalte selbst. Unterhaltende Inhalte gelten als nützliche Unterstützung, wenn es darum geht, pro-soziale Kampagnen zu gestalten oder Wissen zu verbreiten. Allerdings gilt ein Zuviel an Unterhaltung als hinderlich für das Lernen neuer Inhalte. Das Seminar wird sich mit den -pros- und -contras- von Unterhaltung im politischen Kontext befassen und dabei auch die zugrundeliegenden Ansätze und Befunde aufarbeiten. Es wird auch diskutiert, inwiefern Politik in Unterhaltungskontexten auftaucht, also etwa in Form von Politikern in Quizshows oder in Form von Krimis im Politikermilieu, und welche Konsequenzen das für das Publikum und die politischen Akteure haben kann. Ziel des Seminars ist es, Problembewusstsein für die Vermischung von Politik und Unterhaltung zu entwickeln, aber auch die Potenziale der Mischformen für die Reichweiten der jeweiligen Botschaften zu erkennen. Abschließend werden offene Fragen identifiziert, der Bedarf an theoretischen Weiterentwicklungen skizziert und verschiedene Untersuchungsdesign und Methoden diskutiert, mit denen die einschlägigen Phänomene analysiert werden können.
Programm:
Bestandsaufnahme:
Wo finden Politik und Unterhaltung in den Medien statt? Wo erwarten wir Unterhaltung und Politik in Reinform? Welche Gattungen, welche Formate, in Bezug auf welche Inhalte?
Definitionen:
Welcher Politikbegriff soll in Anschlag gebracht werden, was wollen wir unter Unterhaltung verstehen? Was fassen wir als Politainment, was fassen wir als Infotainment, wo ist die Grenze zwischen politischer Unterhaltung und unterhaltender Politik? Wer verantwortet die Vermischung, wer treibt sie voran: Medien oder Politik?
Forschungsstand:
Was wissen wir über die Vermischung von Politik und Unterhaltung in Bezug auf Inhalte und Formate?
Wie kann man diese Mischformen klassifizieren? Welche Typologien liegen vor?
Was wissen wir über die Rezeption von Unterhaltung und Politik? Was wissen wir über die Rezeption von Infotainment und Politainment? Wie einschlägig sind Kultivierungsforschung, Lerntheorien, edutainment, Videomalaise?
Was wissen wir über die Wirkungen von Politainment und Infotainment?
Wie könnte die Wirkung von Politainment auf die Anschlusskommunikation aussehen?
Designs:
Wie kann man Rezeption und Wirkungen erfassen?
Wie kann ich Politainment messen?
Sozialwissenschaften (BA, PO 2000)
Anforderungen für eine Abschlussprüfung:
- Mündliche Prüfung (20 Min.) ODER
- Hausarbeit (ca. 15 Seiten) zu einer vorher abgestimmten Fragestellung
Anforderungen für einen Beteiligungsnachweis:
- Aktive Mitarbeit in Form von Referat (15 Min.)
- Hausaufgaben
Universität Düsseldorf
WiSe 2015/16
Univ.-Prof. Dr.
Eilders Christiane