Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar mit Einführungssitzung Aristotelismus und Anti Aristotelismus
-Der Philosoph sagt …- Mit dieser Formel berufen sich die Philosophen und Theologen des Mittelalters auf die Autorität des Aristoteles. Tatsächlich lässt sich der Einfluss, den die aristotelische Philosophie auf die europäische Geistesgeschichte bis zu Beginn der Neuzeit ausübt, in...
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Jetzt Lernplan erstellen-Der Philosoph sagt …- Mit dieser Formel berufen sich die Philosophen und Theologen des Mittelalters auf die Autorität des Aristoteles. Tatsächlich lässt sich der Einfluss, den die aristotelische Philosophie auf die europäische Geistesgeschichte bis zu Beginn der Neuzeit ausübt, in seinen vielfältigen Auswirkungen kaum beschreiben. Verantwortlich für diesen Erfolg sind die Begriffe Substanz-Akzidenz, Akt-Potenz, Materie-Form, die Aristoteles erstmals präzisiert, um auf dieser Basis eine systematisierte Gotteslehre, Naturphilosophie und Erkenntnistheorie zu begründen. Im scholastischen Mittelalter gewinnen die aristotelischen Begriffsbildungen eine Schlüsselfunktion, insofern etwa Thomas von Aquin (1224/1225-1274) mit ihrer Hilfe eine umfassende christliche Philosophie ausformuliert. Allerdings lassen sich neben den pro-aristotelischen Strömungen auch entschiedene anti-antiaristotelische Tendenzen ausmachen. So zeigt Nicolaus Cusanus (1401-1464), dass der aristotelische Gottesbegriff im Zusammenhang mit dem neu aufkommenden Unendlichkeitsdenken der Frühen Neuzeit einer Revision bedarf. Einen eigenen Höhepunkt erlebt der Anti-Aristotelismus mit Giordano Bruno, der vor dem Hintergrund des Kopernikanismus vor allem die aristotelischen Vorstellungen von der Natur und vom Kosmos als falsch bekämpft. In der Folge seiner anti-aristotelischen Grundhaltung bezeichnet Bruno Aristoteles als den -dümmsten aller Philosophen- und konzipiert eine neue Theorie der Subjektivität und Kosmologie.
Das Seminar versucht auf der Grundlage ausgewählter Texte die wechselvolle Auseinandersetzung mit der aristotelischen Philosophie nachzuzeichnen. Das Verständnis grundlegender philosophischer Begriffe, die Prinzipien philosophischer Interpretation sowie die mündliche und schriftliche Darstellung sollen in eigenen Lernschritten vermittelt werden.
Literatur:
Textgrundlagen: Aristoteles, Metaphysik, griech.-dt. mit Einleitg. u. Kommentar hrsg. von H. Seidl, phil. Bibliothek Bd. 307 und 308, Hamburg (Meiner) 1989 und 1991. Thomas von Aquin, Summe gegen die Heiden, lat.-dt., hrsg. und übers. von K. Albert und P. Engelhardt unter Mitarbeit von L. Dümpelmann, Bd. 1 und 2, Darmstadt (Wiss. Buchgesellschaft) 1972 und 1982. Nicolaus Cusanus, Dreiergespräch über das Können-Ist, lat.-dt., übers. und hrsg. von R. Steiger, phil. Bibliothek Bd. 285, Hamburg (Meiner) 1973. Giordano Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, übers. von A. Lasson, eigel. von W. Beierwaltes, hrsg. von P. R. Blum, phil. Bibliothek Bd. 21, Hamburg (Meiner) 1983
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WiSe 2013/14
Philosophie HF
Dr.
Bönker Vallon Angelika