Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar Harald Szeemanns Museum der Obsessionen im Kontext von moderner Ausstellungsgeschichte und Kunstkritik
Harald Szeemann (1933 - 2005) war einer der bedeutendsten Ausstellungskuratoren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1961 übernahm er die Leitung der Kunsthalle Bern, die er mit aufsehenerregenden Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst international bekannt machte. Zu einem Meilenstein wurde...
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Jetzt Lernplan erstellenHarald Szeemann (1933 - 2005) war einer der bedeutendsten Ausstellungskuratoren in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1961 übernahm er die Leitung der Kunsthalle Bern, die
er mit aufsehenerregenden Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst international bekannt
machte. Zu einem Meilenstein wurde seine Ausstellung When Attitudes Become Form (1969).
Wie auch später bei der documenta 5 (1972) arbeiteten hier zahlreiche, damals noch unbekannte
junge Künstler und Künstlerinnen prozesshaft vor Ort an der -Erweiterung des Kunstbegriffs-.
Mit der documenta 5 wurde insgesamt das Berufsfeld des Freien Kurators ins Leben
gerufen. Szeemann sprach fortan von seiner kuratorischen Praxis als -Agentur für geistige
Gastarbeit-. Gleichzeitig zeigte er mit dem künstlerischen Begriffsfeld der sogenannten
-Individuellen Mythologien- eine neue Innerlichkeit in der Kunst der 1970er Jahre. Mit seiner
Ausstellungsphilosophie vom -Museum der Obsessionen- verbindet sich die Idee, die
innere Notwendigkeit kreativen Handelns sichtbar zu machen. In diesem Sinne wurden seine
Themenausstellungen zu modernen Utopien berühmt: Junggesellenmaschinen (1975), Monte(1978) und Der Hang zum Gesamtkunstwerk (1983). Auch als Direktor der 48. und 49.
Verità
Biennale von Venedig
(1999 und 2001) verwandelte er die älteste Ausstellungsinstitution für
zeitgenössische Kunst in die Form der Autorenausstellung.
Die Lehrveranstaltung möchte diese epochalen Ausstellungen Harald Szeemanns mit Texten,
Bildern, Filmmaterialien sowie mit Datenbanken der Kunstkritik (Quellen des documenta
Archivs in Kassel) rekonstruieren und ihre Bedeutung für das zeitgenössische Kunstgeschehen
sowie für die Kunstrezeption des 20. und beginnende 21. Jahrhunderts herausarbeiten.
Damit geht auch eine Einordnung in eine allgemeine Kunstgeschichte von Großausstellungen
einher. Als Referenzen bzw. als -Stationen der Moderne- (so der Titel einer Ausstellungsgeschichte
von Eberhard Roters) sind hier die Sonderbundausstellung (Köln 1912), die Armory(New York 1913), die Erste Internationale Dada Messe (Berlin 1920), die Surrealistenausstellung
(Paris 1938) sowie die erste documenta (Kassel 1955) zu thematisieren. Ein
wichtiges Untersuchungsfeld wird dabei auch das Schriftgut der journalistischen Kunst- und
Ausstellungskritik sein. Die Arbeitsweise des Seminars wird sich durch eine Verbindung von
Vorträgen, Referaten, Präsentationen, und studentischen Arbeitsgruppen charakterisieren.
Show
Kunsthochschule Kassel
Uni Kassel
WiSe 2010/11
Kunstwissenschaft
Privatdozent Dr.
Scharf Friedhelm Privatdozent