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Uni-Siegen
14. März 2017

Das Verhältnis von bildender Kunst und Musik in der philosophischen Ästhetik seit Kant

Die Antithese von Musik und darstellender Kunst entstammt dem 18. Jahrhundert. Musik ahmt die Dinge nicht durch Vorstellungen nach, ihre Aufgabe ist der Ausdruck von Empfindungen. Die Betonung der -Empfindung- als Inhalt der Musik bedeutet, dass das musikalische Erlebnis vor...

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Die Antithese von Musik und darstellender Kunst entstammt dem 18. Jahrhundert. Musik ahmt die Dinge nicht durch Vorstellungen nach, ihre Aufgabe ist der Ausdruck von Empfindungen. Die Betonung der -Empfindung- als Inhalt der Musik bedeutet, dass das musikalische Erlebnis vor allem von seinem Wirkungsaspekt her betrachtet wird: Es geht nicht wie in der bildenden Kunst darum, sich auf einen Gegenstand zu beziehen, der betrachtet wird, sondern um das, was die Musik an Gefühlswirkungen in unserem Inneren auslöst. Bei Kant nimmt die Musik deshalb den niedrigsten Rang unter allen Künsten ein, bei Hegel, der Kants sensualistischen Ansatz weiterführt, bekommt das musikalische Erlebnis dämonischen Charakter: Es zerstört die Fähigkeit, zwischen Subjekt und Objekt zu unterscheiden. Mit Eduard Hanslicks Programmschrift -Vom Musikalisch-Schönen- (1854) und ihrer Polemik gegen die -verrottete Gefühlsästhetik- vollzieht sich schließlich der Übergang von der Wirkungs- zur Darstellungsästhetik der Musik. Entsprechend wird – in dem Vergleich der musikalischen Form mit einer Architektur – die bildende Kunst zum Maßstab, an dem auch die Musik gemessen wird. Gegen den -Formalismus- der Darstellungsästhetik wendet sich wiederum kritisch die Ausdrucksästhetik Richard Wagners: Musik ist nicht -tönend-bewegte Form-, sondern -tönend-bewegter-Ausdruck-. Die architektonische Seite wird entsprechend zur Außenseite, zur Oberfläche der Musik, die -Sinn- nur bekommt in Verbindung mit einem subjektiven Ausdrucksinhalt in der Tiefe. Die Verhältnisbestimmung von Musik und bildender Kunst führt demnach auf den -Grundlagenstreit- der Musikästhetik, ihre kontroverse Fassung entweder als eine Wirkungs-, Darstellungs- oder Ausdrucksästhetik. Diesen Grundlagenstreit gilt es nachzuzeichnen sowie die mögliche Lösung aufzuzeigen durch einem musikphänomenologischen und intentionalanalytischen Ansatz, der den Wirkungs-, Darstellungs- und Ausdrucksaspekt als zusammengehörig in einem nicht ein-, sondern mehrdimensionalen musikalischen Erlebnis betrachtet. Die Textauszüge, die im Seminar gelesen werden, stelle ich als PDF-Dateien auf meiner Internetseite des Philosophischen Seminars zur Verfügung Philosophisches Seminar Universität Siegen SoSe 2012 Kaletha Holger