Uni-Essen
14. März 2017Blockseminar Ehre Anerkennung in der Frühen Neuzeit und in der Moderne
Wer jemand ist – vor den anderen und auch vor sich selbst – das regelt in der Frühen Neuzeit die ‚Ehre‘, in der Moderne aber Begriffe wie ‚Leistung‘ und ‚Anerkennung‘. Wie hat sich dieser Wandel vollzogen und was bedeutet er...
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Jetzt Lernplan erstellenWer jemand ist – vor den anderen und auch vor sich selbst – das regelt in der Frühen Neuzeit die ‚Ehre‘, in der Moderne aber Begriffe wie ‚Leistung‘ und ‚Anerkennung‘. Wie hat sich dieser Wandel vollzogen und was bedeutet er für die Konstitution des Ich in der Gesellschaft?
Die Ehre in der Frühen Neuzeit betrifft verschiedene Formen sozialer Differenzierung wie Herkunft, Geschlecht, Stand oder auch einzelne Berufe. So gab es sogenannte unehrliche Handwerker, wie Henker oder Abdecker, die als ehrlose Menschen am Rande der Gesellschaft lebten. Die Offiziere verteidigten ihre Ehre in Duellen. Die Kategorie der Ehre verlor in der modernen Gesellschaft seit Ende des 18. Jahrhunderts, vor dem Hintergrund von Gleichheitsforderungen und Menschenrechten, an Plausibilität. Die Unehrlichkeit der Berufe wurde abgeschafft, als letztes, 1819 in Preußen, die der Abdecker, die Duelle um die Ehre der Offiziere hielten sich dagegen noch bis ins 20. Jahrhundert.
An die Stelle der Ehre tritt in der Moderne, etwa bei Fichte und Hegel, das Konzept der Anerkennung. Es geht nun nicht mehr um die Ehre als äußeres Zeichen eines Rangs, sondern um Entstehung der eigenen Subjektivität durch die Blicke der anderen. Selbst der Herr, so Hegel, kann nur Herr sein, weil er vom Knecht als Herr anerkannt wird.
Wir werden im Seminar insbesondere den Prozess des Übergangs von der Differenzierung einer Gesellschaft durch Ehre hin zur Dynamik von Leistung und Anerkennung in den Blick nehmen. Insbesondere die Literatur der Zeit um 1800 bietet hier reiches Quellenmaterial, um sowohl diesen Wandel als auch seine Komplexität zu verstehen.
Zur Einführung: Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre. (Reclam). Hierzu: Eberhard Ostermann: Christian Wolfs Kampf um Anerkennung. Eine anerkennungstheoretische Deutung von Schillers Erzählung ‚Der Verbrecher aus verlorener Ehre‘. In: Literatur in Wissenschaft und Unterricht 34 (2001), S. 211-224.
Germanistik
Universität Duisburg-Essen
WS 2013/14
Germanistik