Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar Fundamentalismus Psychologische Überlegungen zu Struktur und Funktion
Der Begriff Fundamentalismus ist in aller Munde. Spätestens seit dem 11. September 2001, der Zerstörung des World Trade Centers durch islamische Terroristen, ist Fundamentalismus - im Alltagsdiskurs wie in einem Großteil der Medien beinahe automatisch mit dem Attribut islamisch...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Begriff Fundamentalismus ist in aller Munde. Spätestens seit dem 11. September 2001, der Zerstörung des World Trade Centers durch islamische Terroristen, ist Fundamentalismus - im Alltagsdiskurs wie in einem Großteil der Medien beinahe automatisch mit dem Attribut islamisch oder islamistisch verknüpft und so praktisch zum Synonym für Terrorismus geworden. Diese Gleichsetzung ist begrifflich ebenso falsch wie politisch gefährlich. Zurecht ist darauf hingewiesen worden, dass der oberste Feldherr des War against Terrorism selbst persönliche Wurzeln in einer christlich fundamentalistischen Tradition hat. Nicht nur haben alle Weltreligionen ihre je eigenen Fundamentalismen hervorgebracht, fundamentalistische Bewegungen sind keineswegs auf den Bereich des Glaubens beschränkt. Nach einer klassischen Definition ist Fundamentalismus eine willkürliche Abschließungsbewegung, die als immanente Gegentendenz zum modernen Prozess der generellen Öffnung des Denkens, des Handelns, der Lebensformen und des Gemeinwesens absolute Gewissheit, festen Halt, verlässliche Geborgenheit und unbezweifelbare Orientierung durch irrationale Verdammung aller Alternativen zurückbringen soll. Es geht darum, die Vielfältigkeit dieser Bewegungen, ihre Strukturähnlichkeit und ihre Differenzen zu erfassen.
Das Seminar verfolgt zwei Ziele. Zum einen, in Grundzügen unterschiedliche Formen des religiösen und des Fundamentalismus als Kulturmilieu kennen zu lernen; zum anderen, Fundamentalismus als Haltung, als spezifische psychische Disposition zu rekonstruieren. Was sind die psychischen Mechanismen und Ingredienzien, die für fundamentalistische Urteils- und Handlungsoptionen anfällig machen? In welchen sozialen Kontexten können solche Haltungen sich destruktiv entfalten? Hier wird vor allem die Adoleszenztheorie eine Rolle spielen.
Die Referatsthemen können nach der verbindlichen Anmeldung bei Frau Ochtendung (ochten@uni-kassel.de) mit mir schriftlich vereinbart werden (e-mail Adresse: dr.chschneider@arcor.de Betreff: -Blockseminar Fundamentalismus-). Die Referate sollen schriftlich ausgearbeitet sein (max. 10 Seiten) und ein kurzes Handout für die anderen Seminarteilnehmer enthalten. Referate können auch zu zweit gehalten werden. Hausarbeiten können erst dann vergeben werden, wenn keine Referatstermine mehr zu vergeben sind. Hausarbeiten (max. 15 Seiten, incl. Literaturliste) bitte mit 1½ Zeilenabstand und korrekter Zitierweise.
Bielefeldt/Heitmeyer, Politisierte Religion, Frankfurt 1999
Huntington, Kampf der Kulturen, München 1996
Kepel/Milelli, Al-Qaida. Texte des Terrors, München 2006
Kepel, Die Rache Gottes, München 1991
Kienzler, Der religiöse Fundamentalismus, München 1996
Kochanek, Die verdrängte Freiheit. Fundamentalismus in den Kirchen, Freiburg 1991
Meyer, Fundamentalismus Aufstand gegen die Moderne, Hamburg 1989
Riesebrodt, Die Rückkehr der Religionen, München 2000
Tibi, Die fundamentalistische Herausforderung, München 1992
Zusätzlich zu dieser Literatur gibt es noch die Möglichkeit, einzelne, zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienene Aufsätze beim Seminarleiter zu bestellen.
BemerkungMax. 40 TN. Anmeldung per mail: ochten@uni-kassel.de mit Name, Adresse, e-mail, Fachrichtung und Semesterzahl und im Betreff Fundamentalismus. Nach Anmeldebestätigung mit Dr. Schneider Referatsthemen absprechen.
FB 01 Institut für Erziehungswissenschaft
Uni Kassel
SS2007
Erziehungswissenschaften
Privatdozent
Schneider Christian Privatdozent