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14. März 2017Bildnarrationen
Die verschiedenen Formen der Bildnarration, ob als Comic-strip, Graphic Novel, Bandes dessinées, Fumetti oder Bilderzählung, stellen eine eigene Kunstform dar, die der französische Literaturwissenschaftler Francis Lacassine sogar als -9. Kunst- bezeichnet hat. Obwohl in den gängigen Anthologien weitgehend Einigkeit darüber...
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Jetzt Lernplan erstellenDie verschiedenen Formen der Bildnarration, ob als Comic-strip, Graphic Novel, Bandes dessinées, Fumetti oder Bilderzählung, stellen eine eigene Kunstform dar, die der französische Literaturwissenschaftler Francis Lacassine sogar als -9. Kunst- bezeichnet hat.
Obwohl in den gängigen Anthologien weitgehend Einigkeit darüber herrscht, welche Bildnarrationen zu den 'Klassikern' gehören, lässt sich doch keine randscharfe Definition finden.
Seit Will Eisner die Bildnarration als -sequential art- und Scott McCloud sie als -the juxtaposition of fixed (mostly drawn) pictures on a support as a communcative act- bestimmt hat, scheint die Grundlage für eine systematischere Erforschung des Themengebiets durch Kunstgeschichte, Literatur- und der Kulturwissenschaft gelegt zu sein. Zwar legt die -sequential art- aufs Sequentielle fest, die Bestimmung von McCloud dagegen ist so variabel, dass sie Bilderzählungen nun nicht mehr auf bestimmte Präsentationsformen festlegt.
Im Aufgreifen genealogischer, formalästhetischer und sozialgeschichtlicher Ansätze, wollen wir uns zunächst einen an der Chronologie orientierten Überblick über 'Klassiker' der Bildnarration verschaffen. Weil ein genealogischer Strang auf die Verknüpfung mit den Mechanismen von Presse, modernem Journalismus und Zielgruppenorientierung verweist, rücken zunächst die amerikanischen Comics in den Blick, von den frühen 'komischen' (The Yellow Kid, Krazy Cats, Little Nemo) über die Tiercomics (Mickey Mouse, Donald Duck), und die Heldencomics (Tarzan) bis zu den Antihelden (etwa Peanuts). Als eigenständige Formen bzw. Reaktionen sollen aus dem französischsprachigen Bereich Tim und Struppi, Lucky Luke und Moebius vorgestellt werden.
Die Teilnehmer sollen jeweils einen Comic vorstellen (gern auch eigene Vorschläge!); gemeinsam wollen wir dann auch in praktischen Übungen erkunden, wie die Bild- und Textökonomie im Einzelfall beschaffen ist.
Weil die Definition McClouds den Untersuchungshorizont auch historisch öffnet, sollen in einem zweiten Teil neben frühen Kombinationen von Text und Bild (wie in der Trajanssäule, dem Teppich von Bayeux) vor allem solche Positionen betrachtet werden, in der die expressive Qualität der Linie die Narration vorantreibt. Dazu gehören die Bildnarrationen von Rodolphe Töpffer (die 1956 schon der Kunsthistoriker Ernst Gombrich als erste Comic strips vorstellt, auch bei McCloud), Wilhelm Busch, William Hogarth und Gustave Doré und Honoré Daumier.
An ausgewählten Beispielen soll schließlich auf den spezifisch 'aufklärerischen' Impetus und die der Bildnarration in besonderem Maße zugesprochene didaktische Effizienz eingegangen werden (Struwwelpeter, Barbarella, The Adventures of Phoebe Zeitgeist, didaktischer Einsatz von Bildnarration etwa im Unterricht usw.). Diese der Bildnarration in besonderer Weise unterstellte Funktion weist ebenso auf die Wurzeln in Populärkultur und Massenmedium wie in Bilderbogen, Flugschrift und Satire zurück, wie auf die spezifische zeichnerische und erzähltechnische Zuspitzung, die wir in den Einzelanalysen freilegen wollen.
Scott McCloud, Comics richtig lesen, Hamburg 1999
Scott McCloud, Comics neu erfinden, Hamburg 2002
Scott McCloud, Comics machen, Hamburg 2007
Will Eisner, Mit Bildern erzählen. Comics & Sequential Art, Hamburg 1995
Andreas Platthaus, Im Comic vereint. Eine Geschichte der Bildgeschichte, Leipzig 2000
Andreas Platthaus, Die 101 wichtigsten Fragen. Comics und Mangas, München 2008
Klaus Schikowski, Die großen Künstler des Comics, Hamburg 2009
Ole Frahm, Die Sprache des Comics, Berlin 2010
Stephan Ditschke, Katerina Kroucheva, Daniel Stein, hg., Comics. Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums, Bielefeld 2009
Heinz Ludwig Arnold, Andreas C. Knigge, Comics, Mangas, Graphic Novels, München 2009
Frank Leinen, Guido Rings, hg., Bilderwelten-Textwelten-Comicwelten. Romanistische Begegnungen mit der neunten Kunst. München 2007
Stefanie Diekmann, Mattias Schneider, hg., Szenarien des Comics. Helden und Historien im Medium der Schriftbildlichkeit, Berlin 2005
Michael Hein, Michael Hüners, Thorsten Michaelsen, hg., Ästhetik des Comics, Berlin 2002
D. Grünewald, Comics. Kitsch oder Kunst? Die Bildgeschichte in Analyse und Unterricht. Ein Handbuch zur Comic-Didaktik, Weinheim 1982
Alexander Roob, Theorie des Bildromans, Köln 1997 (Töpffer, Busch, Hogarth)
Günter Metken, Comics, Frankfurt 1970
s. auch -Portal:Comic-Wikipedia- und website der -Gesellschaft für Comicforschung-
Kunstwissenschaft
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