Uni-Kassel
14. März 2017Blockseminar mit Einführungssitzung Einführung in die Kritische Theorie
Die Kritische Theorie der sog. -Frankfurter Schule-, die seit Beginn der 1930er Jahre am -Institut für Sozialforschung- von Max Horkheimer, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und anderen entwickelt wurde, gehört zu den einflussreichsten sozialphilosophischen und -wissenschaftlichen Theorien des...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Kritische Theorie der sog. -Frankfurter Schule-, die seit Beginn der 1930er Jahre am -Institut für Sozialforschung- von Max Horkheimer, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und anderen entwickelt wurde, gehört zu den einflussreichsten sozialphilosophischen und -wissenschaftlichen Theorien des 20. Jahrhunderts. Gegen die zeitgenössische -traditionelle- Philosophie und Wissenschaft ging es ihr wesentlich darum, im interdisziplinären Anschluß an Hegel und Kant, Marx und Freud die Gesellschaft als ganzes, als herrschende -Totalität- zu begreifen, um so zu ihrer emanzipativen Veränderung beizutragen.
Die Erfahrungen der Niederlagen der Arbeiterbewegung nach dem Ersten Weltkrieg, von Antisemitismus und Autoritarismus in Faschismus, Stalinismus und kulturindustrieller Integration bestimmten ihre von vielen als zu -kulturpessimistisch- zurückgewiesene Zeitdiagnose. Nach der Rückkehr aus dem vom Nationalsozialismus erzwungenen amerikanischen Exil haben Horkheimer und Adorno gegen den Konformismus der -Wiederaufbau-gesellschaft nicht nur in akademischer Forschung und Lehre, sondern auch durch vielfältige publizistische Aktivitäten, die ein weites philosophisches, soziologisches, politisches, ästhetisches und pädagogisches Spektrum umfassten, die intellektuelle Kultur der Bundesrepublik geprägt und zumindest die antiautoritäre Phase der Studentenbewegung inspiriert. Dabei zeugen nicht nur die divergierenden Positionen, die bspw. Adorno und Marcuse gegenüber den revoltierenden -68ern- einnahmen, von der Widersprüche nicht scheuenden Lebendigkeit dieser Denk- und Forschungstradition – auch die Auseinandersetzungen der -Erben- um Formen und Inhalte der Bewahrung und/oder Fortsetzung kritischer Theorie in Zeiten von globaler -Vielfachkrise- und -Postdemokratie- machen deutlich, dass diese -nicht irgendeine Forschungshypothese [ist], die im herrschenden Betrieb ihren Nutzen erweist, sondern ein unablösbares Moment der historischen Anstrengung, eine Welt zu schaffen, die den Bedürfnissen und Kräften der Menschen genügt- (Horkheimer). Im Seminar sollen die konzeptionellen Grundlagen einer derart anspruchsvollen und umfassenden Theorieperspektive vorgestellt und diskutiert werden.
Lernziele: Die Studierenden sollen befähigt werden,
• zentrale theoretische Konzepte und Überlegungen der Kritischen Theorie in ihren historischen Kontexten zu reflektieren;
• die theoretischen Begrifflichkeiten und methodisch-methodologischen Erwägungen der Kritischen Theorie auf ihren forschungs- und theoriestrategischen Gehalt hin zu befragen und -einzuordnen-;
• die Erkenntnismöglichkeiten Kritischer Theorie auf die gegenwärtigen Auseinandersetzungen in Wissenschaft und Gesellschaft zu beziehen.
Arbeitsformen/Seminaranforderungen:
• die Lektüre der zu behandelnden Texte;
• eine aktive Seminarbeteiligung;
• ein kurzes Input-Referat bzw. Ko-Referat zur Einleitung in die Seminardiskussion (inkl. einer kurzen Verschriftlichung der Thesen);
• das Erstellen eines wissenschaftlichen Arbeitsjournals zu zentralen Inhalten, Diskussionen und Erkenntnissen des Seminars.
Schwandt, M. 2010: Kritische Theorie. Eine Einführung, Stuttgart.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Hintz Michael