Uni-Düsseldorf
14. März 2017Basisseminar Europa Kultur und Gewalt
Europa ist in der Krise. Aber was ist Europa? Ist Europa das Netz der Handelsbeziehungen, Fernstraßen, Verordnungen, Gesetze und Verwaltungsinstitutionen, die seit dem zweiten Weltkrieg entstanden sind? Europa habe eine gemeinsame Geschichte, die verpflichtet, wird immer wieder gesagt. Diese Geschichte...
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Jetzt Lernplan erstellenEuropa ist in der Krise. Aber was ist Europa? Ist Europa das Netz der Handelsbeziehungen, Fernstraßen, Verordnungen, Gesetze und Verwaltungsinstitutionen, die seit dem zweiten Weltkrieg entstanden sind? Europa habe eine gemeinsame Geschichte, die verpflichtet, wird immer wieder gesagt. Diese Geschichte ist eine Geschichte der Gewalt und der Kriege, der Kriege zwischen Religionen und Nationen, der Kriege um Besitz und Macht auch in den Kolonien und -Interessensgebieten-. Eine Gemeinschaft, die sich auf eine solche Geschichte bezieht, kann keine Nation sein, jedenfalls keine, die sich noch über den Gegensatz zu anderen Gemeinschaften begründet. Europa ist das Projekt einer Gemeinschaft, die erst noch geschaffen werden muss: Das war und ist der Kern des europäischen Gedankens nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Das aber ist nicht nur ein politischer, rechtlicher und ökonomischer Prozess: Das ist im Kern ein kultureller Prozess, ein Experiment der Schaffung von Formen des Zusammenlebens, die sich nicht mehr auf den Ausschluss von anderen und die gewaltsame Homogenisierung im Inneren begründen. Aber wird nicht Europa eben von dieser Geschichte selbst immer wieder eingeholt? Was kehrt wieder, wenn rechtsextreme Politiker heute, 25 Jahre nach dem Fall des -eisernen Vorhangs- in Polen und Ungarn an der Macht sind? Was kehrt wieder, wenn Europa Grenzzäune gegen Flüchtlinge errichtet und Lager errichtet? Welche Mechanismen werden aktualisiert, wenn die Fremden als Täter in den -Medien- dargestellt werden, aber nur wenige von der täglichen Gewalt gegen die Flüchtlinge sprechen?
Woher kommen Angst und Gewalt in der Begegnung mit dem anderen? Sind transkulturelle Prozesse vielleicht immer gewaltsam? Welche Bedeutung haben Gewalterfahrungen? Gibt es kollektive Traumata? Was wären kulturelle Prozesse auf dem Weg in eine immer nur kommende Gemeinschaft?
Im Seminar -Aesthetics of Working Through- von Silvia Bahl werden ähnliche Fragen mit dem Fokus auf die Möglichkeiten des Films behandelt. Darin bilden beide Veranstaltungen ein Projekt. Außerdem ist der Seminarverlauf mit meinem Seminar Kultur und Ökologie abgestimmt. Es sei deshalb empfohlen, diese drei Modulbestandteile zusammen zu belegen.
Institut für Medien- und Kulturwissenschaft
Universität Düsseldorf
SoSe 2016
Univ.-Prof. Dr.
Görling Reinhold