Uni-Siegen
14. März 2017Heinrich von Kleist Novellen und Tragödien
Im Kleist-Jahr 2011 feiert das Feuilleton (vgl. Die Zeit vom 05.01.2011) die Modernität und Radikalität eines erst spät, unter anderem von Nietzsche gewürdigten Außenseiters der Weimarer Klassik, der sich - in der bewegten Epoche der Napoleonischen Kriege - auch als...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Kleist-Jahr 2011 feiert das Feuilleton (vgl. Die Zeit vom 05.01.2011) die Modernität und Radikalität eines erst spät, unter anderem von Nietzsche gewürdigten Außenseiters der Weimarer Klassik, der sich - in der bewegten Epoche der Napoleonischen Kriege - auch als publizistisch engagierter Stratege und Machttheoretiker erweist. Von Goethe verworfen und von Eichendorff der ‚Nachtseite der Romantik' zugeschlagen, nimmt das Werk Heinrich von Kleists (1777-1811), das Krankheit, Chaos und Katastrophen inszeniert, ästhetische Verfahren der modernistischen Avantgarde vorweg. Die ‚Gebrechlichkeit der Welt', durch die ein unheilbarer Riss geht, artikuliert sich in Kleists Schreiben als eine Syntax der Extreme: Kontingenz, Paradox, Transgression.
Da es im Sommersemester 2011 an der Fakultät I der Universität Siegen eine Veranstaltung zu Kleists Komödien gibt, wird sich dieses Hauptseminar ergänzend mit seinen Erzählungen und Tragödien beschäftigen. Vor dem Hintergrund eines ‚dionysischen' Antikenbilds lässt sich das Trauerspiel Penthesilea, das sich des seit der Renaissance beliebten Amazonenstoffs bedient, nicht nur als Antwort auf Goethes humanistisches Drama Iphigenie lesen, sondern auch als Allegorie der ‚unmöglichen' Geschlechterbeziehung. Ist in der Hermannsschlacht bereits die Idee des Guerillakriegs vorgedacht, schließt der Prinz von Homburg diskursgeschichtlich an die zeitgenössische Faszination durch Magnetismus und Schlafwandelei an, von der auch das ‚große historische Ritterschauspiel' Das Käthchen von Heilbronn zeugt. Kleists Novellen (z.B. Michael Kohlhaas, Das Erdbeben in Chili, Der Findling usw.) befassen sich in stilistisch ähnlich innovatorischer Form mit den Themen von Schuld und Gerechtigkeit, Zufall und Notwendigkeit.
- Kleist, Heinrich von: Sämtliche Werke und Briefe. 2 Bde. Hg. von Helmut Sembdner. Deutscher Taschenbuch Verlag ²1994
- Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Heinrich von Kleist. In Zusammenarbeit mit Roland Reuß und Peter Staengle. München 1993 (Text + Kritik)
- Kittler, Wolf: Die Geburt des Partisanen aus dem Geist der Poesie. Heinrich von Kleist und die Strategie der Befreiungskriege. Freiburg i.Br.: Rombach 1987
- Neumann, Gerhard (Hg.): Heinrich von Kleist. Kriegsfall - Rechtsfall - Sündenfall. Freiburg i.Br.: Rombach 1994
- Schuller, Marianne/Müller-Schöll, Nikolaus (Hg.): Kleist lesen. Bielefeld: transcript 2003
- Gallas, Helga: Kleist. Gesetz, Begehren, Sexualität. Zwischen symbolischer und imaginärer Identifizierung. Frankfurt a.M./Basel: Stroemfeld/Nexus 2005
- Kording, Inka/Knittel, Anton Philipp (Hg.): Heinrich von Kleist. Neue Wege der Forschung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2003
Deutsch, LA Berufskolleg, PO 2004
Bedingung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.
Universität Siegen
SoSe 2011
Deutsch, LA Gymnasium / Gesamt, PO 2004
Deutsch, LA Haupt / Real, PO 2004
apl. Prof. Dr.
Runte Annette