Uni-München
14. März 2017Blockseminar Musik Literatur und Geschichte Die interpolierte Version des Roman de Fauvel im Codex BNF fr 146
Das Seminar findet als Blockseminar an der Venice International University (VIU) in der Zeit vom 19.09.-23.09.2016 (Montag bis Freitag) statt. Der Roman de Fauvel ist eine aus zwei Büchern bestehende französische Versdichtung des frühen 14. Jahrhunderts. Sie wird dem am...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar findet als Blockseminar an der Venice International University (VIU) in der Zeit vom 19.09.-23.09.2016 (Montag bis Freitag) statt.
Der Roman de Fauvel ist eine aus zwei Büchern bestehende französische Versdichtung des frühen 14. Jahrhunderts. Sie wird dem am Pariser Königshof tätigen Notar Gervès du Bus zugeschrieben und ist in zwei verschiedenen Fassungen in Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert überliefert. Die ältere Fassung stammt aus dem Jahre 1314 und ist in 12 Handschriften überliefert, die jetzt ins Jahr 1317 datierte, mithin spätere und längere Version ist nur in einer einzigen Handschrift aufgezeichnet (Paris, Bibliothèque National de France, fr. 146) und bietet einen über zahlreiche Interpolationen erweiterten Text, der neben dem eigentlichen Roman zusätzliche Versdichtungen und insbesondere zahlreiche einstimmige und mehrstimmige Musikstücke umfasst. Die zu diesem Bestand zählendenMotettenwerden teilweise dem als Mathematiker, Dichter, Musiktheoretiker, Komponisten und nachmaligem Bischof von Meaux Philippe de Vitry zugeschrieben. Am Ende des ersten Buches des Romans wird ein gewisser Chaillou de Pesstain als Autor bzw. Kompilator der Interpolationen genannt.
Der Versroman beschreibt in seinem ersten Buch den Aufstieg eines gelben Pferdes (-Fauvel-; der Name des Pferdes ist zugleich ein Akrostichon der Laster: Flaterie [Schmeichelei], Avarice [Habsucht/Geiz], U/Vilanie [Gemeinheit/Niedertracht], Variété [Unbeständigkeit], Envie [Neid], Lâcheté [Faulheit, Feigheit]), das seinen Stall verlässt und mit Hilfe der Dame Fortune auf den Thron gelangt. Weltliche und geistliche Machthaber, darunter der König und der Papst, pilgern zu Fauvel, streicheln und umschmeicheln ihn. Das zweite Buch beginnt mit einer detailreichen Beschreibung seines Hofes im Palast Makrokosmos, zu dessen Bewohnern weitere Laster gehören. Fauvel bittet Dame Fortune um ihre Hand, doch sie weist ihn zurück und schlägt ihm stattdessen vor, ihr Dienstmädchen, Vaine Gloire (eitler Ruhm) zu heiraten. Nach der ausgiebigen Hochzeitsfeier zeugt das Paar viele Nachkommen, fauveaux, die bald ganz Frankreich beherrschen. Der Roman endet mit einem Gebet an die Lilie der Reinheit, welche die letzte und einzige Hoffnung Frankreichs ist.
Die zahlreichen musikalischen Interpolationen nehmen die Thematik des Romans auf, sind teilweise auf diese Thematik hin aus älteren Vorlagen adaptiert, teilweise auch offensichtlich neu komponiert. Die Vielfalt der hier auftretenden Gattungen und kompositorischen Stile gibt ein eindrückliches Bild der musikhistorisch bedeutsamen Übergangszeit zwischen -Ars antiqua- und -Ars nova- und vermittelt einen Eindruck von der innigen Verflechtung von politischer Geschichte, Literatur, Musik und mit den zahlreichen Illustrationen auch von der zeitgenössischen Buchmalerei.
Das Seminar beabsichtigt, trotz des Schwerpunkts auf den musikalischen Interpolationen, den Kontext ganz wesentlich mit einzubeziehen.
Literatur zur Einführung:
Margaret Bent, Andrew Wathey (Hrsg.): Fauvel Studies, Oxford 1998
Emma Dillon: Medieval Music Making and the 'Roman de Fauvel'. Cambridge 2002
Karl Kügle: Fauvel. In: MGG², Sachteil Band 3, Kassel etc. Sp. 372–379
Andrew Wathey: Fauvel, Roman de. In: New Grove, Dictionary of Music and Musicians, Vol. 8, London, S. 608–614
Leistungsnachweis
• BA Hauptfach oder Nebenfach: Referat (ca. 20 Min.) und Hausarbeit (ca. 15.000 Zeichen)
• MA Hauptfach oder Profilbereich: Referat (45-60 Min.) und Hausarbeit (25.000- 30.000 Zeichen)
Die Prüfungsleistung wird benotet!
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DateinameBeschreibunggültig vongültig bis
Fauvel Vitry.pdf Viert Motetten
Lescurel.pdf Lescurel
Fauvel, Roman de in Oxford Music Online.pdf New Grove Fauvel
Interpolation nach Langfors.pdf Fauvel Interpolation
Text Roman de Fauvel.pdf Fauvel Text
Fauvel Studies Inhalt.pdf Fauvel Studies Inhalt
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Department Kunstwissenschaften
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