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Uni-Kassel
14. März 2017

Blockseminar mit Einführungssitzung Politik der Sexualität

Die Sexualität hat sich historisch und bis heute immer wieder als ein Feld erwiesen, welches in hohem Maße politisch aufgeladen war und ist. So erwiesen sich sexuelle Beziehungen oft als Feld, auf dem politische Regulationen bestimmter sozialer Zusammenhänge und Lebensweisen...

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Die Sexualität hat sich historisch und bis heute immer wieder als ein Feld erwiesen, welches in hohem Maße politisch aufgeladen war und ist. So erwiesen sich sexuelle Beziehungen oft als Feld, auf dem politische Regulationen bestimmter sozialer Zusammenhänge und Lebensweisen propagiert, ausgehandelt oder umkämpft wurden. Weiter wurden und werden nicht nur Generationengrenzen über sexuelle Normen reguliert, sondern auch politische Begründungen der Superiorität bestimmter Lebensweisen oder Gruppen gegenüber anderen werden bis heute gern mit einem Verweis auf die Sexualität »erklärt«. Mit Sexualität lässt sich Politik machen, was in der kapitalistischen Gesellschaft in der ökonomischen Weisheit des Sex sells auf den Punkt gebracht ist. Im Seminar wird dies auf der Grundlage von ausgewählten Texten und historischen wie Analysen diskutiert. Ein thematischer Schwerpunkt wird dabei auf der deutschen Geschichte der sexuellen Liberalisierung liegen, wobei die historischen Studien Dagmar Herzogs im Vordergrund stehen. In ihrer Studie über Die Politisierung der Lust geht Herzog der Frage nach, inwiefern Lust und Moral im zwanzigsten Jahrhundert zu machtvollen Instrumenten der politischen Auseinandersetzung wurden, und warum sich ausgerechnet der Bereich der Sexualität zu einem Hauptschauplatz der Debatte über die deutsche Vergangenheit, über Schuld und Massenmord, über Moral und Ethik entwickelte. Der zweite Themenschwerpunkt liegt auf den aktuellen Auseinandersetzungen um Sexualpädagogik und sexuelle Gewalt in pädagogischen Institutionen. Vor dem Hintergrund einer Rekonstruktion der Geschichte von Queer Politics soll dabei analysiert werden, inwiefern auch hier soziale Fragen als Fragen der Lebensführung auf dem Feld des Sexuellen ausgefochten werden.   Für das Kernstudium der Lehramtsstudiengänge ist dieses Seminar insofern geeignet, als es wichtig für zukünftige Lehrer_innen ist, sexuelle Dynamiken und Themen in der Schule nicht auszublenden, sondern zu reflektieren, zu thematisieren und ggf. mit den Schüler_innen zu besprechen. Dies ist in der aktuellen Situation besonders brisant geworden, in der die Aufmerksamkeit für sexuelle Übergriffe in pädagogischen Institution sehr gestiegen ist und in der gleichzeitig die Angst der Pädagog_innen gestiegen ist, etwas »falsch zu machen«. Die Reflexion über Politik(en) der Sexualität ist daher auch für angehende Lehrer_innen äußerst virulent.   Da das Seminar findet als Blockseminar statt. Die teilnehmenden Kommiliton_innen müssen die Bereitschaft mitbringen, die beiden Blöcke sehr gut vorzubereiten, was in diesem Fall bedeutet: viel und gründlich zu lesen. Becker, R. & B. Kortendiek (2010). Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. 3., erweiterte und durchgesehene Auflage. Unter Mitarbeit von Barbara Budrich, Ilse Lenz, Sigrid Metz-Gockel, Ursula Müller und Sabine Schäfer. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Becker, S., H.A.G. Bosinski, U. Clement, W. Eicher, T. M. Goerlich, W. Hartmann, G. Kockott, D. Langer, W.F. Preuss, G. Schmidt, A. Springer & R. Wille (1997): Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen. Standards der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, der Akademie für Sexualmedizin und der Gesellschaft für Sexualwissenschaft. In: Psychotherapeut, 4, 256-262. Becker, S. (2006). Abschied vom »echten«Transsexuellen. zum Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 6. Dezember 2005. In: Zeitschrift für Sexualforschung 19, 154-161. Becker, S. (2013). MRT statt TSG. Vom Essentialismus zum Konstruktivismus und wieder zurück. In: Zeitschrift für Sexualforschung 26, 145-159. Buckel, S. & J. König (2009). Körperwünsche im Recht - Zur Vermittlung von Rechtstheorie und Psychoanalyse. In: Kritische Justiz 4/2009, 337-352. Butler, J. (1991). Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Bührmann, A., A. Diezinger & S. Metz-Göckel (2014). Arbeit - Sozialisation - Sexualität. Zentrale Felder der Frauen- und Geschlechterforschung. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS Springer. Dannecker, M. (1989): Kann empirische Sexualforschung kritisch sein? Zum Andenken an Alfred C. Kinsey. In: Zeitschrift für Sexualforschung, 2. Jg. Heft 3, 207-215. Dannecker, M. (2001): Die verspätete Empirie. Anmerkungen zu den Anfängen der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Zeitschrift für Sexualforschung, 2, S. 166-180. Foucault, Michel (1983[1976]): Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Foucault, Michel (1986a[1984]): Der Gebrauch der Lüste. Sexualität und Wahrheit 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Foucault, Michel (1986b[1984]): Die Sorge um sich. Sexualität und Wahrheit 3. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Herzog, D. (2005). Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. München: Siedler. Herzog, D. (2013). Paradoxien der sexuellen Liberalisierung. Hirschfeld-Leitures, hg. von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Göttingen: Wallstein Verlag. Krass, A. (Hg.) (2003). Queer Denken. Frankfurt am Main: Suhrkamp. König, J. (2015). Sex and Babies. Ein Zwischenruf. In: Freie Assoziation, 18. Jg., Heft 1, 135-142. Lorenzer, A. (1984). Intimität und Soziales Leid. Archäologie der Psychoanalyse. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Prokop, U. & E. Rohr (Hrsg.) (2014). Inszenierungen des Unbewussten in der Moderne. Lorenzer heute. Marburg: Tectum. Schetsche, M. & R.-B. Schmidt (Hg.) (2010). Sexuelle Verwahrlosung. Empirische Befunde - Gesellschaftliche Diskurse - Sozialethische Reflexionen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Sigusch, V. (2005). Neosexualitäten. Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion. Frankfurt am Main: Campus. Sigusch, V. (2005): Sexuelle Welten. Zwischenrufe eines Sexualforschers. Gießen: Psychosozial Verlag. Sigusch, V. / Quindeau, I. (Hrsg.) (2005): Freud und das Sexuelle. Neue psychoanalytische und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Frankfurt am Main: Campus. Sigusch, V. (2008). Geschichte der Sexualwissenschaft. Frankfurt am Main: Campus. Winter, S. (2013). Geschlechter- und Sexualitätsentwürfe in der SS-Zeitung Das Schwarze Korps. Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Studie. Gießen: Psychosozial Verlag. Witte, S. (2014). Vom Wandel der Unschuld. Sexualität und Postnazismus. In: Extrablatt 9, Herbst 2014. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2015/16 Politik und Wirtschaft König Julia