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Uni-Essen
14. März 2017

Blockseminar 8222 Subjekt oder Objekt 8211 Hahn oder Henne 8220 8211 Zur Logik der Gender

Prof. Goldammer: Die abendländische Kultur wird dominiert durch die sog. -Aristotelische Logik-, die das Fundament der heutigen Mathematik sowie der Naturwissenschaften darstellt. Solange man es ausschließlich mit toten Objekten zu tun hatte, war dieser logische Unterbau als Fundament – im...

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Prof. Goldammer: Die abendländische Kultur wird dominiert durch die sog. -Aristotelische Logik-, die das Fundament der heutigen Mathematik sowie der Naturwissenschaften darstellt. Solange man es ausschließlich mit toten Objekten zu tun hatte, war dieser logische Unterbau als Fundament – im Sinne formaler Denkwerkzeuge – völlig ausreichend. Das ändert sich aber sofort, wenn lebende Systeme oder Prozesse wissenschaftlich formal modelliert werden sollen. Aus logischer Sicht existiert in der abendländischen Kultur noch nicht einmal ein DU, denn es ist -sowohl Subjekt als auch Objekt- und damit aus logischer Sicht -weder Subjekt noch Objekt-. Es gilt, die logisch-formalen Bedingungen aufzuzeigen, die notwendig sind, um die Dichotomie, den Dualismus von Subjekt und Objekt – die so genannte Subjekt-Objekt-Spaltung – in eine Komplementarität von -sowohl Subjekt als auch Objekt und weder Subjekt noch Objekt- zu transformieren. Dr. Mense: Die Logik des Geschlechterdiskurses: In den vorgestellten theoretischen Annahmen und Denkmodellen zu Fragen der Subjekt-Objekt-Beziehungen werden Annahmen über die Geschlechterordnung und Geschlechterdifferenz deutlich, in denen, wie die drei -Klassikerinnen- der feministischen Theoriebildung, Simone de Beauvoir, Luce Irigaray und Judith Butler, herausgearbeitet haben, Frauen wahlweise das zweite Geschlecht, das abgeleitete oder nicht ein Geschlecht sind. Gemeinsam soll anhand der Lektüre von Textauszügen der drei Autorinnen ihr Verständnis von Geschlechter­differenz(en) analysiert und ihre Strategien zur Überwindung der herrschenden Geschlechterordnung diskutiert werden. Dr. Redlich: (A) Logisch-dialektisch-kybernetische Implikationen des Ich-Du-Verhältnisses: In der Regel findet man in den Wissenschaften nur monokon­texturale Theorien, die von einem handelnden Subjekt ausgehen, dem ein zu verstehendes, bearbeitendes Objekt gegenüber gestellt wird, was zu problematisieren ist (in der Ökonomie, Kommunikationswissenschaft etc.); (B) Eine detailliertere Subjekt-Objekt-Analyse wird in der Psychiatrie von Lacan unter Bezug z.B. auf Hegels Dialektik darge­stellt und ist von besonderer Bedeutung für das Geschlechterverhältnis, zu-gleich eine Abkehr oder nur Modifikation der Theorie von Freud; (C) Sennetts Kapitalismus-Kritik sprengt die einseitige Subjekt-Objekt-Dialektik, indem er die -falsche- Ökonomie des Kapitalismus in ihren Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuen kritisch darstellt. Lernziele: Systemisches Denken; (gender-)kritische Betrachtung der Subjekt-Objekt-Beziehung in den Wissenschaften; vertieftes Verständnis der -polykontexturalen- Subjekt-Objekt-Dialektik Beauvoir, Simone de (2009): Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek bei Hamburg. (10. Aufl.) Butler, Judith (1991): Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt a.M. Drygala, Anke; Günter, Andrea (Hg.) (2010): Paradigma Geschlechterdifferenz. Ein philosophisches Lesebuch. Sulzbach/Taunus Irigaray, Luce (1979): Das Geschlecht, das nicht eins ist. Berlin Institut für Optionale Studien IOS Diese Veranstaltung ist im fachfremden Studium liberale für Studierende aller Fachrichtungen geeignet. Regelmäßige Teilnahme und 6seitiges Essay oder Referat (3 Credits). Fakultativ zusätzlich Kurzexzerpt zur Pflichtlektüre (+1 Credit). In E3 ist regelmäßige, aktive Teilnahme mit Vor-/Nachbereitung neben dem erfolgreichen Bestehen Voraussetzung zum Scheinerwerb. Geduldet wird eine entschuldigte (!) Fehlzeit von max. 3 Std. bei den BS mit einem Umfang von 30 Std. Universität Duisburg-Essen SS 2012 Bachelor, Bachelor Dr. Redlich Dieter