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Uni-Siegen
14. März 2017

Der Nahostkonflikt im fiktionalen Film

Der sogenannte Nahost-Konflikt ist nach wie vor ungelöst. Im Kern ein Territorialkonflikt, der mit der jüdischen Einwanderung nach Palästina ab Ende des 19. Jahrhunderts begann, wurde und wird der Konflikt durch verschiedene Streitfelder überlagert und ausgeweitet. Zu nennen sind: Religion,...

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Der sogenannte Nahost-Konflikt ist nach wie vor ungelöst. Im Kern ein Territorialkonflikt, der mit der jüdischen Einwanderung nach Palästina ab Ende des 19. Jahrhunderts begann, wurde und wird der Konflikt durch verschiedene Streitfelder überlagert und ausgeweitet. Zu nennen sind: Religion, Kollektive Identitätsbildung, Nationalismus, Kolonialismus, Besatzungspolitik, wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten sowie die vielfältigen buchstäblichen und metaphorischen Ver­letzungen, die sich Israelis und Palästinenser gegenseitig zugefügt haben. Durch diese unterschiedlichen und historisch durchaus variierenden Aspekte wird jedoch nicht nur der Konflikt selbst bestimmt, sondern auch die Wahrnehmung und Ausdeutung der langjährigen Auseinandersetzung. Die von Israelis und Palästinensern ausgebildeten di­vergierenden Narrative des Konflikts prägen die jeweiligen Diskurse in Politik, Ge­sellschaft und Medien, wobei der kulturellen Bedeutungsgenerierung eine besondere Rolle zukommt. Ganz allgemein vermitteln Medien Bilder des Politischen und des Sozialen, sie (re-) konstruieren Werte und Normalitätsvorstellungen und tragen zur politischen Iden­ti­tätsbildung bei, indem sie Kriterien anbieten, anhand derer Politik wahrgenommen, interpretiert und bewertet wird. Politische Vorstellungs- und Deutungsmuster entstehen jedoch nicht nur auf der Ebene einer journalistischen Berichterstattung, sondern auch im und durch den fiktionalen Film. Filme fungieren (mit Clifford Geertz) als -Meta-Kommentare- einer Gesellschaft, sie sind Teil einer ästhetischen Repräsentationsordnung und eingebunden in politische Dis­kurse. Sie thematisieren, kritisieren und/oder legitimieren politisches und soziales Handeln. Film wird dabei eine spezifische Zeichenpraxis begriffen, die durch die Interaktion mit den Zuschauern Bedeutung generiert. Fragen nach politischen Deutungsmustern in Spielfilmen stellen sich auch vor dem Hin­tergrund einer der zentralen Erkenntnisse politischer Kulturforschung, dass nämlich fiktionale Vorstellungswelten das Verhältnis zu einem Staat ebenso prägen wie ‚harte’ politische Fakten oder öffentlich kommunizierte diplomatische Beziehungen. Hier setzt das Seminar an und geht der Frage nach, welche Wahrnehmungsmuster und Beurteilungsmaßstäbe für den Nahost-Konflikt der israelische und der palästinensische Film einem deutschen Publikum anbieten. Fakultät I - Philosophische Fakultät Universität Siegen SoSe 2012 Priv.-Doz. Dr. Nuy Sandra Priv Doz