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Uni-Kassel
14. März 2017

Blockseminar Ortsansichten 8211 Erinnerungswege Breitenau aus interdisziplinärer Perspektive

Im Juni 2012 wird in Kassel die dOCUMENTA (13) eröffnet werden. Dabei wird auch die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen wieder in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Breitenau stellt einen besonderen Ort der Erinnerung und des Gedenkens dar. Er spiegelt wie...

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Im Juni 2012 wird in Kassel die dOCUMENTA (13) eröffnet werden. Dabei wird auch die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen wieder in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Breitenau stellt einen besonderen Ort der Erinnerung und des Gedenkens dar. Er spiegelt wie kaum ein anderer Ort die höchst wechselvolle, mehrdeutige und belastete deutsche Geschichte - und dies bis heute. Die Mauern bezeugen in Form von sichtbaren Zeichen der Veränderung die Wandlungen in der Gestaltung und Nutzung. Verkürzt polemisch könnte man sagen: vom Reformkloster cluniazensischer Prägung zum Konzentrationslager mit u.a. französischen Zwangsarbeitern. Als Ausgründung Hirsauer Mönche im 12. Jahrhundert errichtet, aber durch die Reformation aufgelöst, dienten die Klostergebäude seit 1874 als Armen- und Erziehungsanstalt, seit 1911 auch als Außenstelle eines Zuchthauses und im Nationalsozialismus als Konzentrations- und Arbeitserziehungslager. Von 1952 bis 1973 bestand in Breitenau ein Mädchenerziehungsheim. Seit 1974 befindet sich ein psychiatrisches Krankenhaus auf dem Gelände. 1984 wurde dort durch die Universität Kassel mit Unterstützung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen eine Gedenkstätte eingerichtet. Dieser vielschichtigen Vergangenheit will das Seminar unter kunst-, geschichts- und literaturwissenschaftlichen Perspektiven nachgehen. So wird sich die Kunstgeschichte zunächst mit den historischen Zeugnissen, den Relikten, den Bauphasen und dem Zustand des Gebäudes befassen. Dabei geht es nicht nur um die Blütephase des Klosters zwischen der Mitte des 12. und dem Ende des 14. Jahrhunderts. Auch Fragen der Klosterpolitik zwischen Ökonomie und Glaubensfragen sind anzusprechen. Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht sind darüber hinaus die verschiedenartigen Nutzungen als Anstalt von Bedeutung. Sie verweisen auf eine Geschichte der Ausgrenzung, Kriminalisierung und politischen Verfolgung in der Neuzeit und werfen die Frage nach Kontinuitäten über 1933 und 1945 hinaus auf. Diese Geschichte hinterlässt auch Spuren in Zeugnissen der (literarischen) Rezeption Breitenaus und in erzählten Erinnerungen an diesen Ort. Sie stehen im Mittelpunkt des germanistischen Blicks und werden darauf hin befragt, wie sich eine jeweils konkrete Form sozialer Diffamierung in deren schriftlicher Aufarbeitung niederschlägt. Die Tatsache, dass Breitenau heute auch als Gedenkstätte eine Rolle spielt und in seiner Besonderheit wiederum Künstler zu Werken anregt, wird ebenso angesprochen wie die Rolle eines solchen Ortes zwischen Erinnerungskultur und Aufbereitung als Erfahrung oder gar Event. Ein Zusammenwirken der Wissenschaften ermöglicht es in diesem Fall, den verschiedenen Aspekten, die bei der Beschäftigung mit diesem Ort zu berücksichtigen sind, umfassender gerecht zu werden. Wolfgang Ayaß, Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874-1949), Kassel 1992. Dietfrid Krause-Vilmar / Stephan von Borstel, Breitenau 1933-1945. Bilder - Texte - Dokumente / images - texts - documents, Kassel 2008. Gunnar Richter (Hg.), Breitenau. Zur Geschichte eines nationalsozialistischen Konzentrations- und Arbeitserziehungslagers, Kassel 1993. Ders., Das Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945) - ein Beitrag zum nationalsozialistischen Lagersystem, Kassel 2004. http://regiowiki.hna.de/Kloster_Breitenau Bemerkung Projektseminar mit drei Halbtages-Veranstaltungen vor Ort (jeweils Freitag 11.11., 09.12., 27.01, verbindliche Vorbesprechung Mittwoch, 26.10., 13-14 Uhr, Nora-Platiel-Str. 1, Raum 3308) - ggf. im März 2012 Möglichkeit der Teilnahme auch am Einführungsseminar zur dOCUMENTA (13). Eine zusätzliche Anmeldung per E-Mail ist erforderlich, um rechtzeitig die Unterlagen zu erhalten. Module Kunstwissenschaft: BA 1.0: XI und XII BA 2.0: VII MA: I und V FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2011/12 Kunstwissenschaft Europäische Geschichte Prof. Dr. Greif Stefan