Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Siegen
14. März 2017

Das Elend demokratischer Elitenherrschaft

Wir sind alle Demokraten! Allerdings ist demokratische Partizipation in der repräsentativen Demokratie auf eine stark ritualisierte und reduzierte Form der Einflussnahme beschränkt. Zwar wird von Seiten der politischen Klasse regelmäßig beschworen die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen oder Themen...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Wir sind alle Demokraten! Allerdings ist demokratische Partizipation in der repräsentativen Demokratie auf eine stark ritualisierte und reduzierte Form der Einflussnahme beschränkt. Zwar wird von Seiten der politischen Klasse regelmäßig beschworen die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen oder Themen besser zu kommunizieren, doch werden Plebiszite, Referenden und andere Formen der Bürgerbeteiligung mehr als argwöhnisch auch von der veröffentlichten Meinung begleitet, werden abgehaltene Referenden nur ungern als legitime Entscheidung der Bürger anerkannt. Demokratische Staaten sind denn auch primär keine sozialen Gemeinschaften, sondern Herrschaftssysteme: Herrschaft einer politischen Elite im Namen des Volkes, manchmal für, manchmal gegen, aber immer über das Volk, wie es der Soziologe Wolfgang Sofsky zutreffend beschrieben hat. Mysteriös daran ist, dass wir das alle wissen, und das Spiel dennoch mitspielen. Wir tun so, als ob Politik tatsächlich auf das Gemeinwohl gerichtet wäre und akzeptieren, dass man uns die scheinbar richtige Politik diktiert. Vor diesem Hintergrund sollen im Seminar Theorien der Demokratie von der Antike bis zur Postdemokratie reflektiert und anhand aktueller Beispiele diskutiert werden. Demokratische Entwicklungen soziologisch und politikwissenschaftlich zu reflektieren bietet dann für die Studierenden im Seminarablauf (Präsentation, Moderation, Gruppenarbeit, Diskussion) zugleich die Möglichkeit spezifische Kompetenzen in den Bereichen Analyse-, Team- und Organisationsfähigkeit zu optimieren.   -       Der Wille des Volkes (Rousseau) -       Sozialer Liberalismus und Repräsentativdemokratie (Mill) -       Die Herrschaft der Eliten (Pareto / Michels) -       Demokratischer Realismus (Downs) -       Die Transformation der Demokratie (Agnoli) -       Kommunitaristische Demokratietheorien (Sandel / Walzer) -       Postdemokratie (Mouffe) -       Simulative Demokratie (Blühdorn) -       Demokratie und Populismus -       Demokratie in der postnationalen Konstellation: Das Elitenprojekt Europa -       Politische Selbstbestimmung am Beispiel der Schweizer Direktdemokratie Soziologie - Allgemeine Soziologie I Studienleistung: Anwesenheit+Textkenntnis+Diskussionsteilnahme+Referat. Prüfungsleistung: Studienleistung+Seminararbeit. Universität Siegen WiSe 2016/17 Dr. Jann Olaf