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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Auf den Spuren des Homo Ludens Zwischenstop Massively Multiplayer Online Games

Der Begriff des Spiels bzw. der des Spielens wird in den Sozialwissenschaften immer wieder aufgegriffen und verwendet. Erstes Ziel des Seminars soll es sein, verschiedene sozialwissenschaftliche Sichtweisen auf Spiel und spielen zu erarbeiten. Nach Johan Huizinga ist -Spiel ist eine...

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Der Begriff des Spiels bzw. der des Spielens wird in den Sozialwissenschaften immer wieder aufgegriffen und verwendet. Erstes Ziel des Seminars soll es sein, verschiedene sozialwissenschaftliche Sichtweisen auf Spiel und spielen zu erarbeiten. Nach Johan Huizinga ist -Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.- Spiel verbleibt bei Huizinga in einem -Zauberkreis-, getrennt vom alltäglichen Leben. Ein ähnliches Bild zeichnet Roger Callois, wenn er schreibt: -(T)he game’s domain is therefore a restricted, closed, protected universe: a pure space.- Ein anderes Bild ergibt sich beim Lesen von Erving Goffmans Artikel -Spaß am Spiel-. Während alle drei Schreiber darin übereinstimmen, dass spielen ernsthaft sein kann (z.B. Huizinga: -Dies ‚bloße Spielen‘ (kann) mit dem größten Ernst vor sich gehen-) bemerkt Goffman: -Das Problem des ‚Zu-ernst‘ oder des ‚ Nicht-ernst-genung‘ ergibt sich in ‚Gaming‘-Begegnungen oft genug, nicht weil es um ein Spiel, sondern weil es um eine Begegnung geht.- Spielen als menschliche Begegnung (oder Face-to-Face Situation; nach Goffman der Prototyp jeder sozialen Interaktion) gesehen, bricht den -Zauberkreis- auf und verortet das die Aktivität des Spielens im Hier-und-Jetzt. Daran anschließend will die zweite Zielsetzung des Seminars versuchen die erarbeiteten Begrifflichkeiten auf Multiplayer Computerspiele (Hauptaugenmerk Massively-Multiplayer-Online-Games; aber auch andere Spielformen sind nicht kategorisch ausgeschlossen: klassische Gesellschaftsspie-le, LARP etc.) anzuwenden. Interessant an Multiplayer Computerspielen wäre, wenn man der Idee des -Zauberkreis- folgen wollte, dass sie in einem ‚ doppelten Zauberkreis‘ verweilen würden. Zum einen wäre sie als Spiel abseits des Alltäglichen (Kreis 1) und zum anderen werden Spielsituationen in ihnen durch das Internet vermittelt (Kreis 2) – sie wären virtuelle** Spiele. Hier soll die Diskussion um den Begriff der virtuellen Welten aufgegriffen werden. Nehmen Multiplayer Computerspieler das spielen als -Exodus*** to the Virtual World- (Edward Castronova) wahr oder vertreten sie den Standpunkt von Villi Lehdonvirtha -Virtual Worlds Don’t Exist-. Das dritte Ziel des Seminars geht Hand in Hand mit der zweiten Zielsetzung. Die Seminarteilnehmer sollen den Elfenbeinturm der Wissenschaft und die staubigen Buchhallen verlassen, um den Spuren des Homo Ludens (Johan Huizinga) zu folgen und im Sinne von Robert E. Park ins Leben einzutauchen (-Get your feet wet!-). Zu dem Seminar wird es einen Reader im moodle geben. *der spielende Mensch **-nicht echt, nicht in Wirklichkeit vorhanden, aber echt erscheinend- (Duden) ***Auszug FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2012/13 Kernstudium Dr. Dellwing Michael