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Uni-Kassel
14. März 2017

Blockseminar mit Einführungssitzung Subjekt und Gesellschaft nach Alfred Lorenzer

Der Soziologe und Psychoanalytiker Alfred Lorenzer entwarf in den 1970er und 1980er Jahren eine Kritische Theorie des Subjekts aus der systematischen Perspektive der Frankfurter Schule. In seiner Theorie der Interaktionsformen legt Lorenzer dar, in welcher Weise die Vermittlung von Subjekt...

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Der Soziologe und Psychoanalytiker Alfred Lorenzer entwarf in den 1970er und 1980er Jahren eine Kritische Theorie des Subjekts aus der systematischen Perspektive der Frankfurter Schule. In seiner Theorie der Interaktionsformen legt Lorenzer dar, in welcher Weise die Vermittlung von Subjekt und Gesellschaft und quer dazu diejenige von Natur und Kultur sich in der Konstitution des Subjekts niederschlagen. Lorenzer eröffnet damit ein Verständnis des Subjekts, welches nicht als politische Abstraktion, gefühls- und körperlos durch den Staat schwebt, sondern welches von seinem Leib nicht zu trennen ist. Dieses Verständnis des Subjekt werden wir im Seminar auf der Basis ausgewählter Texte aus Lorenzers Werk rekonstruieren. Wir werden dabei besonders die Lorenzersche Sozialisationstheorie in den Blick nehmen und diese hinsichtlich ihrer Aktualität diskutieren. Gerade in den aktuellen Diskursen der (oder mit den) Neurowissenschaften erfährt Lorenzers Entwurf einige Brisanz, insofern Lorenzer in Auseinandersetzung mit neurophysiologischen Phänomenen auf der Gesellschaftlichkeit des Leibes besteht, welche in neurowissenschaftlichen Diskursen nur allzu gern abgeschnitten wird. Dies hängt damit zusammen, dass sich im naturwissenschaftlichen Wissenschaftsparadigma konsequent argumentiert Gesellschaftlichkeit nicht denken lässt. Auch dies werden wir im Seminar genauer rekonstruieren. Für das Kernstudium der Lehramtsstudiengänge ist dieses Seminar insofern geeignet, als es wichtig für zukünftige Lehrer_innen ist, Erklärungsansätze für die Konstitution bestimmter Subjektivitäten zu kennen und zu verstehen. In der Schulpraxis sind Lehrer_innen in ihrer Lehrtätigkeit permanent auch mit Konflikten unter ihren Schüler_innen, und zwischen Schüler_innen und Kolleg_innen bzw. ihnen selbst konfrontiert. In der Bearbeitung solcher Konflikte werden immer Erklärungsansätze zu Rate gezogen, welche im Moment mit steigender Tendenz aus der Ecke natur-, gerne neurowissenschaftlicher Kausalzusammenhänge und Management Konzepten kommen, was ein Blick in die Flut von Ratgebern für Lehrer_innen beweist. In diesem Seminar wird - freilich auf sehr theoretischem Niveau - eine andere Perspektive auf die Genese von sozialen Konflikten entwickelt, die auch im Schulalltag zu den vielbeschworenen -Störungen- führen. Da das Seminar als Blockseminar nach dem Ende des Semesters stattfindet, ist die Vorbereitung dieses Blocks zentral. Nachdem wir uns in einer ersten Sitzung über den Seminarplan und das Vorgehen verständigen, werden Gruppenreferate vergeben, welche bis zum Ende der Wintersemesterpause schriftlich auszuarbeiten und abzugeben sind. Die schriftlich ausgearbeiteten Referate werden dann online gestellt und müssen von allen gelesen werden. Jede Gruppe bereitet für den Block schließlich einen mündlich vorzutragenden Kommentar zu dem Referat einer anderen Gruppe vor. In dem Block werden wir die erarbeiteten Rekonstruktionen und Thesen intensiv diskutieren. Buckel, S. & König, J. (2012). Die Desymbolisierung des politischen Körpers. In: Heidenreich, F. & Schaal, G. (Hrsg.). Politische Theorie und Emotionen. Baden-Baden: Nomos, S. 271-287. Görlich, B., Lorenzer, A. & Schmitt, A. (Hrsg.) (198x). Der Stachel Freud. Beiträge und Dokumente zur Kulturismus-Kritik. Mit Texten von Otto Fenichel, Th. W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse. Frankfurt am Main: Suhrkamp. König, H.-D., Lorenzer, A. et al. (Hrsg.) (1986). Kultur-Analysen. Frankfurt am Main: Fischer. Lorenzer, A. (1970a). Kritik des psychoanalytischen Symbolbegriffs. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1970b). Sprachzerstörung und Rekonstruktion. Vorarbeiten zu einer Metatheorie der Psychoanalyse. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1972). Zur Begründung einer materialistischen Sozialisationstheorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1973). Über den Gegenstand der Psychoanalyse oder: Sprache und Interaktion. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1974). Die Wahrheit der Psychoanalytischen Erkenntnis. Ein historisch-materialistischer Entwurf. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1977). Sprachspiel und Interaktionsformen. Vorträge und Aufsätze zu Psychoanalyse, Sprache und Praxis. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (1981). Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsgesellschaft. Lorenzer, A. (1984). Intimität und Soziales Leid. Archäologie der Psychoanalyse. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Lorenzer, A. (2002). Die Sprache, der Sinn, das Unbewußte. Psychoanalytisches Grundverständnis der Neurowissenschaften. Stuttgart: Klett-Cotta. Prokop, U. (Hrsg.) (2006). Alfred Lorenzer. Szenisches Verstehen. Zur Erkenntnis des Unbewussten. Marburg: Tectum. Prokop, U. & Rohr, E. (Hrsg.) (2014). Inszenierungen des Unbewussten in der Moderne. Lorenzer heute. Marburg: Tectum. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2014/15 Politikwissenschaften HF König Julia